Buchkritik
„Über Menschen“: Ich bin etwas Besseres als du – oder nicht?
In ihrem neuen Roman entführt die Bestsellerautorin Juli Zeh ihre Leser und Leserinnen erneut in die brandenburgische Provinz: Bracken heißt das fiktive Dorf in der Prignitz, in dem die Handlung von „Über Menschen“ angesiedelt ist. Ein Ort, an dem sich Probleme wie Rechtsextremismus, Rassismus und Klimawandel ballen und mit denen sich die neue Dorfbewohnerin Dora konfrontiert sieht. Die Corona-Pandemie macht der ehemaligen Stadtbewohnerin den Start in das Landleben nicht zwingend einfacher. Ein mit Klischees und Stereotypen überladener Dorfroman nimmt seinen Lauf.
Schriftstellerin Juli Zeh Foto: dpa/Soeren Stache
Frühling 2020: Dora rammt gerade ihren Spaten in die Erde und versucht verzweifelt ihr Gemüsebeet anzulegen, wobei sie sich kaum ungeschickter anstellen könnte. Zehs Protagonistin macht dem Klischee der Großstadtbewohnerin, die dringend einfach mal rausmusste, alle Ehre – auch wenn die Mittdreißigjährige sich selbst nicht als „typischen Großstadtflüchtling“ sieht. Freilich hegte sie den Wunsch, Berlin zu verlassen, schon etwas länger, doch der coronabedingte Lockdown war letztlich der entscheidende Auslöser für ihren Umzug in das kleine ländliche Bracken – ein Dorf, das wie „eine Mischung aus Brachen und Baracken“ klingt.