Tourismus 

„Robbesscheier“: Pferde als Botschafter für nachhaltige Themen 

Von einem ursprünglich als Freizeittreff gedachten Ort hat sich die „Robbesscheier“ zu einem Naturzentrum entwickelt. Die Dorfjugend renoviert vor vielen Jahren die leerstehende Scheune, weil sie ein Café einrichten will. Ardennerpferde beleben schon zu dem Zeitpunkt die später „Freilichtmuseum für die Arbeitstiere“ genannte touristische Einrichtung. Mittlerweile ist sie als Kompetenzzentrum für den Umgang mit der Pferderasse zertifiziert.

Die „Robbesscheier“ hat sich vom Freiluftmuseum zum Naturzentrum und Kompetenzzentrum für Ardennerpferde entwickelt

Die „Robbesscheier“ hat sich vom Freiluftmuseum zum Naturzentrum und Kompetenzzentrum für Ardennerpferde entwickelt Foto: Wiebke Trapp

Viel los ist vor 32 Jahren nicht in Munshausen. Auch heute noch ist die Gegend im äußersten Norden des Landes ländlich, ruhig, naturbelassen und dünn besiedelt. 1990 zählt Statec gerade mal 34,7 Einwohner pro Quadratkilometer in der heutigen Gemeinde Clerf. In Esch sind es zum gleichen Zeitpunkt 1.668 Einwohner. Die Dorfjugend will das Dorf damals beleben und für sich einen Treff. Roberts Scheune steht leer und wird mit der Renovierung zur Keimzelle des heutigen Naturzentrums.

Die sechs Hektar große Anlage rund um die Scheune wächst mit den Jahren, den vielen Tieren und dem großen Gewächshaus zum „Freiluftmuseum“ heran. Bis heute wird es so im Wikipedia-Eintrag zu Munshausen geführt. Als der heutige Direktor Jean Zeches (51) vor sieben Jahren die Geschäftsführung übernimmt, gehört Munshausen bereits zur Fusionsgemeinde Clerf.

Das Clerfer Tourist Center übernimmt schon vorher den Betrieb der „Robbesscheier“ und Planspiele, die Anlage weiterzuentwickeln, beginnen. Die „Robbesscheier“ hat sich seitdem von einem Freilichtmuseum hin zu einem Naturzentrum weiterentwickelt, wo sich Tradition und Zukunft die Hand geben. Abstand wird heute auch vom Begriff „Tourist Center“ genommen, denn der Tourist ist heute ein Gast und kommt nicht zwangsläufig aus dem Ausland.

Von denen gibt es viele im hohen Norden. 23.000 Besucher kommen allein im Jahr 2019. Die Pandemiejahre, die folgen, sind keine normalen Jahre, bringen aber eine Erfahrung. „Wir haben ganz neue Gäste kennengelernt“, sagt Zeches. In dieser Zeit zieht es verstärkt Einheimische aus anderen Landesteilen ins „Éislek“. Sie genießen die Ruhe und lernen, sich auf die Natur einzulassen. Das sind schon zwei der Werte, für die die Fusionsgemeinde Clerf, bei der mit der „Familiy of Man“ noch Kultur hinzukommt, steht.

Die „Robbesscheier“ reiht sich darin nahtlos ein und profitiert von der Bonaktion des Tourismusministeriums. Gäste kommen nicht nur mit oder wegen des Bons. „Viele sind danach wiedergekommen“, sagt Zeches. Kein Wunder. Auf dem weitläufigen, hügeligen Gelände gibt es einiges zu entdecken und erleben. Ganze Tage lassen sich hier verbringen und es gibt Familienzimmer im dazugehörigen „Sammeshaff“.

Was der Mensch wirklich braucht

Wo früher der Graf von Clerf seine Steuern eingesammelt hat, daher der Name, sammeln sich heute Familien mit ihren Kindern zum Übernachten. Töpfern, Wolle verarbeiten, Keramik oder Workshops zu Imkerei und Kerzenziehen, aber auch Kutschenfahrten oder Backen sind Teile des Programms des Naturzentrums. Im „Bakhaus“ ist der Ofen an diesem Tag noch an. „Maison relais“-Kinder aus Sanem sind da und haben Apfeltaschen gebacken.

Die Backstube ist im ehemaligen „Doleinerhaus“ untergebracht. Von den kleinen Häusern für Tagelöhner gab es früher viele hier. Dieses ist eine Rekonstruktion, wie es um 1900 war und zeigt die Lebensbedingungen. Dass eine neunköpfige Familie samt Schwein und Ziege darin wohnte, war zu der Zeit nicht ungewöhnlich. Damals dienen die Ardennerpferde als Arbeitstiere. Die heute bis zu 1.000 Kilogramm schweren Tiere kommen aus dieser Gegend. Sie gehören zu den ältesten Zugpferderassen in Europa.

„Die Rasse hat sich permanent verändert“, sagt Charel Braquet (29). Er betreut die Workshops und die zehn Ardennerpferde der „Robbesscheier“, die vor allem im Wald in der Holzwirtschaft eingesetzt werden. Später ersetzen Landmaschinen und Traktoren die Pferde und sie werden zu Schlachtvieh hochgezüchtet, was ihre massige Erscheinung erklärt. Heute setzen Züchter darauf, das Gewicht zu reduzieren, um sie wieder als naturschonende Arbeitstiere einzusetzen. Gerade aktuell ist das Naturzentrum als Kompetenzzentrum für den Umgang mit den Tieren zertifiziert worden.

„Die Ardennerpferde sind unsere Botschafter für die nachhaltigen Themen hier“, sagt Braquet. Seit Oktober 2021 hat die „Robbesscheier“ das RAL-Gütezeichen 081. Damit wird artgerechte Pferdehaltung und ein artgerechter Umgang mit den Tieren bei der Bodenpflege in Landwirtschaft und Forstwirtschaft sowie im Personen- und Güterverkehr ausgezeichnet. „Für mich ist das Pferd ein Arbeitskollege“, sagt Braquet. „Was diese Tiere jeden Tag bereitwillig leisten, fasziniert mich immer wieder.“

Die „Robbesscheier“ ist der Gegenentwurf zur schnelllebigen Zeit des 21. Jahrhunderts. „Mit dem Anspruch, hier Natur und altes Handwerk kennenzulernen, hat uns der Zeitgeist in die Hände gespielt“, sagt Direktor Zeches. „Da liegen wir goldrichtig mit unserem Angebot.“ Das ist aber nicht der einzige Nerv, den die Anlage trifft. „Die Frage, was braucht der Mensch wirklich, schwebt hier über allem“, sagt der Pferdemensch Braquet. Diese Frage haben sich noch andere während der letzten zwei Jahre gestellt.

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Projektmanager Charles Braquet (l.) und Direktor Jean Zeches (r.) von der „Robbesscheier“ an einem nebligen und verregneten Tag in Munshausen
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Die eigentlichen Stars der „Robbesscheier“ sind die Ardennerpferde. Züchter versuchen heute, die Pferde kompakter und weniger massig zu züchten. Sie sind begehrte naturschonende Helfer im Wald, da sie den Boden nicht so verdichten wie schwere Maschinen und Traktoren. Die zehn Ardennerpferde fressen rund 30-40 kg Heu pro Tag. Ab einem Alter von drei Jahren werden sie…
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