Kein Stopp am CHEM
TICE-Linie 7 sorgt für Diskussionen im Escher Gemeinderat
Die Änderungen der TICE-Buslinie 7, „Housing first“ und die Escher Cavalcade waren drei der Themen am Freitag im Escher Gemeinderat.
Laut Ministerium sollte die Linie 7 am CHEM vorbeifahren, die Stadt Esch wollte aber nicht Foto: Editpress/Julien Garroy
Die erste Sitzung des Escher Gemeinderats begann einstimmig mit dem Projekt „Housing first“. Ziel des Ansatzes gegen Obdachlosigkeit ist es, Menschen ohne Vorbedingungen eigene Wohnungen zu vermitteln und sie sozial zu begleiten. Stabilität bildet die Grundlage, von der aus persönliche Probleme wie Sucht oder gesundheitliche Einschränkungen angegangen werden können – praktisch das Gegenteil des bisher üblichen Vorgehens.
Anschließend beschäftigte sich der Rat mit mehreren Kulturprojekten, besonders mit der Organisation der „Escher Fuesent“. Kulturschöffe Pim Knaff erklärte, dass das bisherige „Syndicat d’initiative“ keine Personen mehr habe, die die Cavalcade übernehmen könnten. Auf das Fest zu verzichten, sei schwer, da es bei den Besuchern sehr beliebt sei. Die Cavalcade, die dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, wird deshalb von der neu gegründeten ASBL „Escher Fuesent“ am 1. März organisiert, vorgesehen ist ein Budget von insgesamt 200.000 Euro.
Kritik kam von Marc Baum („déi Lénk“), der das Budget im Verhältnis zu anderen Events wie dem Forest Festival überzogen findet. Er warf auch die Frage auf, warum man überhaupt eine Cavalcade brauche.
TICE-Linie 7
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war der provisorische Parkplatz auf dem Benu-Gelände in der Hiehl mit 70 Stellplätzen und einem Budget von 750.000 Euro. Steve Faltz (LSAP) kritisierte die Investition als übertrieben: „Für etwas, das in einigen Jahren vielleicht abgerissen und für Wohnzwecke genutzt wird.“ Der Schöffenrat begründete den Bau mit den Baumaßnahmen an der neuen Schule im Viertel „Rout Lëns“.
Ein viel diskutierter Punkt war die Linie 7 der TICE-Busse, die zuvor den Escher Bahnhof mit Belval verband. Die LSAP-Fraktion kritisierte, dass durch die Änderung die direkte Anbindung an das CHEM fehle, was besonders ältere Menschen, Patienten und auf den Bus angewiesenes Krankenhauspersonal benachteilige. Sie forderte das Schöffenkollegium auf, auf eine Rückkehr zum früheren Streckenverlauf zu drängen. Steve Faltz erklärte, dass die Änderung nicht vom Ministerium vorgegeben, sondern von der Gemeinde selbst angefragt worden sei. Das Ministerium habe bestätigt, ursprünglich solle die Linie 7 am CHEM vorbeifahren, die Stadt Esch habe dies jedoch nicht gewollt. Diese Behauptung hat Verkehrsschöffe Meris Sehovic („déi gréng“) weder bestätigt noch dementiert. Er verwies allgemein auf den regionalen und nationalen Kontext. Bürgermeister Christian Weis (CSV) relativierte die Kritik: Die Situation sei nicht so problematisch, die Gemeinde schulde dem CHEM auch keinen Transport. Marc Baum betonte, dass die Anbindung schlechter sei als zuvor und das CHEM nicht wie eine gewöhnliche Firma behandelt werden dürfe, es sei ein wichtiger Dienstleister und Arbeitgeber. Eine nachvollziehbare Antwort auf die Frage, warum die Änderung überhaupt nötig war, blieb am Freitag aus.
Gelackmeierte Mieter
Zum Schluss ging es um einige Bewohner des Escher Teils von Belval, die sich bisher nicht anmelden konnten, weil ihre Wohnungen nicht den Bauvorschriften entsprachen. Der Eigentümer habe zum Beispiel aus einer genehmigten großen Wohnung zwei kleinere geschaffen, ohne dies der Gemeinde zu melden. Dank einer schnellen, unbürokratischen Lösung konnten die Mieter nun registriert werden. Marc Baum betonte, dass Vermieter künftig vor Umbauten oder Vermietungen klare Pläne einreichen müssten.