79. Filmfestpiele in Cannes

Was die Entscheidungen der Jury über die diesjährige Ausgabe verraten

Die Preisvergabe der 79. Ausgabe des Festival de Cannes markiert einen bemerkenswert politischen und zugleich humanistischen Jahrgang. Die Jury unter Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook zeichnete vor allem Filme aus, die gesellschaftliche Konflikte, moralische Ambivalenzen und Fragen kultureller Identität verhandeln.

Erhielt den Hauptpreis in Cannes: der rumänsiche Regisseur Cristian Mungiu mit der „Palme d‘or“

Der rumänsiche Regisseur Cristian Mungiu wurde mit der „Palme d’or“ ausgezeichnet Foto: AFP/Sameer Al-Doumy

Statt eskapistischer Kinobilder dominierte ein Kino der Verunsicherung – geprägt von Krieg, Migration, ideologischer Polarisierung und dem Versuch, Empathie gegen gesellschaftliche Verhärtung zu setzen. Die Goldene Palme ging an Cristian Mungius „Fjord“, ein Drama über eine rumänische Familie in Norwegen, die unter Verdacht der Kindesmisshandlung gerät. Der Film verbindet Kulturkonflikt, Religiosität und Sozialstaatkritik zu einer vielschichtigen Studie über Intoleranz und Missverständnisse. Dass ausgerechnet dieser Film gewann, verweist auf eine zentrale Tendenz des Jahrgangs: Cannes honoriert 2026 Werke, die gesellschaftliche Spaltungen nicht vereinfachen, sondern ihre Widersprüche offenlegen. Mungius Film wurde ausdrücklich als Plädoyer für Toleranz und Verständigung verstanden.

Politik, Krieg und Geschichte

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