Berlinale (Tag 4)

Plus c’est gros, plus ça passe: „Der Passfälscher“ von Maggy Peren

Nach dem Goldenen Bären für die luxemburgische Koproduktion „Good Luck Banging or Looney Porn“ im letzten Jahr kehrt das Großherzogtum mit einer „Amour fou“-Koproduktion auf die Berlinale zurück, in deren Zentrum ein leichtsinniger Passfälscher steht, dem es gelingt, die Nazis in die Irre zu führen – und der mit viel Glück und Verstand überlebt.

Louis Hofmann überzeugt in seiner Darstellung des jüdischen Passfälschers Cioma Schönhaus

Louis Hofmann überzeugt in seiner Darstellung des jüdischen Passfälschers Cioma Schönhaus (C) Dreifilm/Amour fou

Mimikry, nennt er es. Sich die Haare so schneiden lassen, dass er wie ein guter deutscher Soldat ausschaut. Seiner Geliebten Blumen schenken. Sich anpassen. Mimikry ist, wenn auf den Flügeln eines Schmetterlings die Augen eines Raubtieres abgebildet sind, um einem möglichen Prädator Angst einzujagen. Mimikry ist eine Überlebenshaltung, eine Nachahmung des Feindes, um nicht aufzufallen. Mimikry ist auch das biologische Verhaltensmuster, dem der Mensch seine Fähigkeit zur Fiktion verdankt: Ohne Mimikry gäbe es keine Mimesis, also weder Theater noch Kino*. Im Fall von Cioma Schönhaus (Louis Hofmann), einem knapp 22-jährigen Juden, der 1942 in Berlin auf sich allein gestellt ist – noch weiß er nicht, dass seine Eltern in ein KZ deportiert wurden –, bedeutet Mimikry allerdings schlicht und einfach: blankes Überleben.

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