Ricciacum Dalheim
„Vinum bonum deorum donum …“: Kolloquium zieht viele Weinbegeisterte ins gallorömische Theater
Im Nachgang zum ersten Kolloquium über antike Methoden des Weinausbaus im vergangenen Jahr und einem mehrtägigen Symposium über diese Thematik im Dezember 2025 auf Sardinien, fand an historischer Stätte im gallorömischen Theater in Dalheim die zweite Auflage dieses spannenden Projektes statt.
Die Veranstalter konnten zahlreiche Besucher anlässlich des Kolloquiums willkommen heißen Foto: Herbert Becker
Veranstaltet wurde das Kolloquium vom Nationalen Forschungszentrum für Archäologie (INRA) in Kooperation mit dem Verein „Ricciacus Frënn“ und unter der Schirmherrschaft des „Centre des Monuments“. Auf der Tagesordnung standen fachkundige Referate zu den Themen „Vinifikation in antiken Amphoren“, „Paläogenetische Studie an antiken Traubenkernen aus Luxemburg“, „Terrassenweinberge und Trockenmauern“ sowie Vorträge über den Weinkonsum in der Stadt Luxemburg im Mittelalter und den damaligen Weinanbau und Weinhandel in der Abteistadt Echternach.
Mit im Boot und Kooperationspartner waren die Weinbaubetriebe Laurent Kox (Remich), Sunnen-Hoffmann (Remerschen), Krier-Welbes (Ellange-Gare) und Fränk Kyal (Remerschen), die allesamt seit geraumer Zeit mit den antiken Ausbaumethoden in Gefäßen wie Dolium oder Quevri experimentieren (s. Infobox).
Modernste Analysetechniken
Daniel Weis, Direktor des Forschungszentrums INRA, war es vorbehalten, den Auftakt der Vortragsreihe zu gestalten. Er hielt u.a. einen detaillierten Rückblick auf die letztjährige Konferenz in Cabras (Sardinien) mit Funden von rund 3000 Jahre alten Traubenkernen. Dies sei ein Anreiz gewesen, diesbezügliche Recherchen auch im Großherzogtum durchzuführen. Modernste Labortechniken erlauben heute fundierte DNA-Studien über frühgeschichtliche Rebsorten. Derartige Analysen wurden u.a. schon in Italien und Frankreich durchgeführt. Hierbei kam man z.B. in Frankreich zur Erkenntnis, dass die Rebsorte Pinot Noir den alten Rebsorten am meisten ähnelt.

Daniel Weis, Direktor des INRA, treibt über die Herkunft der Rebsorten diverse Studien voran Foto: Herbert Becker
Nicolas Meunier, Archäologe im INRA, konnte dem interessierten Auditorium zur Thematik der antiken Traubenkernfunde weitere interessante Details näherbringen. Über eindrucksvolle Relikte des historischen Weinbaus, die Terrassenweinberge und Trockenmauern, referierte im Anschluss Dr. Claude Petit, Direktor des Natur- und Geoparks Mëllerdall. Er unterstrich hierbei die Bedeutung dieser Terrassenstrukturen in puncto Drainagesystem und Erosionskontrolle. Bei dieser traditionellen Handwerkstechnik werden Steine ohne Mörtel geschichtet. Das älteste Dokument über Trockenmauern stammt im Übrigen aus Radebeul (Sachsen) und ist aus dem Jahr 1617. Wegen ihrer ökologischen Bedeutung wurde diese Technik von der Unesco in das immaterielle Kulturerbe aufgenommen.
Weinkonsum im Mittelalter
Prof. Dr. Michel Pauly, ausgewiesener Experte für die mittelalterliche Geschichte in Luxemburg und Autor der Publikation „Weinhandel und Weinkonsum in Luxemburg im Mittelalter“, konnte Erstaunliches über die Trinkgewohnheiten in früheren Zeiten aus der Hauptstadt berichten. Als Beispiel führte er einen Weinhändler namens Claus Houst aus dem 15. Jh. an, welcher laut Konto- und Steuerbüchern zwischen 1468 und 1499 unglaubliche 970 Fuder (im Schnitt 37 Fuder pro Jahr) verkauft hat. Abnehmer waren Schankwirtschaften und Privatpersonen. Umgelegt auf die damalige Einwohnerzahl ergibt sich hieraus ein Pro-Kopf-Verbrauch von täglich mehr als einem Liter Wein pro Tag. Er bemerkte hierzu weiter, dass der Wein zu dieser Zeit – neben Wasser – das nahezu einzige Getränk war und dazu hatte das Wasser bei Weitem nicht die Trinkqualität wie heutzutage.
Ein weiteres Thema des Vortrags von Dr. Pauly warf die Frage auf: „Woher kam der Wein?“ Auch hierüber gaben die gefundenen Aufzeichnungen Aufschluss: vornehmlich von der Mosel, aber auch vom Rhein und auch aus dem Elsass. So gibt es Belege über den Ankauf von Riesling von der Abtei aus Trier aus dem Jahr 1465.

