Journalismus-Wettbewerb
Offline ab morgen: Wie sich das Social-Media-Verbot auf die Jugend auswirken könnte – eine „Was wäre wenn?“-Reportage
Montage: Editpress-Grafik
An einem Montagmorgen wacht Lisa Mustermann (15) auf und ist im Unklaren darüber, was am Tag vorher in der Politik geschah. Seit am Abend zuvor das „Social-Media-Verbot“ für unter 16-Jährige beschlossen wurde, verändert dies ihren Alltag.
Das Betriebssystem ihres Handys muss durch ihren digitalen Personalausweis freigeschaltet werden. Nachdem sie das macht und danach Tiktok öffnet, erscheint eine Meldung, dass sie zu jung für das Benutzen der App sei.
Im Hintergrund wurde nämlich ein systematisches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Luxemburg bestimmt. Dies wurde von den Eltern und Abgeordneten gefordert, um die Jugend vor schädlichen Inhalten und zu langen Bildschirmzeiten zu schützen. Eines ihrer Hauptargumente ist der Schutz vor „schleichenden rechts- oder linksextremistischen Inhalten“, die in den letzten Wochen und Monaten die Feeds aller User überschwemmten. Dabei wird einerseits die schnelle Aufnahme und Anpassung von Inhalten auf der „For You Page“ ermöglicht, während andererseits eine stärkere Kontrolle dieser Inhalte angestrebt wird.
Ein Selbstexperiment
Die Klasse 2TP des LTA führte ein Selbstexperiment auf TikTok durch, um herauszufinden, wie schnell man eigentlich in eine rechte „Bubble“ gerät, ohne etwas davon zu merken. Das Experiment dauerte nicht einmal 30 Minuten, dann ploppten schon die ersten rechtsextremen Inhalte auf ihrer „For you“-Page auf. Ausgangspunkt war das Liken einer scheinbaren Umfrage zu Nutella und eines „Lipsync“-Videos, die auf den ersten Blick eigentlich ganz normal wirkten. Allerdings handelt es sich bei den Schaffern der Videos um bekannte Neonazis, die über das nötige Know-how für Social Media verfügen. Diese Gefahr spiegelt sich auch im Anstieg an Social-Media-Nutzungen und Meldungen über nichtkonforme Inhalte in der EU stark wider. Im Jahr 2018 lagen die Meldungen bei 7% und im Jahr 2022 bei 11%.
Ein anderer Grund für das Verbot war die erhöhte Cybermobbingrate im Internet und das Suchtverhalten der Jugendlichen. Die WHO veröffentlichte im Jahr 2024 eine Umfrage, bei der 15% der Befragten angaben, Cybermobbing erlebt oder sogar daran beteiligt gewesen zu sein. Die WHO berichtet auch, dass dieses Thema das Wohlbefinden und das Privatleben der Jugendlichen stark beeinflusste. Das Selbstwertgefühl eines Geschädigten ist um ein Vielfaches kleiner als bei einer Person, die keine solchen Kommentare erhalten hat.
Es gibt natürlich auch Gegenwind zum Verbot. Eines der Hauptargumente der Betroffenen besteht darin, dass ein pauschales Verbot nichts bringt, sondern die ganzen Probleme nur hinausgezögert werden. Kritisiert wurde auch, dass entsprechend fundierte Medienerziehung, -analyse und -kritik in der Schule verpasst wurde. Viele befürchten nun eine Verzögerung des Problems durch mangelnde Vorbereitung und Erziehung der Jugendlichen.
Jugendliche umgehen das Verbot
Der Alltag hat schon gravierende Einschnitte erlitten, allerdings bleiben noch viele Fragen offen, da genaue Definitionen für Social Media weiterhin fehlen. So konnten sich die Abgeordneten etwa nicht darauf einigen, ob Nachrichtenseiten mit Kommentaren zu sozialen Medien gehören oder nicht. Das Verbot ist in einer ersten Phase auf größere Applikationen wie TikTok, Instagram und Facebook beschränkt.
Seitdem das Verbot eingetreten ist, versuchen die Jugendlichen, ihm zu entgehen. Es werden jetzt schon neue Mittel und Wege hierfür gesucht, zum Beispiel VPN-Applikationen oder Fake-Accounts. Bei den VPN-Applikationen wird ein neuer Standort benutzt, wie etwa die USA oder Brasilien. Da diese Länder nicht vom Verbot betroffen sind, können die Jugendlichen die sozialen Medien bis auf Weiteres ohne Probleme nutzen. Eine andere Taktik ist es, sich mit den Daten der Eltern anzumelden, da diese volljährig sind und ihnen die Benutzung unbegrenzt möglich ist.
Am Ende ist dieser Text ein Gedankenspiel, aber man sollte sich trotzdem genauer über die beiden Seiten informieren, bevor man seine Meinung bildet. Es gibt nicht immer nur ein Richtig oder Falsch, sondern auch einen Mittelweg. Um ein salomonisches Urteil fällen zu können, müsste erst einmal geklärt werden, was nun wirklich zu sozialen Medien gehört, und auch die Medienerziehung müsste gezielter an den Schulen stattfinden.