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Neue Musik von Corrosion Of Comformity und Neurosis

Zwei Bands melden sich nach turbulenten Jahren und Skandalen zurück: Was die neuen Alben von Corrosion Of Comformity und Neurosis Fans bieten – und ob es sich lohnt, reinzuhören.

Die Bands Neurosis und Corrosion of Conformity tauchen nach Jahren mit zwei neuen Platten aus der Versenkung auf

Die Bands Neurosis und Corrosion of Conformity tauchen nach Jahren mit zwei neuen Platten aus der Versenkung auf Quellen: Neurot Recordings (oben), Nuclear Blast Records (unten)

Corrosion Of Conformity

Acht Jahre ist das letzte Album von Corrosion Of Comformity alt. Seither ist viel passiert. An erster Stelle wäre da Reed Mullin zu nennen. Der Schlagzeuger und Mitgründer verstarb im Januar 2020. Woran, ist nicht bekannt. Aber zuvor musste er bereits mal aus gesundheitlichen Gründen passen. Für ihn kam erst John Green, dann Stanton Moore. Im September 2024 stieg auch Mitgründer Mike Dean aus. Unter anderem machte ihm Mullins Tod immer noch zu schaffen. Zusammen mit seinem Ersatz, Bassist Bobby Landgraf (Ex-Down), und Moore gingen Gitarrist Woody Weatherman und Sänger/Gitarrist Pepper Keenan (auch Down) den „No Cross No Crown“-Nachfolger an.

Das Cover zum Album „Good God/Baad Man“  (8/10 Punkte)

Das Cover zum Album „Good God/Baad Man“ (8/10 Punkte) Quelle: Nuclear Blast Records

Es war unklar, wie sich diese turbulenten Jahre auf die Musik auswirken würden. Zwar war die Band immer wieder auf Tour, aber wie würden neue Songs ohne Mullin und Dean klingen? Klar, die Band ist seit jeher im steten Wandel. Sie fing 1982 auf „Eye For An Eye“ mit Hardcore Punk an. Von da ging es über einen Mix aus Crossover und Stoner (auf ihrem Meilenstein „Blind“) hin zu Sludge und Southern Metal („No Cross No Crown“), und zwischendrin existierte alles gleichzeitig auf einem Album („IX“).

Tatsächlich knüpft „Good God/Baad Man“ nahtlos ans Vorgängeralbum an. Produzent Warren Riker bezeichnete es in Anlehnung an den Pink-Floyd-Klassiker „Dark Side Of The Moon“ als „Dark Side Of The Doom“. Es gibt verspielte, psychedelische Passagen („Bedouin’s Hand“), einen fantastischen Groove („Good God?/Final Dawn“), einen flotten Kracher namens „Gimme Some Moore“ (mit Ministry-Sänger Al Jourgensen), die Southern-Rock-Balladen „Run For Your Life“ und „Brickman“ und in „Forever Amplified“ mit seinem Slayer-Riff am Anfang einen Gastauftritt von Sängerin Anjelika Joseph, Teil von Moores New Orleans-Jazz-Funk-Band Galactic. Corrosion Of Conformity bleiben spannend und sich treu.


Neurosis

Als vor kurzem aus heiterem Himmel das Neurosis-Album „An Undying Love For A Burning World“ digital veröffentlicht wurde, fiel vielen Fans der Band die Kinnlade herunter. Damit hatte wahrlich niemand gerechnet. Denn im August 2022 war die Post-/Sludge-Metal-Band ebenso plötzlich implodiert. Seinerzeit gestand Gründungsmitglied Scott Kelly öffentlich ein, seine Frau und seine Kinder jahrelang emotional, finanziell, verbal und physisch ausgenutzt bzw. misshandelt zu haben. Seine Zeit bei Neurosis, zu denen er bereits seit 2019 jegliche Kontaktaufnahme verweigert hatte, war endgültig abgelaufen. Die Fans waren fassungslos über Kellys Taten. Die restlichen Bandmitglieder veröffentlichten ein längeres Statement, in dem die Trennung von ihm bekannt gegeben wurde, und schwiegen fortan. Je länger dieser Zustand anhielt, desto unwahrscheinlicher war ein Comeback.

Melden sich nach Jahren des Schweigens zurück: Neurosis präsentieren "An Undying Love For A Burning World" (10/10 Punkte)

Melden sich nach Jahren des Schweigens zurück: Neurosis präsentieren „An Undying Love For A Burning World“ (10/10 Punkte) Quelle: Neurot Recordings

Bis am 20. März „An Undying Love For A Burning World“ (10 Punkte) erschien, das erste Album seit „Fires Within Fires“ (2016) und das erste mit Neuzugang Aaron Turner. Der ist kein Unbekannter. Er war zwischen 1997 und 2010 Frontmann der Post-Metaller Isis und ist auch Mitglied bei Sumac und Old Man Gloom. Turner ist für Neurosis ein Geschenk des Himmels. Wobei: Bei diesen düsteren, fiesen, kathartischen Songs muss von einem Geschenk der Hölle gesprochen werden. Er hat der Band neues Leben eingehaucht, was niemand mehr für möglich gehalten hatte. Neurosis verarbeiten in gewohnt dichten, pechschwarzen Songs, die durch den typischen Sound der Band geprägt sind, ihre eigene Vergangenheit und liefern einen dystopischen Soundtrack für eine Welt, die in Flammen steht. Für viele Fans ist die Veröffentlichung dieses Albums die beste Nachricht des Jahres.

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