Bei der Verkostung kamen die unterschiedlichsten Weine zum Ausschank, die u.a. in Amphoren vinifiziert wurden Foto: Herbert Becker
Weinbau nicht nur an der Mosel
Aber der Weinbau in Luxemburg beschränkte sich im Mittelalter nicht alleine auf die Moselregion. Zu diesem Sujet gab Dr. Henri Trauffler, ehemaliger Direktor des Lycée Echternach, ausgiebig Auskunft und hatte hierzu auch einige amüsante Anekdoten im Gepäck. In der Region um die Abteistadt wurde auch bereits im Mittelalter Weinbau betrieben. Zeugnis dafür sind u.a. alleine aus der Abteistadt 22 Kelteranlagen aus der damaligen Zeit. Auch hier war der Rebensaft das bevorzugte Getränk, Brauereien gab es damals noch kaum, und Aufzeichnungen bezeugen, dass das Bier dem Wein, im wahrsten Sinne des Wortes, das Wasser nicht reichen konnte. Vonseiten der Stadtväter wurde der im Rathaus gelagerte Wein mitunter auch als Belohnung an die Bevölkerung ausgegeben. So geschehen im Jahr 1444, wie Dr. Trauffler, zur allgemeinen Erheiterung der Besucher, berichten konnte. In Echternach war ein verheerendes Feuer ausgebrochen und die Bürger waren aufgerufen, sich an der Bekämpfung der Feuersbrunst zu beteiligen. Als Ansporn ordneten die Gemeindevertreter an, ein Fass Wein von den sieben im Rathauskeller eingelagerten auszuschenken. Fatales Ende: Die sieben Fässer waren leer, nahezu die ganze Stadt, mit Ausnahme der Abtei, war den Flammen zum Opfer gefallen.
Zum Abschluss des Kolloquiums offerierten die oben erwähnten Winzerbetriebe eine Auswahl ihrer in Quevris oder im Dolium ausgebauten Weine, die bei der Gästeschar einen erstaunlich guten Anklang fanden. Die Winzer gaben auch ausführlich Auskunft über die Unterschiede im Vergleich zu den modernen Ausbaumethoden.
Übersetzung des Titels: Ein guter Wein ist ein Geschenk der Götter
Quevri und Dolium

Ein Dolium aus Ton Foto: Herbert Becker
Die älteste bekannte Methode der Weinbereitung stammt aus Georgien (Kaukasus) und verweist auf eine 8000 Jahre alte Tradition. Die hier verwendeten Quevris aus Ton werden in die Erde eingelassen. Der Most gärt hier in den Tongefäßen. Der Gärprozess dauert etwas länger und der Wein erfährt eine Interaktion mit der Erde, die das Gefäß umgibt.
Im Dolium, welches auch ein geringeres Fassungsvermögen als das Quevri hat, ist es die Interaktion mit Sauerstoff. Bei beiden Methoden der Vinifikation behält der Wein seinen sortentypischen Charakter, nimmt jedoch auch geringfügig den Geschmack des Tons an.
Bei den vier Winzern aus Luxemburg kommen neben Dolium und Quevri auch Betongefäße zum Ausbau zum Einsatz.

Die Referenten des Kolloquiums warteten mit neuen Erkenntnissen auf Foto: Steve Hopp