„Borders, Mobility, and their Human Impact“

Schengen-Museum präsentiert Kurzfilmreihe zu den Grenzen weltweit

In Schengen wird ausgerechnet der Ort zum Kinosaal, an dem einst das Schengener Abkommen unterzeichnet wurde: Fünf Kurzfilme zeigen auf der „Prinzessin Marie-Astrid Europa“, was Grenzen für Menschen bedeuten, für die Bewegungsfreiheit alles andere als selbstverständlich ist.

Das Schengen Museum klärt über die Geschichte Europas auf: In der neuen Kurzfilmreihe „Borders, Mobility, and their Human Impact“ stehen Grenzen im Mittelpunkt

Das Schengen-Museum klärt über die Geschichte Europas auf: In der neuen Kurzfilmreihe „Borders, Mobility, and their Human Impact“ stehen Grenzen im Mittelpunkt Foto: Editpress

Wer in Luxemburg lebt, kann an einem einzigen Tag mehrere Länder durchqueren, ohne an einer Grenze den Pass zeigen zu müssen. Bewegungsfreiheit ist für viele Menschen hier so selbstverständlich geworden, dass man leicht vergisst, wie außergewöhnlich sie eigentlich ist. Doch längst nicht überall bedeutet eine Grenze nur ein Schild am Straßenrand. Für Millionen Menschen entscheidet sie darüber, ob sie weiterreisen, arbeiten, ihre Familie sehen oder einen sicheren Ort erreichen können.

Genau darum geht es am Donnerstagabend in Schengen. Dort verwandelt sich die „Prinzessin Marie-Astrid Europa“ zum Kinosaal. Gezeigt werden unter dem Titel „Borders, Mobility, and their Human Impact“ fünf Kurzfilme über die menschlichen Auswirkungen von Grenzen, Migration und eingeschränkter Bewegungsfreiheit.

Der Ort ist Programm

Die Wahl des Ortes ist eng mit der europäischen Grenzgeschichte verbunden. Auf genau diesem Schiff wurde am 14. Juni 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet und damit der Grundstein für den schrittweisen Abbau der Kontrollen an den Binnengrenzen gelegt.

Diese Freiheit ist nicht überall selbstverständlich

Carole Jung

Schengen-Museum

„Uns war wichtig, die Marie-Astrid in den Mittelpunkt zu setzen“, erklärt Carole Jung vom Schengen-Museum und Mitorganisatorin der Filmreihe. Das Schiff verfüge über die nötige technische Ausstattung, um dort Filme zu zeigen. Gleichzeitig habe man bewusst Kurzfilme zu einem Thema gewählt, die zu Schengen passen. „Hier wurde das Schengener Abkommen unterzeichnet, bei dem es auch darum geht, sich frei bewegen zu können. Deshalb ist es wichtig, gerade hier Filme zu zeigen, die deutlich machen, dass diese Freiheit nicht überall selbstverständlich ist.“

Die fünf Kurzfilme, die insgesamt zweieinhalb Stunden dauern, stammen aus unterschiedlichen Ländern und Jahren. Sie richten jedoch gemeinsam den Blick auf die Frage, was eine Grenze für diejenigen bedeutet, die sie überqueren wollen, daran gehindert werden oder zwischen politischen und gesellschaftlichen Systemen feststecken.

Mensch im Mittelpunkt

Gerade darin liege für das Organisationsteam die Bedeutung des Programms, so Jung. Migration und Flucht werden in öffentlichen Debatten häufig auf Zahlen und Statistiken reduziert. „Das sind richtige Menschenleben“, betont sie. Nachrichten über Menschen, die auf der Flucht ertrinken oder sich verirren, würden kaum noch dieselbe Reaktion auslösen. „Es schockiert fast niemanden mehr.“

Die Filme sollen deshalb den Blick stärker auf die Menschenleben richten. „Mir fehlt manchmal die Humanität und das Bewusstsein dafür, dass wir hier über Menschen sprechen.“

Das wird gezeigt

Wie schwierig die damit verbundenen Entscheidungen sein können, zeigt „Bon Voyage“ des Schweizer Regisseurs Marc Wilkins aus dem Jahr 2016. Darin trifft ein Schweizer Paar während eines Segelsturms auf Flüchtlinge in Seenot. Da stellt sich die Frage: Wie weit reicht Hilfsbereitschaft, wenn man sich dabei möglicherweise selbst in Gefahr bringt?

„Borders, Mobility, and their Human Impact“

Wann? Donnerstag, 8. Oktober, um 18.30 Uhr; danach bis 2027 auf der „Princesse Marie-Astrid“ zu sehen

Wo? 1, rue Robert Goebbels/L-5444 Schengen

Weitere Infos: visitschengen.lu

Einige Filme sind visuell schwer auszuhalten, dies sei bewusst Teil des Programms, betont Jung. Das Publikum solle sich fragen, weshalb bestimmte Bilder Unwohlsein auslösen, und sich der eigenen Reaktionen bewusst werden. Besonders für junge Menschen sei diese Auseinandersetzung wichtig. Deshalb folgen auf die öffentliche Eröffnung am Donnerstag am Freitagmorgen Vorführungen für Schulen und Hochschulen.

Nach den Screenings ist zudem ein Austausch mit den Filmschaffenden vorgesehen. Die meisten Regisseur*innen sind persönlich anwesend.

Und was dann?

Mit den beiden Terminen endet das Projekt jedoch nicht. Die fünf Kurzfilme werden anschließend ein Jahr lang an Bord der „Prinzessin Marie-Astrid Europa“ laufen. Besucher*innen können dabei auch gezielt einzelne Filme auswählen.

So wird das Programm zu einem langfristigen Bestandteil des Schengen-Museums. Ein Ort, der für freie Bewegung steht und zugleich daran erinnert, dass diese Freiheit nicht für alle selbstverständlich ist.

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