L’histoire du temps présent
Siebenbürgisch-sächsische Kunst auf der Viandener Burg: Wieder einmal der Urheimatmythos
Wieder wird der Mythos mobilisiert, die Siebenbürger Sachsen und Sächsinnen stammten aus Luxemburg, und wieder ist die Forschung bemüht, den „Urheimatmythos“ zu widerlegen.
Stickerei von 1965: Dieses Motiv ist in der siebenbürgisch-sächsischen Volkskunst weit verbreitet Sammlung Philippe Blasen
Die Ausstellung „On the Thread of Shared Traditions“ in der Viandener Burg zeigt interessante Textilien und Möbelstücke der siebenbürgisch-sächsischen Volkskunst aus den Sammlungen des ASTRA-Museums in Sibiu/Hermannstadt.1) Leider genügte die Schönheit der Ausstellungsstücke nicht, sondern sie musste wieder mit dem Mythos der siebenbürgisch-sächsisch-luxemburgischen Verwandtschaft überlagert werden, der seit dem gemeinsamen Kulturjahr Sibiu-Luxemburg 2007 anscheinend weder aus den Luxemburger noch aus den rumänischen Amtsstellen wegzudenken ist. Dabei vereint Rumänien und Luxemburg eine dokumentierte Geschichte: Nicht nur wanderten Menschen aus Luxemburg im 18. Jahrhundert ins Banat aus2) und standen siebenbürgisch-sächsische und Luxemburger Intellektuelle ab dem 19. Jahrhundert in engem Austausch, sondern zwischen 1885 und 1950 waren mehr als zwanzig Männer und Frauen aus Luxemburg in Rumänien in den verschiedensten Bereichen (Petroleum-, Eisen- und Glasindustrie, Baumzucht, Handel und Erziehung) tätig, wie in einer Ausstellung am „Centre de documentation sur les migrations humaines“ in Düdelingen gezeigt wird.3)