Lebensmittelsicherheit 

Quecksilber in Thunfischdosen: Keine akute Warnung in Luxemburg

Thunfischdosen in Europa weisen hohe Quecksilberbelastungen auf. Luxemburg arbeitet an besseren Daten, sieht aber bislang keine akute Gefahr für Verbraucher.

Quecksilber in Thunfischdosen: Keine akute Warnung in Luxemburg

Symbolfoto: Canva

Die Nichtregierungsorganisationen Foodwatch und Bloom warnten im Oktober vor gesundheitsgefährdenden Schadstoffbelastungen in Thunfischkonserven. Dosen-Thunfisch, der in ganz Europa verkauft wird, enthält einer Untersuchung von Bloom zufolge hohe Quecksilberwerte. Bei einem Test von 148 zufällig ausgewählte Konservendosen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien seien „100 Prozent der Dosen mit Quecksilber kontaminiert“ gewesen. Bloom kritisierte, dass der erhöhte Grenzwert für Thunfisch nicht aus gesundheitlichen Gründen festgelegt worden sei, sondern auf wirtschaftlichen Interessen beruhe. Doch inwiefern ist Luxemburg betroffen? 

Martine Hansen (CSV), Ministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau, bestätigt in ihren Antworten auf parlamentarische Anfragen von Gusty Graas (DP) und Claire Delcourt (LSAP), dass es eine Vielfalt an Quellen gebe, die die Besorgnis über die Kontamination von Meeresfrüchten mit Quecksilber und Methylquecksilber unterstützen.

Im Bereich der maritimen Fischerei herrsche in Luxemburg allerdings ein Mangel an Daten. Der Grund: Bevor die „Administration luxembourgeoise vétérinaire et alimentaire“ (ALVA) im Jahr 2022 gegründet wurde, sei es Aufgabe der Veterinärverwaltung (ASV) gewesen, die nationale Produktion tierischer Produkte zu überwachen – und die maritime Fischerei gehörte nicht dazu. Die ALVA engagiere sich aktiv, diesen Datenmangel zu beheben und eine „adäquate Antwort auf sanitäre Herausforderungen in diesem Bereich zu garantieren“.

Erhöhtes Risiko für Vielverzehrer

Luxemburg sei aktuell nicht von einer Lebensmittelwarnung anlässlich des Schnellwarnsystems (RASFF) der Europäischen Kommission betroffen (Stand: 25. November). Sollte es zu einer Warnung kommen, werde die ALVA die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Im Fall eines eventuellen Gesundheitsrisikos würden die Produkte vom Markt genommen sowie ein Rückruf bei den Verbrauchern gestartet. Ein Informationsschreiben der ALBA soll Verbraucher zusätzlich über Methylquecksilber in Thunfischprodukten informieren.

Die Ministerin geht in ihrem Schreiben auch auf die Forderung der beiden NGOs ein, den tolerierten Quecksilbergehalt für Thunfisch von einem Milligramm pro Kilo auf 0,03 Milligramm pro Kilo herunterzusetzen. Die Regierung wolle auf eine Datensammlung über die Reduktion von Höchstmengen in ganz Europa warten, an der auch die ALVA mitarbeite. Diese würde als Basis dienen, um, falls nötig, die aktuell geltende EU-Grenze zu senken.

Laut einer Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem Jahr 2014 sei es unwahrscheinlich, dass die derzeitige durchschnittliche Exposition gegenüber Methylquecksilber durch Lebensmittel die wöchentlich tolerierbare Dosis überschreitet. Das Risiko sei jedoch bei den Personen erhöht, die regelmäßig und in großen Mengen Fisch konsumieren – insbesondere dann, wenn sie zusätzlich anderen Quecksilberquellen ausgesetzt sind.

Lesen Sie auch:

In ganz Europa / Mehrere NGOs warnen vor besorgniserregenden Quecksilberwerten in Thunfisch

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

1. April

Viel Wind um wenig Mühle: Was wird aus dem Kulturerbe?