Musik
Gipfel der Erkenntnis: „Gnosis“ von Russian Circles
Mit Russland hat das Trio aus Chicago nach wie vor nichts zu tun, im Gegensatz zu British Sea Power, die sich aus Scham vor ihrer Heimat umgetauft haben und jetzt nur noch Sea Power heißen, haben sich die legendären Stoiker trotz der beschämenden Aktualität nicht in Ukrainian Squares umbenannt. Stattdessen veröffentlicht die Band eine Platte, die zeitgleich brachialer und filigraner als ihre Vorwerke ist – und auf der sich einige ihrer besten Tracks tummeln.
Schlagzeuger Dave Turncrantz Foto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi
Christopher Nolans Filme spielen allesamt mit der Subjektivität jeglichen Zeitempfindens. Wer die Verschiebungs- und Verdichtungsspielchen in „Tenet“, „Inception“, „Interstellar“ als nerdigen Science-Fiction-Zeitvertrieb abstempelt, dem dürfte mit den pandemiebedingten Rallentandi und Accelarandi der Veröffentlichungen von Platten im Musikbetrieb beziehungsweise der Kluft zwischen Plattenerscheinungen und Touren zumindest eine kleine Idee gegeben sein, wie es sich anfühlt, in einem Universum der zeitlichen Relativität zu leben.