Comic

Schluss mit dem narrischen Geklimper!

Ja, wo ist er denn nur? Pfarrplatz 2, Pasqualatihaus oder Biederhof? Die holprige Suche führt kreuz und quer durch Wien, mehr als 30 Seiten lang, doch Ludwig van Beethoven ist partout nicht (an den heute sehr bekannten, zum Teil als Museen geführten Adressen) aufzufinden. Als die Odyssee endlich zum richtigen Ort führt, dem Schwarzspanierhaus, ist es zu spät, ein reich verzierter Sarg aus Mahagoni wird gerade die Treppen heraufgetragen. Glück im Unglück: Eine echte Locke vom Toten wird für 20 Goldfrancs freundlicherweise als Andenken organisiert.

Ein unkonventioneller Ansatz – in diesem Comic über Beethoven wird über 40 Seiten lang dessen Anlitz nicht gezeigt.

Ein unkonventioneller Ansatz – in diesem Comic über Beethoven wird über 40 Seiten lang dessen Anlitz nicht gezeigt. © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020

Wenn ein Comic über den berühmten Komponisten, vermutlich am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren und am 26. März 1827 in Wien gestorben, zwei Tage nach seinem Tod beginnt und das erste Mal überhaupt dessen Antlitz auf Seite 43 zeigt, dann darf getrost von einem unkonventionellen Ansatz gesprochen werden, der nicht viel mit einer üblichen Biografie (ob nun in Bildern oder Worten) gemein hat. Der Texter Peer Meter, für den Comic über den Serienmörder Fritz Haarmann zusammen mit Isabel Kreitz mehrfach ausgezeichnet, und der Zeichner Rem Broo interessieren sich weniger für eine chronologische Darstellung von Leben und Werk (Fidelio, Mondscheinsonate, Eroica oder Schicksalssinfonie, wir erinnern uns), sondern mehr für die daraus resultierenden Mythen und Legenden, Skurrilitäten und Obskuritäten. Kaum von Interesse ist also für beide: Wie wurde das Genie gemacht, umso mehr dafür: Was wurde aus dem Genie gemacht?

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