Kultur-News

Jazz-Futter in Wiltz, queere Geschichten im Nationalmuseum und Geister in der Villa Louvigny

Was bewegte die Kulturszene diese Woche? Das Tageblatt stellt ausgewählte Neuigkeiten und Veranstaltungen im Kurzformat vor.

Symbolbild: Was die Kulturszene in Luxemburg umtreibt

Symbolbild: Was die Kulturszene in Luxemburg umtreibt Foto: Pexels

Wiltz im Ausnahmezustand: Zwei Formate, ein Anspruch

Der Brandbau wird am 10. und 11. April erneut zum Schauplatz eines Festivals, das sich bewusst jeder eindeutigen Verortung entzieht. „Jazzorwhatever!?“ versteht Jazz nicht als Stil, sondern als offenes System. Zwischen Berliner Clubästhetik (Moses Yoofee Trio), elektronisch geprägten Quartettklängen (Yvonne Moriel, siehe Foto) und transkulturellen Kompositionen (Nawras Altaky) entfaltet sich ein Programm, das ebenso präzise kuratiert wie risikofreudig ist. Mit Berlinde Demans Serpent-Experimenten und starken Beiträgen aus Luxemburg – etwa von Jambal oder Daniel Migliosi – wird die Spannweite zusätzlich erweitert. Neu: eine zweite, bewusst reduzierte Kellerbühne für intimere Set-ups und DJ-Formate.

Mit „Foodorwhatever!?“ (11. & 12. April) wird der Ansatz ins Kulinarische übertragen. Die Kids-Edition richtet sich am Samstag an ein junges Publikum, das spielerisch an sensorische Erfahrungen herangeführt wird. Am Sonntag folgt die „Full Experience“: ein mehrgängiges Format, das Küche, Sound und Raumgestaltung eng verzahnt.

Zwei Veranstaltungen, die weniger auf Repräsentation als auf Erfahrung setzen – und damit einen seltenen Ton treffen. (ct)


Ausstellung zu Luxemburgs queerer Geschichte

2028 steht im Nationalmuseum auf dem Fischmarkt queeres Leben in Luxemburg im Mittelpunkt. Das steht im aktuellen „MuseoMag“, dem Magazin des Hauses (siehe Beitrag zur neuen Ausgabe). „À travers un regard historique, nous voulons éclairer [l]es débats contemporains et analyser comment la vie des personnes LGBTIQ+ a changé, ou non, au fil du temps“, ist zur Ausrichtung zu lesen. „Nous souhaitons mettre en lumière l’histoire d’une partie de la société qui, jusqu’à maintenant, n’a traditionnellement pas été intégrée au récit historique dominant.“ Historische Ausstellungen zum Thema wurden zuletzt in Esch angeboten: Das Musée national de la résistance et des droits humains ging in der Ausstellung „Victimes oubliées“ 2024 auf das Schicksal homosexueller Menschen in Luxemburg während des Zweiten Weltkriegs ein; die Organisation Rosa Lëtzebuerg organisierte zur Luxembourg Pride 2022 die Ausstellung „LGBTIQ+ History in Luxembourg“ im Bâtiment4. Zur Schau im Nationalmuseum sucht das Team noch nach passenden Gegenständen – und nach Menschen, die ihre Erinnerungen teilen möchten. Auch anonym. Gefragt sind alle, die Teil der Communities sind oder diese unterstützen. Politisches oder aktivistisches Engagement sind keine Voraussetzung. Was zählt, sind die Geschichten. Interessiert? Das Team ist per Mail (histoire@mnaha.etat.lu) und telefonisch (+352 47 93 30 413) erreichbar. (ispi)


Ass dat net eng vun den Aufgabe vun enger kultureller Programmatioun, fir z’innovéieren, z’experimentéieren an z’iwwerraschen?

