Flashback
Verführt und gescheitert – von Femmes fatales und Fatalismus im Film noir
Das Tageblatt präsentiert in einer losen Serie Meisterwerke der Filmgeschichte, die 2026 ein Jubiläum haben – dieses Mal gleich drei: „The Killers“ von Robert Siodmak, „Gilda“ von Charles Vidor und „The Killing“ von Stanley Kubrick. Die ersten beiden Streifen stammen von 1946, inmitten der Hochphase des Film noir. Kubricks Frühwerk entstand zehn Jahre später.
Burt Lancaster und Ava Gardner in „The Killers“ Foto: IMDb
Pete Lunn alias Ole Anderson, genannt „der Schwede“, liegt lethargisch auf seinem Bett und wartet auf seinen Tod. Zwei Auftragskiller sind unterwegs. Sie kommen die Treppe rauf und schießen kaltblütig auf das Bett. Ole stirbt. Doch wer war der „Schwede“, gespielt von Burt Lancaster? Warum wurde er getötet? „I did something wrong, once“, hat er noch gesagt. Er hat weder die Polizei gerufen noch ist er geflohen. Er hat sich auch nicht gewehrt. „There is nothing I can do about.“ Und wer waren die Killer, denen der Film seinen Originaltitel verdankt? In den deutschen Kinos lief er als „Rächer der Unterwelt“.
Der Versicherungsagent Jim Reardon (Edmond O’Brien) geht dem Fall nach. Sein Interesse scheint zunächst gering zu sein. Doch allmählich verbeißt er sich in den Fall, denn das Leben des Mannes, der vom hoch dotierten Profiboxer zum Verbrecher absteigt, um schließlich als Tankwart in einem verschlafenen Nest auf seinen Tod zu warten, lässt ihn nicht mehr los. Eine verhängnisvolle Vergangenheit, eine Liebe bis in den Tod, das Schicksal, dem man nicht zu entrinnen vermag, typische Merkmale für das Genre – „The Killers“ aus dem Jahr 1946 ist ein Film noir par excellence. Es ist das schwärzeste Noir, in das Kameramann Woody Bredell die Bilder getaucht hat. Die Stimmung und der Plot sind düster, und die Welt scheint nur aus Schatten und Schemen zu bestehen. Dazu ist die dramatische Orchestermusik von Miklos Rozsa zu hören. Der aus Dresden stammende und in die USA emigrierte Regisseur Robert Siodmak, vom deutschen Expressionismus beeinflusst, mutet dem Publikum einiges zu. Es weiß, dass die Hauptfigur der in elf Rückblenden erzählten Geschichte nicht überleben wird – weil er das Pech hatte, sich in die falsche Frau zu verlieben.