Redingen

Nach Fehlalarm am Atert-Lycée: Eltern unzufrieden mit Kommunikation der Behörden

Polizeieinsatz wegen einer „verdächtigen Person im Atert-Lyzeum in Redingen“. Diese Nachricht hat am Dienstag Schüler wie Eltern aufgeschreckt. Am Ende stellte sich das als falscher Alarm heraus. Einige Eltern zeigten sich unzufrieden mit der Kommunikation der Behörden.

Polizisten am Dienstagmittat vor dem Atert-Lyée

Polizisten am Dienstagmittat vor dem Atert-Lyée Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Zufahrtsstraßen sind entweder zugeparkt oder abgeriegelt. An die 100 Eltern sind trotzdem gekommen. Sie harren in der Herbstkälte aus, auf dem Rasenstreifen an der rue du Lycée in Redingen/Attert. Und schauen bange hinüber zur anderen Straßenseite. Dort zieht sich der Gebäudekomplex des Atert-Lyzeums entlang. Und dort steht die Polizei. 

Es ist 11.30 Uhr, als eine Lehrerin von der anderen Straßenseite herüberkommt. „Die Polizei hat Entwarnung gegeben“, sagt sie. „Die Kinder können jetzt auf die Toilette.“ In den Gesichtern der Eltern zeichnet sich Erleichterung ab. Bis jetzt wussten sie nicht, was in den Räumen hinter den ziegelroten Fassadenplatten passiert. Dort, wo ihre Kinder sind. 

Im Klassensaal eingesperrt

„Heute Morgen, nach 8 Uhr, als die Schule schon angefangen hat, haben wir eine Meldung über eine verdächtige Person hier im Gebäude bekommen“, sagt Schuldirektor Jeff Kohnen später. Die Person wurde „eventuell mit einer Waffe“ gesehen. Die Direktion habe direkt reagiert, Kontakt mit der Polizei aufgenommen, auch den Notfall-Alarm in der Schule ausgelöst. „Das ist unsere Prozedur in solchen Fällen“, sagt Kohnen. Die Lehrer wüssten in dem Moment, was zu tun ist. „Sie haben sich mit ihren Schülern im Klassensaal eingesperrt“, sagt Kohnen. „Und dann haben wir die Polizei ihre Arbeit machen lassen.“ 

Die Beamten findet am Ende weder eine verdächtige Person noch eine Waffe. Um 11.03 Uhr vermeldet die Pressestelle der Polizeizentrale das über ihren Presseverteiler. Bis zu den Eltern, die an der rue du Lycée warten, dringt diese Information aber offenbar eine ganze Weile lang nicht durch. Später kritisieren sie die Kommunikation von Schule und Polizei. „Ich habe heute Morgen eine Nachricht von einer Bekannten bekommen, dass hier ein Amoklauf ist“, sagt eine Mutter. „Von der Schule: Nichts.“ Ihr Sohn besucht die siebte Klasse des Lyzeums. Alle Eltern wären über eine App erreichbar. „Dass sie nicht einmal eine Nachricht schicken können“, klagt die Frau.

Andere Prioritäten als Eltern informieren

„In so einer Situation ist das nicht vorgesehen“, erklärt Schuldirektor Kohnen später im Gespräch mit dem Tageblatt. „Das ist für die die Eltern natürlich schwierig – aber es gibt dann andere Prioritäten, als die zu informieren.“ Es ginge um den Schutz der Schüler, sagt Kohnen. Man werde die Eltern zeitnah darüber informieren, was war, sagt Kohnen. „Aber in der Situation selbst ist das weder von der Polizei noch von uns vorgesehen.“

1.419 Schüler besuchen die Schule in der Nordgemiende
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Schuldirektor Jeff Kohnen: „In so einem Notfall dürfen Schüler das Handy aus Sic...
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Schuldirektor Jeff Kohnen: „In so einem Notfall dürfen Schüler das Handy aus Sicherheitsgründen nicht nutzen“

Dass die Schüler selbst auch nicht auf ihren Handys für die Eltern erreichbar sind, hat ebenfalls einen Grund – und der ist nicht etwa das Handyverbot von Bildungsminister Meisch. „In so einem Notfall dürfen sie das Handy aus Sicherheitsgründen nicht nutzen“, sagt Direktor Kohnen. Die Polizei gebe das vor, ansonsten könnte das Handynetz überlastet werden. Als es Entwarnung gab, habe Kohnen die Erlaubnis gegeben, dass die Schüler die Eltern anrufen können, um Bescheid zu geben, dass alles in Ordnung ist. 

„Die Kinder sind in Sicherheit“

Nach der Entwarnung wagen sich die ersten Eltern über die rue du Lycée. Polizisten stehen immer noch vor dem Gebäude. Die Eltern versammeln sich vor der Eingangstür der Schule. Etwas später treten zwei Mitarbeiter der groupe de support psychologique (GSP) des CGDIS aus der Tür. Sie sprechen zu den versammelten Müttern und Vätern: „Es ist alles in Ordnung. Die Kinder sind in Sicherheit.“ Die Kinder müssten aber noch drinnen bleiben, damit sie erfasst werden könnten. „Damit wir wissen, dass keiner vermisst wird.“ Die Eltern sollen wieder zurück auf die andere Straßenseite, in die Turnhalle. Dort würden sie weitere Informationen erhalten. Einige Eltern ziehen widerwillig ab. Einige bleiben trotzig stehen. „Ich will meine Kinder sehen“, ruft ein Vater. 

Gezählt wird dann doch nicht in der Schule, in der laut Bildungsministerium in diesem Schuljahr 1.419 junge Menschen unterrichtet werden. „Alle Lehrer sind ja bei ihren Schülern, die Schüler waren nie allein“, sagt Direktor Kohnen später. Und auch mit dem Schulbetrieb geht es schlussendlich weiter. Kohnen: „Wir können ja jetzt nicht alle nach Hause schicken.“ Man sollte die Schüler in so einer Situation auch nicht unbedingt allein lassen. Gemeinsam mit geschultem Personal und den GSP-Mitarbeitern werde man durch die Klassen gehen, um mit den Schülern darüber zu reden, was sie heute erlebt haben. Wenn Eltern Ihr Kind jetzt mit nach Hause nehmen wollen, könne er das nicht verbieten. 

„Einige Eltern waren teilweise besorgter als die Schüler“, bilanziert Kohnen. Die meisten Eltern hätten richtig reagiert – und seien nicht zur Schule gekommen. „Das ist in solchen Fällen die richtige Reaktion. Man muss abwarten, bis Entwarnung gegeben wurde. Wir kümmern uns um die Schüler, wir schauen, wie es ihnen geht.“

Gegen Mittag verlassen die ersten Schüler das Gebäude. Einige werden von Freunden und Eltern erwartet. Einige gehen einfach nach Hause. „Eigentlich war es ein bisschen langweilig“, sagt ein Teenager, der gerade auf dem Weg zur Bushaltestelle ist. „Wir haben uns im Klassenraum eingesperrt und Witze gemacht.“

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