Analyse
Houston, wir haben ein Poem – Zur Debatte um die Forderung eines „Parlamentspoeten“
Drei Autoren haben in einem Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ für die Installierung eines „Parlamentspoeten“ im Deutschen Bundestag plädiert – und mussten in Folge sehr viel Kritik einstecken. Bei der Debatte wurde ein wichtiger Punkt bisher aber gar nicht berücksichtigt. Eine Analyse.
Während der Zeremonie von Joe Bidens Amtsantritt rezitierte Amanda Gorman „The Hill We Climb“ Foto: AFP
Wann kann man sich sicher sein, dass etwas so weit ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen ist, dass es eine gesellschaftliche Relevanz besitzt? Natürlich, wenn es dazu einen Wikipedia-Artikel gibt. Man danke den emsigen Autoren, die stets um die Vervollständigung der Online-Enzyklopädie und die Erweiterung des menschlichen Kenntnisstands bemüht sind. Es ist nun auch ihr Verdienst, dass es seit kurzem einen Eintrag zu „Parlamentspoet“ gibt. Seit dem 3. Januar geistert dieser Begriff durch die deutschen Medien und steht mittlerweile im Zentrum einer handfesten Debatte, die weit mehr als ein Sturm im Wasserglas oder auch eine Detonation in der verschrobenen Intellektuellenblase ist. Hier schalten sich viele verschiedene Parteien ein: Schriftsteller, Journalisten, Politiker und Menschen, die nichts von all dem sind, sich aber trotzdem zu Wort melden möchten. Worum geht es?