Beles
So reagieren die Anwohner auf die Sperrung der route d’Esch
Leere Fahrbahn statt Feierabendverkehr: Während der Sperrung der route d’Esch zeigt sich eine der viel befahrenen Straßen in Beles von einer ganz anderen Seite.
Die Bauarbeiten in der route d’Esch haben begonnen Foto: Jessica Oé
„So ruhig haben wir die Straße noch nie erlebt.“ Das ist der Tenor der Anwohner der route d’Esch in Beles am ersten Tag der vierwöchigen Sperrung. Eigentlich reiht sich hier am späten Nachmittag im Feierabendverkehr Auto an Auto. Doch an diesem Montagnachmittag bietet sich ein ungewohntes Bild: Bis auf die parkenden Wagen der Anwohner herrscht gähnende Leere. Der sonst so dichte Verkehr ist verschwunden. Nur gelegentlich verirrt sich noch ein Autofahrer hierher, der alle drei Schilder mit der Aufschrift „route barrée“ ignoriert – und schließlich enttäuscht wieder umdrehen muss, weil es eben doch kein Weiterkommen gibt.
„Das Navi führt einen momentan noch ein wenig in die Irre“, erklären uns drei Angestellte des Buchhaltungs- und Verwaltungsbüros Janissaire Lux. Amüsiert sehen sie zu, als das nächste Auto wieder umdreht. Für das Büro selbst halten sich die Auswirkungen bislang in Grenzen. Ihre Kunden seien bisher nicht von den Bauarbeiten betroffen, da sich die eigentliche Baustelle an der Kreuzung mit dem „chemin rouge“ und der rue Robert Krieps befinde. Das Restaurant, das genau an dieser Kreuzung liegt, sei dagegen „nicht begeistert“ von der Situation.
Vor allem die Informationspolitik der Gemeinde stößt bei den drei Angestellten auf Kritik. „Wir wissen gar nicht, was genau gemacht wird, nur, dass die Straße jetzt vier Wochen lang gesperrt ist“, sagen sie. Nach Erklärungen, dass die Bauarbeiten notwendig seien, um die neuen Wasserleitungen zwischen dem „chemin rouge“ und der rue Robert Krieps miteinander zu verbinden, zeigen sie Verständnis. „Was gemacht werden muss, muss eben gemacht werden.“
Längere Wege bis zum Bus
Ein Stück weiter die Straße hinauf ist der 23-jährige Hoang gerade auf dem Weg nach Hause. Auch für ihn bedeutet die Sperrung vor allem eines: längere Fußwege. „Ich muss entweder unten am Kreisverkehr Raemerich oder oben bei der Gemeinde aus dem Bus steigen, eine nähere Bushaltestelle gibt es momentan nicht“, sagt er. Seinen Humor hat er trotzdem nicht verloren. „Das ist eine ziemliche Strecke, aber so mache ich zumindest etwas Sport.“
Dass die zusätzlichen Meter zu Fuß jedoch nicht für jeden so einfach zu bewältigen sind, zeigt wenig später die Begegnung mit einem älteren portugiesischen Paar. Die beiden erklären dem Tageblatt in gebrochenem Französisch, dass sie ihren Sohn in dessen Friseursalon in Differdingen besucht haben. Mit dem Bus sind sie zurück nach Beles gefahren, den Rest des Weges müssen sie nun zu Fuß zurücklegen. „Nicht einfach“, sagt die Frau, fasst sich an die Oberschenkel und anschließend an den Rücken. Dann setzt sich das Paar wieder in Bewegung. „Wir gehen langsam.“