Ausstellung
Luxemburgisch-portugiesischer Künstler Marco Godinho stellt in Nancy aus
Wenn Zeichen auf Worte treffen: In der aktuellen Ausstellung in der Galerie Hervé Bize in Nancy begegnen sich die Künstler Michel Dector und Marco Godinho. Was aus dem Zusammentreffen hervorgeht.
Der Künstler Marco Godinho stammt aus Portugal, ist aber inzwischen in Luxemburg aktiv – und stellt jetzt in Nancy aus Foto: Editpress/Tania Feller
Marco Godinho lebt und arbeitet heute in Luxemburg, geboren wurde er 1978 in Portugal. In seinen Werken spielt Sprache eine zentrale Rolle. Viele Arbeiten entstehen unterwegs, zwischen verschiedenen Orten, Zeiten und Momenten. Diese Dynamik ist auch in seiner aktuellen Gruppenausstellung in Nancy spürbar.
Während der französische Gegenwartskünstler Michel Dector dort mit Symbolen arbeitet, rückt bei Marco Godinho die Sprache in den Vordergrund. Seine Texte erscheinen zurückhaltend, fast beiläufig, wie eine leise Poesie, die sich erst beim genaueren Hinsehen entfaltet.
Sprache in Bewegung, Lesen als körperliche Erfahrung
Bei Godinho ist Sprache nie starr. Er arbeitet mit poetischen Texten und Gedichten, löst Worte aus ihrem Zusammenhang, ordnet sie neu an und stellt sie in den Raum. So entstehen keine eindeutigen Botschaften, sondern offene Bedeutungen. Zugleich wirkt nichts zufällig oder beliebig. Jedes Wort scheint bewusst gesetzt.

Markenzeichen der Ausstellung in Nancy: die Schriften auf den Fenstern Foto: Giulia Goetz
In der Galerie verändert sich auch die Art des Lesens. Schrift auf den Fenstern erscheint spiegelverkehrt und fordert dazu auf, näher zu kommen, die Perspektive zu wechseln und den Raum zu betreten. Teilweise finden sich solche Arbeiten auch außerhalb der Galerie, etwa an Fassaden in der rue Gambetta und der rue Saint-Dizier. Im Inneren begegnet man Gedichten auf Holz, die mit einem feinen Pulver aus Ziegeln entstanden sind.
Godinho arbeitet immer wieder im öffentlichen Raum. Seine Texte sind oft so subtil, dass man sie leicht übersehen kann. Gerade darin liegt ihre Kraft. Sie laden dazu ein, genauer hinzusehen und aufmerksamer zu werden. „Man muss sie nicht sehen“, sagt der Künstler. Ihn interessiert das Spiel zwischen Sichtbarkeit und Entzug, zwischen dem, was erscheint, und dem, was sich dem Blick entzieht.
Material als Erinnerung
Auch die Materialien sind entscheidend. „Alle Materialien haben eine Geschichte“, sagt Godinho. In der Ausstellung wird das besonders deutlich: Dachziegel seines Hauses werden zu Staub verarbeitet und dienen als Grundlage für Bilder. Das Material bleibt dabei nicht neutral, sondern trägt seine Herkunft weiter in sich. Die darauf gesetzten Poesien wirken wie Spuren im Staub, fast wie etwas Atemhaftes, ein „souffle“, durch den der Text erst zum Vorschein kommt.

Text spielt eine wichtige Rolle in Godinhos neuester Arbeit Foto: Giulia Goetz
Neben den Arbeiten von Marco Godinho setzen jene von Michel Dector einen eigenen Akzent. Durch das Abziehen von Klebeband auf alten, gebrauchten Stoffen bleiben Formen zurück: Spuren von etwas, das einmal da war. Auch hier wird sichtbar, was fehlt. In der Gegenüberstellung entsteht ein leiser Dialog über Präsenz und Abwesenheit, über das Sichtbare und das, was nur noch als Spur existiert.
Zwischen Material und Erinnerung
Die Arbeiten von Marco Godinho und Michel Dector verbinden Sprache, Material und Raum auf unterschiedliche Weise. Zwischen Eingriffen im Stadtraum und den bearbeiteten Stoffen im Inneren entsteht ein Dialog, der über die Ausstellung hinausweist. So zeigt die Ausstellung, wie Erinnerung, Zeit und Material in neue Formen übergehen und wie gerade das Flüchtige eine besondere Präsenz gewinnen kann.
Galerie Hervé Bize, 19, rue Gambetta, F-54000 Nancy. Bis 8. Mai 2026, Montag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr. Eintritt frei.