Himmelsphänomen
Meteorit über Luxemburg: Stein landete in Koblenz in einem Schlafzimmer
Zahlreiche Menschen haben ihn gesehen: Ein Meteorit flog am Sonntagabend über Luxemburg. Sein Flug endete in Koblenz. Meteoriten können aber nicht nur Ärger machen, wenn sie im Schlafzimmer einschlagen, erklärt Tageblatt-Wetterexeprte Philippe Ernzer.
Der Meteorit hat ungefähr bei Esch den Luxemburger Luftraum betreten, bei Echternach flog er wieder hinaus. In Koblenz stürzte er schließlich in ein Haus. KIT/dpa
Haben Sie es auch gesehen? Es war am Sonntag um 18.57 Uhr, als ein Feuerball über den Luxemburger Himmel flog. Laut einem Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie kam das Ding aus Richtung Frankreich, drang in etwa in Höhe von Esch in den Luxemburger Luftraum ein, flog dann über die Hauptstadt und verabschiedete sich in Höhe von Echternach in Richtung Eifel. In Koblenz krachte dann ein Teil davon in ein Haus.
Dass der Weltraum-Stein auch in Luxemburg für Aufregung gesorgt hat, zeigen zahlreiche Posts in den sozialen Medien. Und eine Schnellbilanz des CGDIS. Rund 15 Menschen hätten sich in kurzer Zeit bei der 112 gemeldet, erklärt ein Sprecher der Einsatzzentrale gegenüber dem Tageblatt. Viel tun kann die Feuerwehr in so einem Fall nicht. „Wir haben überprüft, ob ein Flugzeug vermisst wurde, das war aber nicht der Fall“, erklärt der Sprecher.
„Es war auf jeden Fall ein Bolide“
Dass es sich tatsächlich um einen Meteor gehandelt hat, bestätigt Wetter-Experte Philippe Ernzer von Meteo Boulaide. „Es war auf jeden Fall ein Bolide, also ein Meteor“, sagt Ernzer. Das sei ein Brocken oder Partikel aus dem Weltall, die in der Erdatmosphäre verglühen. „Nur wenn Überreste des Steins am Boden ankommen, redet man von einem Meteoriten“, sagt Ernzer.

Der Forscher Dario Eickhoff vom Geophysikalischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie hat die Flugbahn des Meteoriten anhand der Messungen von Erdbebenmessstationen rekonstruieren können Foto: KIT
Tatsächlich scheint etwas heruntergekommen zu sein – und zwar eben im rheinland-pfälzischen Koblenz. Laut der deutschen Nachrichtenagentur dpa ist am Sonntagabend ein Meteoritenteil durchs Dach eines Hauses im Stadtteil Güls gekracht – und im Schlafzimmer gelandet. Glück im Unglück: Laut der Koblenzer Feuerwehr waren Menschen im Gebäude, nur gerade nicht im Schlafzimmer.
Mehrfache „Niedergänge“
Einschläge gab es nicht nur in dem Haus in Koblenz-Güls. „Es konnte bestätigt werden, dass wir hier einen Meteoritenüberflug über Rheinland-Pfalz hatten, der sich aufgesplittert hatte. Es kam mehrfach in Rheinland-Pfalz zu Niedergängen und hier auch zu einem Einschlag in ein Wohngebäude“, zitiert die dpa einen Feuerwehrsprecher.
Sechser im Lotto oder Meteoriteneinschlag?

Die Chancen auf einen Sechser im Lotto inklusive Superzahl sind nicht sonderlich groß. Ein Lottogewinn ist aber wesentlich ungefährlicher, als von einem Meteoriten getroffen zu werden. Foto: Editpress-Archiv/Hervé Montaigu
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Meteorit einem ins eigene Haus – oder sogar auf den Kopf fällt? Wissenschaftler aus Kanada haben das untersucht. Über eine Periode von neun Jahren beobachteten sie in den 1970er- und 1980er-Jahren mit 60 Kameras den Himmel über dem Westen Kanadas. Das hochgerechnete Resultat: Auf eine Million Quadratkilometer prasseln pro Jahr durchschnittlich 39 Welt-Allsteine mit einem Gewicht von mindestens 100 Gramm. Für die ganze Erde bedeutet das 19.000 Einschläge pro Jahr, für die Landmasse unseres Planeten 5.800 Einschläge.
Und für Luxemburg? Das Land ist 2.586 Quadratkilometer groß. Bedeutet, statistisch: 0,1 Einschläge pro Jahr – oder alle zehn Jahre einer. Die Wahrscheinlichkeit, dass der dann auch noch auf einem Haus landet, ist aber natürlich noch geringer. Die Fläche, die in Luxemburg zum Wohnen genutzt wird, ist 148 Quadratkilometer groß. Statistisch gesehen gibt es demnach pro Jahr 0,006 Einschläge, die ins Dach eines Luxemburger Wohnhauses krachen. Oder alle 173 Jahre.
Ein amerikanischer Forscher hat die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben von einem „Meteoriten, Asteroiden oder Kometen“ getroffen zu werden, auf 1:1,6 Millionen beziffert. Hört sich ziemlich unwahrscheinlich an, oder? Beim Lotto-Jackpot stehen die Chancen leider noch schlechter: 1:140 Millionen. Allerdings ist Lotto-Spielen auch weniger gefährlich.
All das wird einem Mann aus Indien nicht weiterhelfen. Laut Medienberichten starb er im Februar 2016 im indischen Bundesstaat Tamil Nadu – auf unwahrscheinlich tragische Weise. Eine Politikerin schrieb: „Ein Meteorit stürzte auf eine private Ingenieurschule und tötete einen Busfahrer der Schule.“
Meldungen, dass auch in Luxemburg Meteoritenteile „niedergangen“ sind, gibt es bis jetzt nicht. Philippe Ernzer, der auch die Wetterberichte für das Tageblatt erstellt, erklärt, dass aber nicht nur ein Einschlag an sich für Ärger sorgen kann. „Es muss nicht unbedingt ein Meteorit am Boden einschlagen, damit es zu Schäden kommt“, sagt er. Wenn die Weltraumsteine herunterfallen, „entsteht enorme Hitze, enorme Reibung“, die Brocken würden oft in Stücke zerbrechen, und das könne in Form von einer oder mehreren Explosionen passieren. „Meteore können bei ihrer Explosion in der Atmosphäre eine enorme Druckwelle auslösen“, sagt Ernzer. Und die alleine kann schon für Schäden am Boden sorgen. „Beispiele aus den vergangenen Jahren zeigen, dass es zu Schäden kommen kann, wenn so ein Objekt nur wenige 100 Meter über einem Haus explodiert und sich eine Druckwelle ausbreitet.“ Die seien aber von der Schwere her nicht vergleichbar mit einem direkten Einschlag.
Die Feuerwehr in Koblenz hat in dem getroffenen Haus offenbar sogar einen Überrest des Meteoriten gefunden. „Wir haben auf chemische Substanzen gemessen und nukleare Strahlung gemessen, da haben wir nichts festgestellt“, zitiert die dpaeinen Sprecher. In Deutschland dürfen Finder von Meteoriten die Steine übrigens behalten. Allerdings raten Forscher dazu, die Fundstücke erst einmal nicht anzufassen und Experten zu kontaktieren. Weltraumgestein hat großen Wert für die Forschung.