Im Kino
„Moulin“ ist ein klaustrophobisches Drama über Moral, Schweigen und Verantwortung
Mit „Moulin“ kehrt der ungarische Regisseur László Nemes zum Zweiten Weltkrieg zurück. Im Mittelpunkt stehen die letzten Tage des französischen Widerstandskämpfers Jean Moulin, dessen Gefangenschaft zum unerbittlichen Kräftemessen mit dem Gestapo-Chef Klaus Barbie wird.
Spielt Jean Moulin im Kinofilm „Moulin“: der Schauspieler Gilles Lellouche Foto: LucaFazPhoto
1943 wird Jean Moulin (Gilles Lellouche) von London ins besetzte Frankreich geschickt, um im Auftrag Charles de Gaulles die zerstrittenen Gruppen der „Résistance“ zu vereinen. Heimliche Treffen, verschlüsselte Botschaften und die ständige Angst vor Entdeckung verleihen der ersten Filmhälfte die Züge eines klassischen Spionagethrillers. Moulin, der unter falschem Namen als Innenarchitekt auftritt, wirkt weniger wie eine nationale Ikone als wie ein zunehmend erschöpfter Mann, der um die Zerbrechlichkeit seines Vorhabens weiß. Nach einer Razzia bei einem Treffen in Caluire gerät er in die Hände der Gestapo. Was als Untergrundgeschichte beginnt, verengt sich in Lyon zum grausamen Kammerspiel.