Contern

Gemeinde verzichtet auf eine neue Klage – doch der Streit um zwei entlassene Mitarbeiter geht weiter

Nach monatelanger Mobbingaffäre hat der Gemeinderat von Contern am Dienstag beschlossen, die juristische Auseinandersetzung mit zwei entlassenen Mitarbeitern zu beenden. Die Sitzung war emotional aufgeladen, der Saal überfüllt, die Gemeinde tief gespalten. Ein Rücktritt, offene Vorwürfe und chaotische Szenen prägten den Abend. Ruhe kehrt so schnell nicht ein.

Der Gemeinderat hat entschieden, die juristischen Verfahren gegen zwei entlassene Mitarbeiter nicht weiterzuführen

Der Gemeinderat hat entschieden, die juristischen Verfahren gegen zwei entlassene Mitarbeiter nicht weiterzuführen Foto: Editpress/Alain Rischard

In der Mobbingaffäre der Gemeinde Contern hat der Gemeinderat am Dienstag entschieden, die juristischen Verfahren gegen zwei entlassene Mitarbeiter nicht weiterzuführen. Betroffen sind eine ehemalige Führungskraft und ein Mitglied der Personaldelegation, die im August 2024 Mobbingvorfälle gemeldet hatten und daraufhin entlassen wurden. Beide klagten erfolgreich gegen ihre Entlassung.

Der Andrang zur Sitzung war groß: Über 40 Personen, darunter Bürger und Gemeindemitarbeiter, quetschten sich in den überfüllten Saal. Die Stimmung war angespannt, das Publikum gespalten. Ein Teil unterstützte den entlassenen Vorarbeiter, ein anderer – vor allem das aktuelle Personal – stellte sich sichtbar hinter Bürgermeisterin Marion Zovilé-Braquet (CSV). Die Bürgermeisterin hat das Urteil bislang nicht umgesetzt und den Vorarbeiter beurlaubt. Dessen Anwesenheit im Saal trug zur spürbaren Nervosität bei.

Im Vorfeld hatte das Personal einen offenen Brief an Gemeinderat und Presse geschickt. Darin betonen die Mitarbeitenden ihre gute Zusammenarbeit mit dem Schöffenrat und erklären, eine Rückkehr der beiden Entlassenen sei für sie unvorstellbar. *Der Oppositionsrat Ari Arrensdorff (déi gréng) sprach von Einschüchterung: Angestellte seien unter Druck gesetzt und teils mit Gewaltandrohung zur Unterschrift genötigt worden.

Rücktritt zum Anfang

Zum Sitzungsauftakt ergriff LSAP-Schöffin Stéphanie Ansay das Wort – und kündigte ihren Rücktritt an. Sie warf der Bürgermeisterin vor, die LSAP unter Druck gesetzt und das Personal als politischen Schutzschild missbraucht zu haben. „Meine Batterie ist leer. Ich kann meinen Dienst am Bürger nicht mehr leisten“, sagte Ansay. Zovilé-Braquet wies die Vorwürfe zurück: Sie habe sich „nie gegen das Personal gestellt – selbst dann nicht, wenn dieses gegen mich geht“.

Beim zentralen Punkt der Sitzung – der Frage, ob juristisch weiter gegen die zwei Mitarbeiter vorgegangen werden soll – stimmte der Koalitionspartner LSAP mit der Opposition gegen die Bürgermeisterin. Damit ist das Kapitel juristische Fehde offiziell beendet. Gemeinderat Pol Thomé (LSAP) mahnte, die Kommune brauche nun „Ruhe und Vertrauen“, und schlug Mediation vor.

Anschließend wurde das Projekt „Shared Space“ im Ortszentrum vorgestellt – Baubeginn 2026, Kostenpunkt 6,27 Millionen Euro. Doch das Thema Mobbing ließ die Versammlung nicht los. Der überfüllte Saal wurde zunehmend stickig, die Gemüter erhitzt. Das Personal stand dicht gedrängt an der Wand, der Wunsch nach Aussprache blieb spürbar.

Am Ende platzte einer Zuhörerin der Kragen: „Warum wird das Personal nicht gehört?“ Oppositionsrat Ari Arrensdorff („déi gréng“) erwiderte, niemand habe sich an ihn gewandt. „Vielleicht, weil das Vertrauen nicht da ist“, konterte die Frau. Die Sitzung versank im Tumult: Zwischenrufe, hitzige Debatten, allgemeines Chaos. Geradezu symbolisch kippte das Gemeindebanner hinter dem Ratstisch um. Bürgermeisterin Zovilé-Braquet beendete schließlich die Sitzung. Die Unruhe in Contern aber dürfte weitergehen.

*In einer früheren Version des Artikels hieß es: „Der DP-Oppositionsrat Robert Axmann sprach von Einschüchterung: Angestellte seien unter Druck gesetzt und teils mit Gewaltandrohung zur Unterschrift genötigt worden.“ Die Aussage stammte von Oppositionsrat Ari Arrensdorff (déi gréng). Wir bitten für diesen Fehler ausdrücklich um Entschuldigung und haben den Artikel an dieser Stelle korrigiert.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren