Winterferien
„Hey, ab auf die Piste“ – Die Luxemburger und die „Schivakanz“
Eigentlich heißen die Schulferien im Februar offiziell Karnevalsferien. Und doch ist im Volksmund oft die Rede von „Schivakanz“. Die Wintersportgewohnheiten der Luxemburger. Ein Überblick.
Den Berg runter und wieder rauf: Urlaubsalltag für viele in den Karnevalsferien Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Alle Jahre wieder: Tausende Luxemburger steigen im Februar ins Auto und fahren in die Berge zum Skiurlaub. Früh raus, Skiklamotten an und wie es im Lied heißt: „Hey, ab auf die Piste“. Mittags dann Deftiges in der Hütte (Schnitzel, Kaiserschmarrn, Käsespätzle ...), danach, für die Erwachsenen, Après-Ski bis zum Abwinken. Und die Kinder? Tagsüber sind sie in der Skischule bestens aufgehoben. So sieht die Winter-Devise aus.
Das Schnitzel: ein Evergreen der klassischen Skihüttengastronomie Foto: WienTourismus/Paul Bauer
Gute Planung als A und O
Vor den Ferien steht allerdings erst einmal die Vorbereitung: Kleidung und Material müssen, je nach Ausstattung, gegebenenfalls noch gekauft oder ersetzt werden. Ein Trend in diesem Jahr sind Skischuhe. „Auch alles im Bereich Sicherheit, Helme und Rückenprotektoren hat sich gut verkauft“, sagt Marc Frechet, Verkäufer bei Asport. Skier bleiben bei den Luxemburgern nach wie vor die erste Wahl. „Was aktuell am meisten gefragt ist, sind Skier, die sich an sämtliche Schneearten anpassen.“
Der Verkauf von Snowboards zieht nach einem kleinen Tief wieder an. Und auch Skier für Skitouren erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. „Sie entthronen jedoch nicht die Lust, auf einer schönen traditionellen Piste zu fahren.“
Kaufen die Kunden oder mieten sie eher? „Die Mehrheit der Käufer entscheiden sich lieber für eigenes Material“, sagt Frechet. Vor allem auf Helm, Schuhe und Skier treffe das zu. Das gelte jedoch nur für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, die noch nicht ausgewachsen sind, würden eher Material mieten.
Auch wichtig: Das Auto muss winterfest sein. So mancher Urlauber, der bereits bei einigen Millimetern Schnee scheinbar das Autofahren verlernt, muss sich in den Alpen wie in einer Winterapokalypse vorkommen. Die richtige Ausrüstung ist daher unabdingbar. Schneeketten seien im Februar sehr gefragt, heißt es vom Autocenter Goedert: „Während der Skisaison verzeichnen wir durchschnittlich zwischen 500 und 650 Vermietungen gegenüber 150 bis 200 Verkäufen.“ Früh dran sein, lohnt sich: Laut ACL wenden sich regelmäßig Interessierte an den Kundenservice, „weil sie auf der Suche nach Schneeketten sind und das Angebot im Land begrenzt ist und man sich rechtzeitig darum kümmern sollte“. Die Präferenz für die Miete erklärt man sich bei Goedert damit, dass gekaufte Schneeketten eventuell nicht mehr mit einem in Zukunft gekauften Auto kompatibel seien.
Auch beliebt seien Dachgepäckträger und alles andere, das die Transportkapazitäten erhöht – Ski und Co benötigen eben ihren Platz. Und: Komfortabel reisen sei dem Kunden wichtig, schreibt Goedert.
Wo es die Luxemburger hinzieht
Beliebte Ziele der Wintersportamateure aus Luxemburg sind vor allem die Alpen – also Frankreich, Österreich, die Schweiz und, wenn auch weniger, Italien. Das sagt Giovanni Micciche vom Reisebüro Jerry Travel in Belval. Die Vogesen würden im Beliebtheitsranking fallen. „Der Skifahrer muss fahren können – in den Vogesen ist Schneefall nicht sicher.“ Aber auch ausgefallenere Ziele gibt es, zum Beispiel Beaver Creek in den USA oder Sapporo in Japan. „Das verkaufen wir jedoch höchstens ein bis zweimal im Jahr.“
Die große Mehrheit fahre mit dem Auto in den Skiurlaub, Bus, Bahn und Flugzeug seien eher selten. Auch bemerke er in seinem Reisebüro, dass immer mehr Menschen selbst übers Internet buchen, und nur bei ausgefalleneren Reisen persönliche Beratung in Anspruch nehmen. Dazu komme, dass die meisten Skitouristen Gewohnheitstiere seien: „Die Menschen bleiben in den Gebieten, die sie kennen.“
Eine Anfrage auf ein Interview mit einem Verantwortlichen der „Union luxembourgeoise des agences de voyages“ (ULAV) blieb erfolglos – alle möglichen Ansprechpartner seien im Urlaub, hieß es. Womöglich auf der Piste!?
Ischgl und seine Luxemburger
Eine beliebte Destination bei den Pistenamateuren aus Luxemburg ist Ischgl in Österreich. Statistiken des Tourismusverbandes Ischgl-Paznaun belegen, dass in der vergangenen Wintersaison fast 28.000 Luxemburger mehr als 150.000 Übernachtungen in Ischgl tätigten. Zur Einordnung: Die Gemeinde Differdingen zählte am 1. Januar 2025 knapp 30.800 Einwohner. In diesem Sommer feiert Ischgl übrigens 20 Jahre Partnerschaft mit der Moselgemeinde Schengen.
„Wir bewerben die Gruppe aus Luxemburg sehr stark über Radio und Print, aber auch über Gewinnspiele“, sagt Thomas Köhle, Geschäftsführer des Tourismusverbandes. Rückmeldungen der Hoteliers und Vermieter würden zeigen, dass spürbar mehr Luxemburger kämen. „Bei uns Urlaub zu machen, ist schon für die gehobene Klasse – daher die gezielte Bewerbung der Luxemburger Zielgruppe.“ Vor allem die mit Hauben oder Michelin-Sternen ausgezeichneten Lokale würden sehr wohl die Gäste aus dem Großherzogtum bemerken, sagt Köhle, angesprochen auf das Klischee des reichen Luxemburgers.
Die Bedingungen in dieser Ferienwoche seien jedoch nicht ideal für Skifahrer. Es hätte mehrere Tage lang geschneit, ein Meter Neuschnee habe sich angesammelt. Zum Skifahren sei das nicht geeignet, biete aber eine schöne Kulisse für eine Winterwanderung im Schnee. „Fast schon kitschig“, sagt Köhle.

Ischgl ist beliebt bei den Luxemburgern – und bewirbt diese Gäste gezielt Foto: Felix Hörhager/dpa
„Ey, ab in den Süden – der Sonne hinterher“
Wintersport ist bei den Luxemburgern ohne Frage beliebt, aber es gibt auch solche, die die Sonne dem Schnee vorziehen. RTL zufolge flogen am ersten Ferienwochenende 61.000 Passagiere mit Luxair in den Urlaub, mehrheitlich in wärmere Gefilde. Hauptziele: die kanarischen Inseln, Palma, Madeira und Dubai. Auch Ägypten und Süditalien, insbesondere Catania (Sizilien), erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei Kältemuffeln.