Neuerscheinung
Moment mal, das kenn’ ich doch! – Zu Selene Marianis Debüt „Ellis“
Mit „Ellis“ legt die Autorin Selene Mariani einen Romanerstling vor, der sehr stark an das Werk eines anderen Schriftstellers erinnert. Da beide Kreatives bzw. Literarisches Schreiben in Hildesheim studiert haben, könnte das die Debatte um die Schreibschulen in Deutschland wieder neu entfachen.
Die 1994 geborene Schriftstellerin Selene Mariani wuchs in Verona und Dresden auf und lebt in Hannover. Sie leitet Schreibwerkstätten und engagiert sich im Vorstand des Vereins Autor:innenzentrum Hannover Foto: privat
Eine merkwürdige Situation: Man schlägt ein neues Buch auf (in diesem Fall das Romandebüt einer jungen Autorin) und fängt an zu lesen. Dann, schon nach den ersten Seiten, sagt man sich: Das kann nicht wahr sein. Man blättert zurück, liest den Anfang noch einmal, nur um am Ende zu der gleichen Schlussfolgerung zu gelangen wie beim ersten Durchgang: Dieser Stil ist einem vertraut, und wie! Der Text, den man vor Augen hat, könnte aus der Feder eines anderen Autors stammen, eines Schriftstellers, den man gut kennt. Mit dessen Werk man sich lange und intensiv beschäftigt hat, zuletzt in seiner Abschlussarbeit. Natürlich geht man davon aus, dass hier auch keine bewusste Nachahmung stattgefunden hat – trotzdem macht es einen stutzig. Als Rezensent fragt man sich: Was jetzt? Und auch: Wie ist das überhaupt möglich?