Claude Mangen

Scheidender Direktor des „Mierscher Theater“ im Vorwort der neuen Ausgabe des hauseigenen Magazins „Carisma“


„Radio Luxembourg - Ghosts of the Villa“ bis zum 30. April verlängert

Ende März gab Kulturminister Eric Thill (DP) in der Abgeordnetenkammer bekannt, er suche nach Möglichkeiten, die immersive Ausstellung „Radio Luxembourg – Ghosts of the Villa“ weiterzuführen. Zumindest eins steht schon fest: Wer noch nicht in die Geschichte von Radio Luxemburg eingetaucht ist, kann dies noch bis zum 30. April in der Villa Louvigny in Luxemburg-Stadt tun. Ursprünglich sollte die Ausstellung diese Woche enden. Aufgrund der hohen Besuchszahlen und der ausgebuchten Rundgänge, entschied sich das Team mit Unterstützung des Film Fund Luxembourg, des Centre national de l’audiovisuel und der Oeuvre Nationale jedoch für die Fortsetzung. Vom 5. bis zum 14. April ist die Schau allerdings geschlossen. Weitere Informationen und Reservierungen via radio.lu. (ispi)


„Prix Laurence“ 2026 geht in die letzte Runde

87 literarische Nachwuchstalente traten an, 26 schafften es in die Endrunde: Die Finalisten des Jugendliteraturpreises „Prix Laurence“ der Gemeinde Bettemburg sind bekannt. Die Kandidaturen (12-17 Jahre; 18-26 Jahre) gingen aus Luxemburg, der Großregion und den Partnerstädten von Bettemburg – Valpaços (Portugal) und Flaibano (Italien) – ein.

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Texte in fünf Sprachen buhlten 2026 beim „Prix Laurence“ um einen Platz im Finale

Die ausgewählten Texte sind auf prixlaurence.lu verfügbar und stehen zur Bewertung bereit. Das Publikum entscheidet ab dem 7. April online über den „Prix du Public“. Am 25. April (12-17 Jahre) und am 26. April (18-26 Jahre) tragen die Talente ihre Texte jeweils um 11 Uhr im „Château de Bettembourg“ vor. Der „Prix Laurence“ wird seit 2015 jährlich im Rahmen des Literaturfestivals „LiteraTour“ verliehen. 2026 bestand die Jury aus Vesna Andonovic, Nicolas Calmes, Jérôme Jaminet, Christiane Kremer, Sabrina Notka, Antoine Pohu und Pit Hoerold. (ispi)


Das gibt es in der neuen Ausgabe des MuseoMag zu entdecken

Im zweiten MuseoMag des Jahres führt Direktorin Tania Brugnoni in den Inhalt ein, indem sie unterstreicht, dass das Heft den Reichtum diverser Herangehensweisen schildert, „depuis la genèse d’une exposition jusqu’à la redécouverte d’oeuvres oubliées, en passant par les appels à participation citoyenne et les avancées décisives en matière de numérisation“. Neben bekanntem („Vu Lilien a Linnen“) weist sie auf die umfangreiche Vorschau auf die Ausstellung „Berthe Brincour (1879-1947)“ hin, eine, wie Kuratorin Lis Hausemer, schreibt „artiste hors normes et hors temps“, eine Feststellung, die die bereits abgebildeten Werke belegen. Ab dem 4. Juni zeigt das Nationalmuseum auf dem Fischmarkt eine umfassende Retrospektive dieser eher vergessenen Künstlerin. Aussichten aus der Vogelperspektive von Luxemburg-Stadt aus dem Jahre 1916 von Auguste van Werweke, die Villa in Echternach in Erinnerung an die Zeiten, in denen die Römer unser Land besuchten, Spuren der Soldaten der ersten Landesarmee, ein Blick in die Digitalisierung des Herr-Archivs und ein Aufgreifen der Werke von Marie Anne Hencké im Luxemburger Kunstarchiv sind neben Kurzinformationen außerdem Bestandteil dieses „MuseoMagazins“. Dem Heft liegt eine „Agenda“ mit einer übersichtlichen Zusammenfassung aller MNHAHA-Aktivitäten in den Monaten April bis August bei. Wer das Magazin noch nicht per Abonnement bezieht, sollte sich ein solches besorgen. „MuseoMag“ ist eine wichtige Informationsquelle für jeden Kunst- und Geschichtsfreund. (fw)

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