Vianden

Vier Jahrzehnte Hotel Petry: Paul Petry übergibt sein Lebenswerk – bleibt aber als „Schiedsrichter“

Vor wenigen Tagen hat Paul Petry die Leitung seines Hotels an zwei Nachfolger weitergereicht. Ein Gespräch mit dem sympathischen Gastronomen über 40 Jahre Hotel Petry, Höhen und Tiefen sowie über die heutigen Herausforderungen im Gastronomiebereich.

Das Hotel und Restaurant Petry hat eine lange Geschichte

Das Hotel und Restaurant Petry hat eine lange Geschichte Foto: Fabrizio Pizzolante

Mittwoch vergangene Woche: Es regnet in Strömen. Die Straßen sind wie leer gefegt, allein ein niederländisches Paar kämpft sich, mit Regenschirmen bewaffnet, durch Wind und Regen. Aus dem geplanten Spaziergang durch Vianden wird nichts, sodass es sofort in Richtung Hotel Petry geht.

„Bonjour, ech sinn de Paul.“ Mit diesen Worten empfängt der Hotelbesitzer das Tageblatt in der gemütlichen Kaffeestube. Zwei französisch sprechende Damen essen zu Mittag und diskutieren über Lastwagen und Anhänger. Am Nebentisch sitzt ein Mann, dessen Blick nicht von seinem Laptop weicht. Beim Rundgang durch das Hotel sind mehrere Gäste im Restaurant und auf den Gängen anzutreffen. Und natürlich auch Ermin Kujovic und Joe Patz, die beiden Nachfolger von Paul Petry. Dazu später mehr.

Wéi ech ugefaangen hunn, war dat hei eng Bud

Paul Petry

„Wéi ech ugefaangen hunn, war dat hei eng Bud“, so Paul Petry eingangs des Gesprächs. Er blickt zurück auf das Jahr 1985, als die Familie Petry-Spaus das ehemalige „Hotel des Etrangers“ kaufte. „Es war in einem – gelinde ausgedrückt – desolaten Zustand“, sagt Petry. „Gleich im darauffolgenden Winter wurde das Restaurant renoviert und die Heizungsanlage, die zu der Zeit noch mit Kohle befeuert wurde, modernisiert. Anstelle des vor dem Hotel gelegenen Obstgartens wurde ein Jahr später die Hälfte der heutigen 200 Plätze umfassenden Terrasse angelegt und während der Wintermonate 1987/88 wurde die Küche erneuert, die bereits erwähnte Terrasse auf die heutige Größe ausgebaut und, was noch viel wichtiger war, die Sanitäranlagen den Anforderungen gerecht gemacht.“

Hotel des Etrangers um 1900, historisches Gebäude mit klassischer Architektur und vintage Straßenansicht in Italien

Das „Hotel des Etrangers“ um 1900 Foto: privat

Apropos Sanitäranlagen: Das alte „Hotel des Etrangers“ verfügte über gerade mal zehn Zimmer, sechs im ersten und vier im zweiten Stock. Auf der ersten Etage gab es zwei Toiletten und eine Dusche, auf der zweiten keine Sanitäranlagen. „Da wir in den Sommermonaten zusehen mussten, dass wir Geld erwirtschafteten, blieben uns lediglich die Wintermonate von November bis Ostern, um Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten ausführen zu können“, so der heute 63-jährige Paul Petry.

„Es gibt immer was zu tun“

Dank eines großangelegten Projektes, das mit rund 50 Millionen Luxemburger Franken zu Buche schlug, wurde die Gesamtanlage des Hotels im Winter 1999/2000 auf den heutigen Stand gebracht. Ein Anbau ermöglichte nicht nur die Einrichtung eines großen Frühstückraums, auch die Zahl der Zimmer konnte von 10 auf 28 erhöht werden. „Vor 26 Jahren waren 50 Millionen Franken überaus viel Geld“, so Paul Petry stirnrunzelnd.

Paul Petry lächelnd in der Mitte, glücklich über gesicherte Unternehmensnachfolge und Zukunftsplanung

Paul Petry (M.) freut sich darüber, dass die Nachfolge gesichert ist Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Doch damit nicht genug: „Wir nutzen auch heute noch die Wintermonate, um Renovierungsarbeiten durchzuführen. Es gibt immer etwas zu tun. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir ,up to date‘ bleiben. Andernfalls bleiben die Gäste aus.“ Mit einem Schmunzeln fügt Petry noch hinzu: „Mit einem Vintage-Auto herumzufahren, ist anscheinend cool, doch in einem Vintage-Hotelzimmer zu übernachten, sorgt für kritische Töne und geschäftsschädigende Kommentare in den sozialen Netzwerken.“

Auf die Frage, was er denn so alles in den 40 Jahren als Hotelbetreiber erlebt hat, kommt die Antwort postwendend: „Ich weiß nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Ich habe sehr viele schöne, aber auch weniger schöne Erinnerungen. Um bei Ersteren anzufangen: Die Filmcrew, die mit den Dreharbeiten zu einem Kinofilm in Vianden beschäftigt war, übernachtete bei uns im Hotel. Abends saß man noch eine Zeit lang zusammen und fachsimpelte. An einem dieser Abende gesellte sich auch eine Schauspielerin hinzu. Es war keine andere als Piper Perabo, bekannt durch Filme wie ‚Coyote Ugly‘, ‚George and the Dragon‘ oder auch noch in ‚Cave‘, um nur diese zu nennen. Sie hat in mehr als 30 Kinofilmen mitgespielt, nebenbei auch in TV-Serien wie ‚Dr. House‘, ‚Grey’s Anatomy“, ‚Covert Affairs‘ oder auch noch ‚Criminal Intent‘.“

Überraschender Besuch

Gute Erinnerungen hat Paul Petry auch an die Karnevalszeit 2012. Mitglieder der lokalen Narrenzunft „Mi-Cuit“ saßen bei ihm im Lokal, verkleidet, wie das sich eben für „Karnevals-Gecken“ ziemt. Einer dieser Narren fragte den Hotelbetreiber plötzlich aufgeregt, ob er wüsste, dass Großherzog Henri und seine Frau Maria Teresa in seinem Restaurant nebenan Platz genommen hatten. „Ich lachte lauthals, da ich annahm, dass die Jungs mich auf den Arm nehmen wollten. Mein zweiter Gedanke war, dass sich vielleicht zwei Gäste als großherzogliches Paar verkleidet hatten. Ich wollte mich aber trotzdem vergewissern, was es damit auf sich hatte. Tatsächlich speisten Henri und Maria Teresa ‚ganz privat‘ im Restaurant. Ich werde diesen Abend wohl nie vergessen.“

Renovierungsarbeiten im Winter: Handwerker erneuern Hausfassade bei kaltem Wetter für modernes Zuhause

Immer „up to date“ bleiben: Auch heute noch werden die Wintermonate genutzt, um Renovierungsarbeiten durchzuführen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Negative Erinnerungen gab es infolge des Hochwassers 2021. Das Untergeschoss des neuen Anbaus des Hotels, in dem unter anderem ein Fitnessraum eingerichtet ist, stand komplett unter Wasser. „Wir hatten sehr hohen Schaden zu beklagen“, sagt Petry. „Nicht nur am Gebäude, sondern auch an den Fitnessgeräten und den technischen Anlagen, die im Untergeschoss untergebracht sind.“

„Sollte es Stress geben, bin ich da“

Mit 63 Jahren zieht er sich nun aus dem Hotelbetrieb zurück. Nicht ganz, wie er uns gleich zu verstehen gibt. „Meine beiden Nachfolger, Joe Patz und Ermin Kujovic, haben jeweils 40 Prozent des Unternehmens übernommen, ich selbst behalte 20 Prozent, im Fall, wo ich, sollte es einmal Stress geben, Schiedsrichter spielen muss“, so Petry schmunzelnd.

Großer, eleganter Restaurantraum mit stilvoller Einrichtung und Sitzplätzen für bis zu 180 Gäste

Im Restaurant ist Platz für bis zu 180 Gäste Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der aus Montenegro stammende Ermin Kujovic arbeitet seit 1999 im Hotel Petry. Er wurde 1980 geboren und hätte als 18-Jähriger in der Armee, die sich zu dem Zeitpunkt im Krieg befand, dienen müssen. Er floh deshalb aus seiner Heimat und kam nach Luxemburg. Monate später begann er seine Arbeit in Vianden. Mittlerweile besitzt er auch die luxemburgische Nationalität. „Er hat sich ein Eigenheim angeschafft und zusammen mit mir einen Bauernhof im Nachbardorf gekauft und instand gesetzt“, erzählt Petry. „In all den Jahren hat er viel geschuftet. Im Hotelbetrieb ist ihm keine Stunde zu früh oder zu spät, um zu arbeiten. Er ist ein überaus loyaler Mensch.“

Joe Patz hat 2021 seinen Abschluss in der Hotelfachschule gemacht. Seitdem arbeitet er im Hotel Petry, nachdem er auch mehrmals während seiner Studienzeit in den Diensten des Hotels stand. Das gesamte Team um die beiden Nachfolger besteht aus 20 Leuten, in den Sommermonaten kommen vier bis fünf Saison-Mitarbeiter sowie zahlreiche Studenten hinzu. „Während mancher Sommermonate zählten wir schon mal 35 Beschäftigte“, sagt Petry. „Neben den 28 Zimmern haben wir 200 Sitzplätze auf unserer Terrasse und Platz für bis zu 180 Gäste im Restaurant, das erklärt die hohe Zahl an Arbeitskräften. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass unsere Festangestellten sonntags und feiertags arbeiten und die meisten von ihnen somit acht bis neun Wochen Urlaub im Jahr haben.“

Paul Petry blickt mit Zuversicht in die Zukunft. „Wir sind glücklich, viele treue und langjährige Mitarbeiter in unseren Reihen zu wissen. In unserem Team sind 13 Nationen vereint, alle zusammen sind eine große Familie“, sagt er abschließend, bevor er sich auf den Weg zum Rathaus macht, wo er das Amt des Ersten Schöffen bekleidet.

Vier Jahrzehnte Hotel Petry: Paul Petry übergibt sein Lebenswerk – bleibt aber als „Schiedsrichter“

Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

1 Kommentare
Guy Mathey 16.03.202608:18 Uhr

Eine beachtliche Leistung, Respekt. Den Nachfolgern wünsche ich, dass sie dieses spannende Projekt genauso erfolgreich weiterführen können.
Übrigens, Herr Minister Gloden, jeder Mensch, dessen Heimatland zur Kriegsregion wird, hat das Recht sich an einem anderen Ort ein neues Leben aufzubauen und ist keineswegs verpflichtet in einem unsinnigen Krieg zu sterben, wie Sie das rezent den Ukrainern vermitteln wollten. Ihre Haltung gegenüber Menschen in Not ist echt unterirdisch.

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