Erneuerbare Energie
Solarstrom und Wärme: In Wiltz entsteht Europas größte PVT-Anlage
16 Jahre lang ging die Rede von einem umfangreichen Wohnungsbauprojekt auf den insgesamt 34 Hektar großen Industriebrachen im Kern der Ardennenstadt Wiltz. Nun stehen die ersten Gebäude. Die Bauherren für dieses Projekt unter dem Titel „Wunne mat der Wooltz“ sind die Gemeinde Wiltz und der „Fonds du Logement“.
Blick auf das Viertel Q2 des Wohnungsbauprojekts „Wunne mat der Wooltz“ Foto: Fonds du Logement
Im Mai vergangenen Jahres fand der Spatenstich für die erste Phase des Wohnungsbauprojekts „Wunne mat der Wooltz“ statt, das laut Bauherren nicht nur ein Konzept ist, sondern eine echte Lebensweise darstellt. Es sei nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft konzipiert worden und konzentriere sich auf Solidarwirtschaft, nachhaltige Stadtplanung und Architektur, sanfte Mobilität und Energieneutralität.
Einige Wohngebäude sind in den vergangenen Monaten bereits wie Pilze aus dem Boden geschossen und in den kommenden Jahren entstehen neben den insgesamt 1.085 Wohnungen auch Geschäftslokale, Begegnungsstätten, Niederlassungen verschiedener Dienstanbieter, Grünanlagen, Spielplätze usw. Ein neuer Schulcampus, der von der vorigen Gemeindeführung in die Wege geleitet wurde, ist bereits in Betrieb. Nach Fertigstellung des Gesamtprojekts „Wunne mat der Wooltz“ wird die Bevölkerungszahl in der Gemeinde Wiltz voraussichtlich um 2.500 bis 3.000 Einheiten auf 11.000 und mehr ansteigen.
100 Prozent erneuerbare Energie
So weit zum Bauprojekt selbst. Am Mittwoch hatte die Firma „Consolar – Solare Energiesysteme“ aus Frankfurt am Main zu einem Baustellenbesuch eingeladen. Mitarbeiter von Planungs- und Architekturbüros, Vertreter der Wohnungswirtschaft, Energieversorger, kommunale Behörden und Gemeinden sowie Handwerksbetriebe aus Luxemburg, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Österreich kamen nach Wiltz, um die Anlage für die Energiegewinnung zu besichtigen.
„Dieses Energiekonzept basiert auf einem Niedertemperatur-Fernwärmenetz, Eisspeichern und Solink-PVT-Kollektoren in Verbindung mit Wärmepumpen. Da sich die Wärmequelle dank dieser Kollektoren auf dem Dach befindet, werden die Wärmepumpen im Inneren des Gebäudes installiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Luftwärmepumpen gibt es keine Außengeräte und somit keine Lärmbelästigung in der Nachbarschaft“, so Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer Andreas Siegemund von der Firma Consolar gegenüber dem Tageblatt.
Die über 3.000 PVT-Kollektoren, die auf den Dächern der Gebäude dieses großen Wohnungsbauprojekts angebracht werden, erzeugen Strom wie ein Fotovoltaikmodul und gewinnen gleichzeitig Wärme. „Ein wesentlicher Vorteil dieser PVT-Kollektoren ist die geringe Fläche, die man für das Aufstellen einer solchen Dachanlage braucht“, so Siegemund weiter. „Was nach einer technischen Feinheit klingt, entscheidet in der Praxis darüber, ob ein Projekt überhaupt realisierbar ist. Dachfläche ist in der Stadt eine knappe Ressource.“
Wärme aus der Luft und aus dem Eis
Neben den erwähnten 3.000 PVT-Kollektoren werden auf dem 34 Hektar großen Areal zudem acht Eisspeicher die Energiegewinnung absichern. Dabei handelt es sich um riesige unterirdische, mit Wasser gefüllte Behälter, die in Kombination mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen von Gebäuden genutzt wird.
Nur so viel zu den technischen Einzelheiten: Diese Wärmepumpe pumpt kaltes Sole-Gemisch durch die Rohre im Eisspeicher und entzieht dem Wasser die sogenannte Kristallisationswärme, die bei der Vereisung des Wassers entsteht.
Nach der Fertigstellung des gesamten Bauprojekts „Wunne mat der Wooltz“ wird dieses Stadtviertel, so Andreas Siegemund abschließend, dank der bis dato größten PVT-Anlage Europas inklusive Eisspeicher auf ein Energiekonzept zurückgreifen können, das zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist wird.

Erste Gebäude sind bereits mit der Energiegewinnungsanlage ausgestattet und zum Teil schon bewohnt Foto: Consolar

Die Bauarbeiten im Viertel Q7 gehen zügig voran Foto: Consolar

Einer der insgesamt acht Eisspeicher, der später um die 1.000 Kubikmeter Wasser fassen Foto: Roger Infalt

Diese PVT-Kollektoren erzeugen Strom wie ein Fotovoltaikmodul und gewinnen gleichzeitig Wärme Foto: Roger Infalt

Auf dem früheren Industriegelände zwischen Ober- und Niederwiltz entstehen insgesamt 1.085 Wohneinheiten Foto: Fonds du Logement