Die Gastronomie der Schueberfouer

Mehr als nur „Ham a Kuch“ – von Fast Food bis „Fouerfësch“

Auf der Schueberfouer kann man Menschen begegnen, denen Riesenrad, Karussell oder Achterbahn ziemlich egal sind. Ihre Ziele liegen mitten in dieser betörenden Duftwolke, in der sich Süßes mit Deftigem verbindet. Während rund drei Wochen ersetzt die Fouer öfters Betriebskantine, Schnellimbiss oder Restaurant. An Auswahl fehlt es nicht. Ein kleiner Überblick.

Gebrannte Nüsse sind eine der Spezialitäten der Schueberfouer

Gebrannte Nüsse sind eine der Spezialitäten der Schueberfouer Foto: Editpress/Alain Rischard

Sie gehören zur Fouer. So wie der „Mäertchen“ zur Oktav. Die kleineren und größeren Gaumenfreuden erfreuen eine treue Kundschaft. Für den Fouer-Experten Steve Kayser ist zum Beispiel eine kleine „Choucroute garnie“ – Brötchen, Wurst, Sauerkraut, Gurken und Senf – Teil des Rituals bei jeder Jahrmarkteröffnung.

Der Historiker und Geschichtslehrer weist darauf hin, dass die Fouer-Gastronomie über die Jahre mit dem Amüsierfaktor des Marktes gewachsen ist. So wie wir sie heute kennen, sei sie eigentlich aber erst nach 1900 entstanden. Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, haben sich viele Restaurants und Brasserien auf dem Platz niedergelassen. Eine ganze Reihe bekannter Wirte aus der Stadt eröffnete während der Fouer eine Niederlassung auf dem Glacis.

Auf dem Menü standen damals Spezialitäten der Luxemburger Küche. „Fierkelsjelli“, Kalbskopf, Frankfurter Würstchen oder zum Beispiel der heute sehr geschätzte „Fouerfësch“, ein Backfisch, „Merlan frit“. 1904 sei er erstmals in der Luxemburger Presse erwähnt worden, sagt Steve Kayser. Er ersetzte offensichtlich die Süßwasserkrebse im Moselweinsud, die nicht mehr in genügender Menge vorhanden gewesen, hierzulande gar ausgestorben seien. Damals habe es auch Buden gegeben, wo man den „Gebakene Fësch“ kaufen und in Zeitungspapier eingewickelt mit nach Hause nehmen konnte. Heute gibt es das leider nicht mehr. Das Frittieren verschiedener Speisen hätten wir mit großer Wahrscheinlichkeit den belgischen oder niederländischen Schaustellern zu verdanken. „Die berühmten ‚Arlerer de Poorter‘ haben die Fritten auf die Fouer gebracht“, so der Historiker.

Ursprung des Fouer-Hamburger

Um 1900 seien die Cafés, Brasserien, Restaurants und Dancings entlang der Scheffer-Allee aufgeblüht. „Westeschgaart“, „Biweschgaart“ und andere. Dort seien zu Speise und Trank auch Filme gezeigt worden, was die Schausteller, die auf der Fouer über einen eigenen Cinematografen verfügten, nicht gerade erfreute. Eines sei gewiss, so Steve Kayser: „Das Viertel in direkter Nähe zur Fouer wurde munter!“ Das fehle heute etwas. Die Tradition der Vielfalt an Speisen aber bestehe weiter. „Doch vieles von dem, was heute angeboten wird, ist recht rezent.“

Die typisch Luxemburger Fouer-Buden mit vielen Sitzplätzen und den weißen Tischdecken seien massiv in den 1960er und 1970er Jahren entstanden. Sitzgelegenheiten habe es vorher auch schon gegeben, aber weniger. Der Historiker weist auch darauf hin, dass der typische Fouer-Hamburger seinen Ursprung im „Grill Bar Rond“ habe. Das Lokal besteht heute noch. Abends habe ein Beschäftigter, nach einem langen Arbeitstag, Lust auf etwas Warmes gehabt und sich die Füllung eines Hackfleischbrötchens als flache Scheibe gegrillt.

Fast Food und Take-out spielen heute in der Fouer-Küche zusehends eine wichtige Rolle. Man hat die Qual der Wahl. Gleiches gilt auch bei Süßem. Gebrannte Nüsse, Mandeln, Nougat, Zuckerwatte und natürlich „Gaufres“ sind einige der Klassiker.

„Ham a Kuch“ zur feierlichen Eröffnung

Durch den technischen Fortschritt sei die Fouer in allen Hinsichten stets ein Kind ihrer Zeit, sagt Steve Kayser. Das gilt besonders auch für die Gastronomie – für die Zubereitung der Speisen, mit Brennholz, Gas und Strom oder deren Kühlung und Aufbewahrung. Vom Erdloch, dem kühlen Keller oder Gewässer über Eisblöcke hin zu modernen elektrischen Kühlschränken, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg so richtig aufgekommen sind, war es ein weiter Weg. 

Zur Kulinarik der Schueberfouer gehört seit den 1960er Jahren auch, dass zur feierlichen Eröffnung „Ham a Kuch“ gereicht werden. Diese recht junge Tradition stammt laut Steve Kayser aus dem ländlichen Raum, wo Schinken und Kuchen seit langem zu jedem Kirmes-Fest gehörten. Ein großer Supermarkt in Luxemburg hat übrigens sogar einem seiner Kochschinken diesen Namen gegeben. 

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Die „Arlerer de Poorter“ sollen die Fritten auf die Fouer gebracht haben, so Historiker Steve Kayser. Heute ist der kleine Gaumenschmaus in der Fouer-Kulinarik nicht mehr wegzudenken. Das Angebot an Saucen wird Jahr für Jahr größer.
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Seit 1904 ein echter Fouer-Klassiker: „Gebakene Fësch“. Die Idee des „Fouerfësch“ stamme übrigens von der Mosel, erzählt man.
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Die Qual der Wahl: „Was darf’s denn sein?“ Vielleicht ein Fouer-Hamburger, der aus Lust auf etwas Warmes vor Jahren „erfunden“ wurde.
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