Festival Wiltz
Klangdeserteure und „frisch renovierte“ Neubauten
Die Einstürzenden Neubauten werden häufig als Avantgarde-Band und Pioniere des Industrials bezeichnet. Doch sie lassen sich nicht festlegen. Immer wieder gelingt es ihnen, ihr Werk „frisch zu renovieren“. Am Donnerstag treten sie beim Festival in Wiltz auf. Ein Rückblick auf 46 Jahre Bandbestehen und eine erste Begegnung.
Jochen Arbeit, Rudi Moser, Blixa Bargeld und N.U. Unruh (von links) Foto: Thomas Rabsch
Theaterfabrik Unterföhring, Juli 1988. Das ist keine Baustelle. Aber das Betreten ist verboten. Rohre, Stangen, Stahlfedern, brachiales Klangwerk. Ordentlich drapiert. Während sich zwei Männer noch an ein paar Kisten zu schaffen machen und einen Teil des Equipments auspacken, taucht N.U. Unruh auf. Er ist Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten, die am Abend zum Tanz bitten. „Es tanzt das Z.N.S.“, heißt es in einem ihrer Songs.
Unruh ist experimenteller Klangtüftler und Perkussionist der Band. Seine Instrumente baut er sich meistens selbst. Eigentlich heißt er Andrew Chudy. Er wirkt eher zurückhaltend. Eine Weile vergeht, bis Marc Chung auftritt. Der Bassist ist genervt. Dann kommen FM Einheit, Frank-Martin Strauß, auch Mufti genannt, der fürs Metallschlagzeug zuständig ist, und Gitarrist Alexander Hacke, der Jüngste im Bunde. Die beiden Letztgenannten waren schon bei Mona Mur und Crime and the City Solution – eines von mehreren Projekten aus der Berliner Underground-Szene. Schließlich betritt Blixa Bargeld die Bühne, schwarz gekleidet und mit dem Charisma eines übernächtigten Dandys, der direkt der Unterwelt entstiegen zu sein scheint.