Kulturerbe Colmar-Berg
Geschützte Gebäude sind keine heiligen Kühe
Seit 2016 läuft in Luxemburg eine wissenschaftliche Inventarisierung des gebauten Kulturerbes. Das rund 50-köpfige Team des „Institut pour le patrimoine architectural“ (INPA) hat seither mehrere Gemeinden erfasst und die Ergebnisse ausgewertet. Colmar-Berg gehört dazu: In Anwesenheit von unter anderem Kulturminister Eric Thill wurden nun die dort identifizierten schutzwürdigen Objekte vorgestellt.
Bauherr dieses historisch geprägten Wohnhauses war Alfred Schoeller (1834-1892), ein Industrieingenieur, der im Jahr 1863 zusammen mit François Majerus eine Gießerei in Colmar-Berg aufbaute Foto: Roger Infalt
Rund 80 Einwohner waren der Einladung zur Vorstellung der sieben schützenswerten Kleindenkmäler sowie der 57 schützenswerten Gebäude gefolgt. Sie wurden in die Liste der insgesamt 118 potenziell schützenswerten Objekte der Gemeinde aufgenommen und provisorisch als schützenswertes architektonisches Erbe eingestuft.
Warum nur provisorisch? Diese Frage ist schnell beantwortet: Jeder Einwohner der Gemeinde hat nun bis zum kommenden 9. April Zeit, Vorschläge oder Einwände vorzubringen, dies sowohl unter der Internetadresse colmar-berg.lu als auch unter enquetes.public.lu oder per Brief an die Gemeindeverwaltung. Anschließend bleiben dem Gemeinderat drei Monate Zeit für ein Gutachten, das dann an das Kulturministerium eingereicht wird, von wo es später den Weg in den Regierungsrat nimmt.
Das geschichtliche Ensemble aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bestehend aus dem ehemaligen Rathaus und der früheren Schule Foto: Roger Infalt
Subventionen aus der Staatskasse
Kulturminister Eric Thill und INPA-Direktor Patrick Sanavia gaben während des Informationsabends Einblick in die Vorgehensweise, die zum vorliegenden Inventar geführt hat. Insgesamt 15 Kriterien stehen bei der Auswahl schützenswerter Objekte im Raum, so etwa die Authentizität, die Relevanz für die Architektur-, Kunst- oder Ingenieursgeschichte, der Seltenheitswert, die Gattung, die Charakteristik für ihre Entstehungsgeschichte, der Bautypus, die Entwicklungsgeschichte usw.
Anders als oft behauptet werde, könnten sehr wohl Arbeiten an geschützten Objekten durchgeführt werden, aber nur in Absprache mit dem INPA, so Kulturminister Eric Thill. Interessant sei dabei die Tatsache, dass die Kosten für die dafür notwendigen Studien zu 100 Prozent vom Staat getragen und die Kosten für die Renovierungsarbeiten bis zur Hälfte subventioniert werden.
Anschließend stellte Inventaristin Marguy Conzemius die als schützenswert eingestuften Objekte auf dem Gebiet der Gemeinde Colmar-Berg vor: unter ihnen der „Bamhaff“, der „Brosiushaff“, der Winkelhof, der „Lellingerhaff“, verschiedene Wohnhäuser in der rue Martzen, rue de Mertzig, in der Poststraße sowie in der avenue Gordon Smith. Weitere vorgestellte Objekte waren ein architektonisch wertvolles Wehr, eine Bogenbrücke an der Attert, Wegekreuze, Begräbnisstätten, ein Waschbrunnen und natürlich auch das großherzogliche Schloss. „Die einzelnen Bauten und Kleindenkmale bilden ein historisch gewachsenes sowie über die Ortsgrenzen hinaus sozial- und kulturgeschichtlich bedeutsames Ensemble“, so beginnen die Erklärungen zum Schloss in dem 294 Seiten umfassenden, überaus interessanten Buch, in dem alle 64 schützenswerten Objekte aus der Gemeinde mitsamt den zugehörigen Informationen zur Architektur, zur Geschichte usw. aufgeführt sind.

Der gegenüber dem ehemaligen Rathaus gelegene Bauernhof, der unter dem Namen „Nelsonshaff“ bekannt ist, wurde erst vor wenigen Jahren stilgerecht zum Wohnhaus renoviert. Bei dem Anwesen handelt es sich um die Überreste eines damaligen Dreikanthofs aus dem späten 18. Jahrhundert. Foto: Roger Infalt
„Dieses Inventar der Baukultur der Gemeinde Colmar-Berg, das Gebäude aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert enthält, richtet sich primär an interessierte Bürger, an Personen aus den Bereichen Architektur und Planungswesen sowie an Verantwortungsträger, die über den Umgang mit kulturhistorisch bedeutsamen baulichen Zeugnissen mitentschieden“, so das Schlusswort des INPA.

Die sogenannte „Villa Peiffer“ wurde im Jahr 1900 von Bernard Peiffer, einem bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris ansässigen Luxemburger, gebaut Foto: Roger Infalt