Was soll Schule heute leisten?
Elternvertreter fordert mehr Lebenskompetenzen und weniger Misstrauen im Bildungssystem
Seit sechs Jahren prägt Alain Massen die nationale Elternvertretung Luxemburgs. Im Gespräch mit dem Tageblatt blickt er zurück – und stellt grundlegende Fragen zur Zukunft von Schule, Elternschaft und gesellschaftlichem Wandel.
Alain Massen: „Soll Schule künftig noch pures Wissen vermitteln? Oder wird sie stärker Anleitung zum Denken und Lernen geben, weniger dogmatisch, mehr empathisch?“ Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Seit sechs Jahren führt Alain Massen die erste nationale Elternvertretung Luxemburgs. Am 28. Februar kandidiert er erneut, Präsident darf er laut Statuten jedoch nicht mehr werden. Als Psychotherapeut, früherer Leiter von diversen psychosozialen und edukativen Institutionen und auch selbst Vater von vier Kindern, kennt er die Schule aus mehreren Blickwinkeln. Gegründet 2020, begann die Vertretung im Corona-Sturm: Lockdowns, Skepsis, Improvisation. Heute ist sie anerkannt und beteiligt sich an zentralen Debatten, doch zwischen Eltern, Schule, Lehrergewerkschaften und Ministerium bleibt vieles von Unverständnis und leider sogar Misstrauen geprägt. Massen zieht Bilanz und entwirft Fragen an die Schule von morgen.
Als erster Präsident der neu gegründeten nationalen Elternvertretung habe er gewissermaßen bei null angefangen, sagt Massen. Zwei Dinge seien ihm besonders in Erinnerung geblieben. „Zum einen der Kontext, in dem die nationale Elternvertretung ihre ersten Schritte machte: die Corona-Zeit. Sie war schwierig und stark einschränkend. Die Vorstandsmitglieder konnten sich kaum treffen, nicht gemeinsam in einem Raum diskutieren.“ Inhaltlich habe ein einziges Thema alles dominiert: „Corona, genauer gesagt Corona und Schule.“ Alles andere, woran die neue Elternvertretung eigentlich hätte arbeiten wollen, sei liegen geblieben. „Das war ernüchternd und hat mir schnell gezeigt, worum es im Kern geht.“