Kaltreis-Park Bonneweg
Jugendliche schlagen auf 14-Jährigen ein und filmen – sechs Verhaftungen
Erst wollten sie nur seine Jacke, dann eskalierte die Gewalt. Wie die Staatsanwaltschaft berichtet, haben sechs Jugendliche am Donnerstag ein 14-jähriges Opfer brutal zusammengeschlagen. Die sechs mutmaßlichen Täter wurden mittlerweile festgenommen.
Im Kaltreis-Park in Bonneweg herrscht am Montagmittag Ruhe Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Es ist ruhig im Park Kaltreis in Bonneweg. Es ist Montag, kurz nach Mittag. Nur einige Spaziergänger, teils mit Hund, sind unterwegs. Der Park und seine verschiedenen Einrichtungen – Spielplatz, Sportplätze, Gymnastikparcours und Toiletten – sind sauber. Von der Häuserzeile, an der sich der Park schmiegt, ist ebenfalls kein Laut zu hören. Und doch hat sich laut der Luxemburger Staatsanwaltschaft hier am vergangenen Donnerstag ein drastisches Ereignis abgespielt.
Am Montagmorgen berichtet die Justiz in einem Kommuniqué von der Gewalttat Kaltreis-Park. Sechs Jugendliche sprechen dort am vergangenen Donnerstag einen weiteren Jugendlichen, 14 Jahre alt, an. Laut Tageblatt-Informationen ist er mit einem Mädchen unterwegs, als die Täter ihn auffordern, ihnen seine Jacke auszuhändigen.
Dann beginnt offenbar eine Gewaltorgie. „Die Situation eskalierte anschließend durch wiederholte körperliche Gewalt“, schreibt die Staatsanwaltschaft. Das Opfer wird zu Boden geworfen und geschlagen, mit „Fäusten und Füßen, auch an empfindlichen Stellen wie am Kopf“. Die Tat passiert gegen 17.30 Uhr. Das Mädchen wird nicht angegriffen und bleibt unverletzt, wie die Staatsanwaltschaft gegenüber dem Tageblatt erklärt.
Auch die Täter waren minderjährig
Die Täter – allesamt zwischen 13 und 17 Jahren alt und damit ebenfalls minderjährig – drohen dem Jungen mit noch schlimmeren Konsequenzen, falls er die Polizei verständigt.
Die wird aber so oder so eingeschaltet. Zuerst ermittelt das Kommissariat Bonneweg, dann übernimmt die Kriminalpolizei. Sie setzt zwölf „Spezialermittler“ auf den Fall an, wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Die Polizisten identifizieren schließlich die sechs Verdächtigen – und machen Hausdurchsuchungen bei den Jugendlichen. Sie finden die gestohlene Jacke.
Polfer: „Besondere Schwere“ der Tat
Der brutale Vorfall im Park Kaltreis war am Montagnachmittag auch Thema im hauptstädtischen Gemeinderat. Auf Nachfrage von Rat Tom Weidig (ADR) unterstrich Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP), dass sie nicht mehr über den Vorfall wisse als die Öffentlichkeit. „Was ich weiß, wissen alle – es ist das, was in der Pressemitteilung von der Staatsanwaltschaft zu dem Vorfall steht.“ Polfer sprach aber von einer „besonderen Schwere“ der Tat und hob hervor, dass die Jugendlichen sich bei ihrer Tat selbst gefilmt hatten. Die Bürgermeisterin kündigte an: „Wir als Schöffenrat sind gewillt, die Sicherheitsfirma aus dem ‚Stater Park‘ auch im Park Kaltreis einzusetzen.“ Sie beschrieb die Geschehnisse als „sehr schlimm“ und hofft, dass Polizei und Justiz Licht in die Sache bringen. (sas)
Die Justiz schreibt, dass die Täter „offenbar einer bekannten Gruppe angehörten“ und ihre Tat zudem gefilmt hatten. „Diese Aufnahmen scheinen in der Absicht entstanden zu sein, die begangenen Taten zu inszenieren und zu verherrlichen.“ Das könne einer Art „Trophäe“ gleichkommen. Die Videos sollen weiter eingehend analysiert werden.
Verdächtige kommen nach Schrassig
Die sechs mutmaßlichen Täter werden nach der Vernehmung durch die Kripo auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in eine geschlossene Einrichtung gebracht. Da in den spezialisierten Einrichtungen für Minderjährige keine Aufnahmekapazitäten verfügbar waren, kommen sie ins Gefängnis nach Schrassig.
Die Staatsanwaltschaft erklärt, wie ernst sie die Tat nimmt: Wenn eine Gruppe ein einzelnes Opfer angreife und dabei Gewalt und Drohungen einsetze, um sich einen Gegenstand anzueignen, stelle das eine besonders „schwerwiegende Tat“ dar, die nicht toleriert werden dürfe.
Zudem sei die Verbreitung von Nachrichten mit gewalttätigen Inhalten oder Inhalten, die die Menschenwürde verletzen, strafbar. „Wenn solche Taten zudem Minderjährige oder besonders schutzbedürftige Personen betreffen oder inszenieren, werden die Strafen verschärft“, schreibt die Justiz. Die Täter können zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren sowie zu einer Geldstrafe von bis zu 75.000 Euro verurteilt werden.
Mehrere Fälle in den vergangenen Jahren
Die Ereignisse vom vergangenen Donnerstag sind bei weitem nicht der erste Fall von Gewalt unter Jugendlichen, die dann auch noch mit dem Handy gefilmt wird.
Im vergangenen April kursierte in den sozialen Medien ein Video, das einen Vorfall im Umfeld des „Lycée Bel-Val“ in Sanem zeigt. Darin ist zu sehen, wie Jugendliche ein Mädchen schikanieren, schlagen und auslachen – und dabei gefilmt werden.
Im Sommer 2023 machte ein Video Schlagzeilen, in dem ein Mädchen in der Nähe der Zitha-Klinik von einem anderen geschlagen wird, zu Boden geht und mit einer brennenden Zigarette beworfen wird – umringt von lachenden Jugendlichen. Die Abteilung für Jugendschutz der Kriminalpolizei ermittelte.
Anderer Vorfall in Bonneweg bereits im Oktober
Und auch in Bonneweg gab es vor nicht langer Zeit einen anderen Vorfall. Im Oktober des vergangenen Jahres kursierte ein Video in den sozialen Medien, auf dem zu sehen ist, wie ein Junge misshandelt wird. Er wird von zwei anderen Jugendlichen zu Boden gerissen, geschlagen und getreten. Andere Schüler schauen zu – und filmen. Bis ein weiterer schließlich eingreift. Das Bonneweger Lyzeum bestätigte später gegenüber dem Tageblatt, dass es sich um Schüler des Lyzeums handelte.
Besonders drastisch der Vorfall im Sommer im Mai vergangenen Jahres: Ein 19-Jähriger wurde von einer Gruppe Jugendlicher überfallen, gefesselt und entkleidet. Das Opfer hatte sich zuvor über soziale Medien mit einem 13-jährigen Mädchen verabredet – der Schwester eines der Täter. Luxemburgs Innenminister Léon Gloden (CSV) bestätigte später, dass es sich bei der Tat um einen Fall von „Pädo-Hunting“ gehandelt hatte. Vermeintliche Pädophile werden dabei mit falschen Konten in den sozialen Medien angelockt und bestraft, sagte Gloden.