Nobelpreis
Schriftstellerin Annie Ernaux beschreibt ihr Leben als Spiegel der Gesellschaft
Sie erzählt ihr Leben, schnörkellos. Und dabei erzählt sie das Leben einer ganzen Generation, eines ganzen Landes. Die Französin Annie Ernaux, die in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis geehrt wird, hat in gewisser Weise die Gattung der Autobiografie neu erfunden.
Das Schaffen der Autorin Annie Ernaux wird in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet Foto: AFP
„Es ist weder eine Lebensgeschichte noch ein Roman, vielleicht etwas zwischen Literatur, Soziologie und Geschichte“, schrieb sie über ihr Buch „Eine Frau“ – ein Requiem für ihre Mutter, die an Alzheimer litt. Diese Beschreibung gilt auch für viele anderer von Ernaux’ Romanen, die aus ihrer eigenen Erfahrung schöpfen, ohne sich dabei in einer Nabelschau zu verlieren. Das Buch über den Tod ihrer Mutter ist nicht einmal 100 Seiten lang – aber es ist besonders bedeutsam, weil das Verhältnis zu ihrer Mutter Ernaux’ ganzes Leben geprägt hat.