Zeitgenosse von Davis, Coltrane und Monk

Jazzlegende Sonny Rollins ist tot

Er war einer der letzten lebenden Giganten der goldenen Ära des Jazz: Sonny Rollins, der „Saxofon-Koloss“, spielte mit Miles Davis, Charlie Parker und Thelonious Monk. Nun ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.

Porträt von Jazz-Saxophonist Sonny Rollins, bekannt als „Saxophone Colossus“ seit seinem Album 1956

„Saxophone Colossus“ – diesen Spitznamen trug Rollins seit seinem gleichnamigen Album von 1956 Foto: Eric Dervaux/Hans Lucas via AFP

Der „Saxofon-Koloss“ ist tot: Die US-Jazzlegende Sonny Rollins ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Rollins starb am Montag in seinem Haus in Woodstock im US-Bundesstaat New York, wie es auf seiner Webseite hieß. Der Saxophonist gehörte zu den letzten Größen der goldenen Ära des Jazz.

Der im New Yorker Stadtteil Harlem geborene Rollins gehörte zu den herausragendsten Saxofonisten überhaupt und wird in einem Atemzug mit Größen wie Charlie Parker, Coleman Hawkins und John Coltrane genannt. In jungen Jahren spielte er bereits mit Jazz-Legenden wie Parker, Miles Davis und Thelonious Monk. Seine Weggefährten überlebte er um Jahrzehnte und trat trotz Atemwegsproblemen bis ins hohe Alter auf.

Yoga statt Drogen und Alkohol

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP im Jahr 2016 schrieb Rollins seine Langlebigkeit unter anderem den Yoga-Übungen zu, die ihm bei der Konzentration halfen und von Drogen und Alkohol fernhielten. Vor allem aber sah er dahinter seine kreative Neugier: „Ich lebe noch, weil ich immer noch lerne“, sagte er.

Ich bin nur ein Mensch, und wenn ich mein Horn spiele, gelange ich in einen Zustand, in dem die Musik mich spielt

Seinen Spitznamen „Saxophone Colossus“ trug Rollins nach seinem legendären gleichnamigen Album von 1956. Im Gedächtnis blieb vielen Fans auch Rollins’ Auszeit Anfang der 60er Jahre, als er, überwältigt vom Ruhm, drei Jahre lang täglich stundenlang und bei jedem Wetter auf der Williamsburg Bridge zwischen den New Yorker Stadtteilen Brooklyn und Manhattan übte. Diese Zeit brachte eines seiner bekanntesten Alben hervor, das 1962 veröffentlichte „The Bridge“.

„Wenn ich spiele und improvisiere, denke ich nicht, denn die Musik kommt aus dem Unterbewusstsein, von irgendwo anders“, sagte Rollins in einem Interview der Webseite „The Root“. „Ich bin nur ein Mensch, und wenn ich mein Horn spiele, gelange ich in einen Zustand, in dem die Musik mich spielt. Ich stehe nur da oben und bearbeite mein Horn und blase.“

Mitte der 60er Jahre nahm Rollins eine zweite ausgedehnte Auszeit, lernte Zen-Meditation in Japan und ging dann für mehrere Jahre in einen Ashram nach Indien. Immer wieder setzte er sich mit seiner Musik für politische Ziele ein. Sein 20 Minuten langes Stück „Freedom Suite“ von 1958 widmete er der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung. (AFP)

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