Hoffen auf Demokratie

Iraner in Luxemburg reagieren auf den Krieg im Nahen Osten

Israel und die USA greifen seit Ende Februar den Iran an. Exil-Iraner in einem Restaurant sind froh darüber. Sie hoffen auf einen Regimewechsel und ein demokratisches Land.

Menschen in Restaurant begrüßen USA- und Israel-Eingreifen, hoffen auf Freiheit und Demokratie im Iran

In diesem Restaurant begrüßen die Menschen das Eingreifen der USA und Israel – und hoffen auf Freiheit für den Iran Foto: Editpress/Tun Stemper

Israel und die USA greifen seit Ende Februar den Iran an. Unter anderem der oberste Führer, Ali Chamenei, wurde getötet. Doch wie sehen Exil-Iraner in Luxemburg das? Das Tageblatt war nach Kriegsausbruch in einem iranischen Restaurant in Luxemburg-Stadt unterwegs, um mit Mitarbeitern über die Ereignisse zu reden.

Bücher über den Iran stehen im Lokal sichtbar auf einem Brett und an der Mauer hängt eine Fotocollage mit Impressionen aus dem Land. Im Restaurant ist es zunächst eher ruhig, bis auf Geschäftsleute, die ihr Essen zum Mitnehmen bestellen. Doch bald füllt sich das Lokal mit Iranern, die gerne mit der Presse reden. Der Grundtenor: Hoffnung auf Demokratie und Veränderung, aber auch Sorge um Angehörige im Land. Und: Sie sind glücklich darüber, dass über sie und ihr Land berichtet wird.

Bücher und bunte Bildcollage mit iranischen Motiven, die Kultur und Geschichte des Iran symbolisieren

Bücher und eine Bildcollage erinnern an den Iran Foto: Editpress/Tun Stemper

Yavar Vatandoust ist 26, arbeitet im Restaurant und holt gleich eine Zeitung hervor: Ein großes Foto zeigt Iraner, die um Chamenei trauern. Diese würden nicht das iranische Volk repräsentieren, sagt er. Viel kleiner ist ein Foto, das Demonstranten im Ausland mit der alten iranischen Flagge zeigt. Darauf zu sehen: ein Löwe und eine Sonne – die richtige Flagge des Landes, sagt er.

Yavar hält die richtige Landesflagge in der Hand und zeigt sie stolz vor neutralem Hintergrund

Das sei die richtige Landesflagge, sagt Yavar Foto: Getty Images via AFP

„Wir schreien nach Freiheit“

„Wir sind froh über das, was passiert“, sagt Restaurantbesitzer Hamed Kazemi (40) über die Angriffe der USA und Israels auf sein Land. Das Volk habe nun die Möglichkeit, einen neuen Iran aufzubauen. „Wir schreien nach Freiheit. Jetzt brauchen wir Hilfe“, sagt die 26-jährige Nilofar Talbi (26). Immer wieder sagen die Befragten, die Toten seien im Vergleich zu den Zehntausenden, die das Regime auf dem Gewissen habe, ein „akzeptabler Preis“ für Freiheit.

Die Entscheidung über die Zukunft liege beim Volk. „Es sind die Iraner, die Freiheit bringen werden“, sagt Hamid A. (31). Seinen Nachnamen möchte er nicht in der Zeitung lesen – aus Angst um seine Familie im Iran. Die Angriffe aus dem Ausland würden nur den Boden dafür bereiten: „Wir werden das Ende der Geschichte sein.“ Eine interne Reform des Regimes sei nicht mehr möglich, daher „wollen wir es aus der Geschichte löschen“. Wer sich gegen die Diktatur stelle, werde festgenommen, sagt Nilofar: „Es ist wie Nordkorea.“ Auch Angehörige seien dann Repressalien ausgesetzt. Die Herrscher hätten Kriegswaffen gegen unbewaffnete Demonstranten eingesetzt, sagt Hamed Kazemi. Das Regime müsse komplett weg, sagen daher alle.

Yavar spricht über verzerrte Medienberichte und wahre Verhältnisse im Iran während einer öffentlichen Diskussion

Die Berichterstattung in den Medien zeige Yavar zufolge nicht die wahren Verhältnisse im Iran Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Wir wollen Demokratie“, sagt Nilofar. Eine konstitutionelle Monarchie, ähnlich wie in Luxemburg, wünscht sich Hamed, ein Anhänger von Reza Pahlavi, dem Sohn des autoritären früheren Schahs Mohammad. Hamed zufolge hoffe hauptsächlich seine Generation, die nach 1979 geboren wurde, auf Pahlavi. „Die, die seinen Vater erlebt haben, sehen ihn kritischer.“

Hamed spricht am Telefon, symbolisch für die schwierige Kommunikation von Iranern im Ausland mit ihren Familien im Iran

Hamed kann, wie die meisten Iraner im Ausland, nur schwer mit seiner Familie im Land kommunizieren Foto: Editpress/Tun Stemper

„Ich gehe nach Teheran“

Nilofar ist wie viele andere junge Frauen im Westen gekleidet. „So sehen wir aus“, sagt sie. Die junge Frau trägt Make-up und ihre Nägel sind lackiert. Ein Kopftuch trägt sie nicht. Ihr Foto möchte sie nicht in der Zeitung haben – aus Sorge um ihre Familie im Iran. Vor allem Frauen haben dort Angst vor der Polizei. Nilofar wünscht sich einen Iran, in dem sie sich sicher fühlt und unabhängig Entscheidungen treffen kann.

Viele Iraner würden die Rückkehr in einen demokratischen Iran herbeisehnen. Symbolisch dafür stehe ein Lied des iranischen Sängers Andy, in dem es heißt: „Ich gehe nach Teheran.“ Demonstranten hätten es gespielt. „Die Leute warten teilweise seit Jahrzehnten auf eine Rückkehr“, sagt Hamid. Auch Nilofar würde zurückkehren, wie ihre Freunde. „Nach einem Regimewechsel dürfen Sie mein Foto dann auch so oft veröffentlichen, wie Sie wollen“, sagt die junge Frau.

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