Ohne Strom, ohne Wasser, ohne Ausweg

Schicksal von Untermieter in Kaffeezimmer erreicht Gemeinderat von Luxemburg-Stadt

Die Sicherheit und Zukunft der Untermieter im „Café Lakert“ war in der städtischen Gemeinderatssitzung vom Montag Gegenstand einer dringlichen Frage von Maxime Miltgen (LSAP). Laut Corinne Cahen (DP) fließt der Strom wieder. Der Fall bleibt kompliziert.

Nico Steland ist Untermieter im „Café Lakert“ und wohnte seit Mitte Mai ohne Strom, ohne Heizung und ohne warmes Wasser

Nico Steland ist Untermieter im „Café Lakert“ und wohnte seit Mitte Mai ohne Strom, ohne Heizung und ohne warmes Wasser Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Das Tageblatt hat am vergangenen Mittwoch über unzumutbare Mietverhältnisse in Zimmern oberhalb des „Café Lakert“ berichtet. Daraufhin wandte sich die Gemeinderätin von Luxemburg-Stadt, Maxime Miltgen (LSAP), am Donnerstag schriftlich mit einer dringlichen Frage an den Schöffenrat. In ihrem Schreiben betont Miltgen, dass die Mietzustände gegen die gesetzlichen Anforderungen verstoßen, da weder Strom, noch warmes Wasser, noch eine Beheizung vorhanden sind. Sie fragt anschließend u.a., warum die Gemeinde nicht die Schließung der Kaffeezimmer angeordnet habe und wie sie den Betroffenen helfen wird.

In der Gemeinderatssitzung am Montagnachmittag antwortet Schöffin Corinne Cahen (DP), dass sie sich der Sache sofort angenommen habe, damit der Mann, der dort wohne, wieder Strom habe. Sie gab an, dafür mit dem Stromanbieter Enovos und mit dem Anwalt des Mieters Nico Steland in Kontakt getreten zu sein. Der Vermieter wiederum sei verschwunden und habe hohe Schulden hinterlassen, u.a. bei Enovos. Dies habe den Fall verkompliziert. Nach Absprache mit dem Energielieferanten werden die Stromrechnungen nun vom Sozialamt übernommen.

Im Gemeinderat: Maxime Miltgen (LSAP), hier in der Mitte des Fotos

Im Gemeinderat: Maxime Miltgen (LSAP), hier in der Mitte des Fotos Foto: Editpress/Georges Sold

„Der Stromzähler war auf den verschwundenen Vermieter angemeldet“, sagt Cahen. Doch Letzterer ist gleichzeitig selbst Mieter beim Getränkehändler Munhowen. Munhowen mietet wiederum von der Eigentümerin. Laut Katasterauszug handelt es sich dabei um Eliane Besch. Die luxemburgische Unternehmerfamilie Majeres-Besch besitzt landesweit eine Vielzahl an Immobilien, die teilweise an Kneipen und Cafés vermietet werden.

„Es darf nicht sein, dass es hundert Kaffeezimmer gibt, in denen ein Untermieter nochmals vermietet und der Eigentümer tut so, als habe er nichts mit all dem zu tun“, sagt Cahen. „Eigentum verpflichtet.“ Deswegen fordert sie, dass die Sanktionen für die Nichteinhaltung der gesetzlichen Standards in Wohnungen erhöht werden.

Wie geht es weiter?

„In diesem konkreten Fall sind wir im Kontakt mit dem Mann. Aktuell will er dortbleiben. Wir wissen allerdings, dass die Brauerei Ende Januar gegen den Betreiber vor Gericht zieht und wir werden dem Mieter natürlich andere Lösungen anbieten“, versichert die Schöffin.

Cahen warnt jedoch davor, Menschen generell vorschnell eine andere Wohnung zur Verfügung zu stellen. Dies führe zu einem Schneeballeffekt und würde die Eigentümer dazu verleiten, den Mietern bewusst den Strom abzuschalten, um sie zu verjagen.

„Wir holen die Personen nicht sofort aus ihren Wohnungen. Erstens wollen sie das nicht, zweitens muss zuerst die Sicherheit nicht mehr garantiert sein und drittens müssen wir Platz haben“, erläutert Cahen. Über den zweiten Mieter, der mittlerweile zur Not bei einem Freund untergekommen ist, wurde nicht gesprochen.

Schöffin Corinne Cahen (DP) gab am Montag im Gemeinderat Erklärungen

Schöffin Corinne Cahen (DP) gab am Montag im Gemeinderat Erklärungen Foto: Editpress/Georges Sold

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