30. Geburtstag
Stëmm vun der Strooss feiert mit musikalischer Unterstützung von Serge Tonnar
Mit einer „Summer Party“ unterm Zelt hat die „Stëmm vun der Strooss“ vor den Toren der Hauptstadt ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Neben den Klienten waren zahlreiche Freiwillige und Unterstützer mit von der Partie.
Serge Tonnar sorgt bei der Feier zu „30 Joer Stëmm vun der Strooss“ für Stimmung Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Christian zieht seine Schildkappe tief ins Gesicht. Als er das Gelände in der rue de Bouillon betritt, scheint die Sonne gnadenlos. Um ihr nicht ohne Schutz ausgeliefert zu sein, geht der Mann mit Rucksack, Shorts und grauem Bart schnurstracks zu dem großen Zelt, das wie eine Fata Morgana auf dem Gelände steht. Als er das weiträumige Innere des Zeltes betritt, trifft er ein paar alte Bekannte. „Die kenne ich aus Esch“, sagt der 59-Jährige, der täglich das Sozialrestaurant der „Stëmm vun der Strooss“ besucht. „Ich gehe nicht nur zum Essen dorthin, sondern um Leute zu treffen.“
Die sozialen Kontakte seien ihm wichtig, sagt Christian und beginnt zu erzählen. Er hatte als Dachdecker gearbeitet, bis er einen Arbeitsunfall hatte. „Ich fing wieder zu früh an zu arbeiten“, fügt er hinzu. Danach sei einiges schiefgegangen. Er habe seinen Job verloren, auch seine Wohnung. Seit anderthalb Jahren lebe er auf der Straße, sagt Christian. In der „Stëmm vun der Strooss“ habe er nicht nur eine Anlaufstelle gefunden, sondern auch Geborgenheit. Heute wolle er noch schauen, wer so alles da sei. Unterdessen haben sich etliche Besucher der Feier den Schutz des Zeltdachs gesucht und sich etwas zu essen geholt.
Eine Erfolgsgeschichte
Unterdessen hat das „Anima Duo“ aufgehört zu spielen. Die melancholischen Lieder, gesungen von der charismatischen Manuela Rufolo, haben manche sentimental gestimmt, sagt eine Besucherin. Einige erzählen, wie sie zum ersten Mal zur „Stëmm“ kamen. Arno Bache, einer von drei Gründern der gemeinnützigen Vereinigung und Mitglied des Verwaltungsrats, erinnert sich an die allerersten Tage. „Vor 30 Jahren, als ich im Gesundheitsministerium unter Minister Johny Lahure arbeitete, war ich auf einer Feier, als wir bei einer Flasche ‚Vieille Prune‘ den Entschluss fassten, die ‚Stëmm‘ zu gründen.“

Reger Zulauf bei der Sommerparty unterm Zeltdach Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Als gemeinnützige Vereinigung erhielt diese eine Konvention mit dem Ministerium und bald darauf einen Posten für einen Sozialarbeiter. Als eine zweite Stelle geschaffen wurde, war es die von Alexandra Oxacelay, der heutigen Direktorin der „Stëmm“. „Wenn ich daran denke, dass heute mehr als 90 Angestellte für die ‚Stëmm‘ arbeiten und so viele Freiwillige – das hätten wir damals nicht erwartet“, sagt Bache.
Für Erinnerungen bleibt der „Stëmm“-Direktorin derweil kaum Zeit. Sie unterhält sich gerade mit Unterstützern der Vereinigung wie etwa dem Tierarzt Mark van Vlokhoven, der einmal im Monat seine Dienste anbietet. Schließlich haben nicht wenige „Stëmm“-Klienten Haustiere. „Oft sind es ihre einzig verbliebenen Freunde“, sagt der Veterinär, „und wenn diese krank werden, brauchen sie Hilfe.“ Neben ihm steht Jean-Marc Marchal von Sodexo, der das soziale Engagement seines Unternehmens erklärt. Sodexo hat die etwa 600 Essen für die Feier geliefert, die in der Europaschule von Mamer vorbereitet und dann angeliefert wurden. „Für uns ist es selbstverständlich, die ‚Stëmm‘ zu unterstützen“, erklärt Emmanuel Risse, stellvertretender Direktor für Finanzen und Verwaltung der Bildungseinrichtung. Er fühle sich erinnert an die „Restos du Coeur“ in Frankreich, die einst von dem vor 40 Jahren verstorbenen Schauspieler Coluche ins Leben gerufen wurden.
Für Künstler sollte es selbstverständlich sein, eine Vereinigung wie die „Stëmm“ zu unterstützen, sagt Serge Tonnar. Er kenne die „Stëmm“ seit ihrer Anfangszeit und fühle sich ihr solidarisch verbunden. Nicht zufällig heißt ein Lied von ihm „Stëmm vun der Strooss“. Auch dieses Mal sorgt er mit seinem Auftritt für Stimmung. Als sein erster Song anklingt, geht ein Ruck durch das Publikum – die Party kann beginnen.

Zur Party gehörten zahlreiche Spiele und andere Aktivitäten Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante