Sanem
Gemeinde plant große Begrünung der Avenue 2000 – nicht alle sind begeistert
27 Bäume, neue Grünflächen und eine umgestaltete Straße: Die Avenue 2000 in Zolver soll klimaresistenter werden. Doch das 2,17-Millionen-Projekt stößt nicht bei allen Anwohnern auf Zustimmung.
So stellt sich das Planungsbüro Zeyen & Baumann die Zukunft der Avenue 2000 vor Plan: Zeyen&Baumann
Für die Anwohner der Avenue 2000 in Zolver steht in diesem Jahr eine Großbaustelle an. Die Gemeinde Sanem plant, die Straße komplett zu erneuern – und eine Hälfte des breiten Verkehrswegs umfassend zu begrünen. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich im Mai beginnen und innerhalb von zehn Monaten abgeschlossen sein. Am Ende soll eine Allee mit schattigen Naturflächen entstehen, die zum Flanieren einlädt und die Lebensqualität im Viertel steigern soll. Die Bäume sollen gegen Jahresende gepflanzt werden.
Mit dem gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten des Büros Zeyen & Baumann entwickelten Projekt hatte sich die Gemeinde bei der Ausschreibung des Umweltministeriums „Méi Natur an eise Stied an Dierfer“ aus dem Jahr 2023 beworben – und den ersten Preis gewonnen. Die Begrünungsmaßnahmen werden vom Staat mit knapp 500.000 Euro gefördert und sollten sich auf etwa 650.000 Euro insgesamt belaufen.
Da sich die Gemeinde dazu entschieden hat, im Zuge des Projekts weitere Straßenarbeiten durchzuführen – die Kreuzung sowie der Straßenbeginn der rue Michel Rodange sollen neu gestaltet und mehrere Infrastrukturen wie Kanäle erneuert werden –, fällt das Preisschild nun deutlich höher aus. Rund 2,17 Millionen Euro sind für die verschiedenen Maßnahmen veranschlagt, die im Budget unter mehreren Posten geführt werden. „Wenn wir die Straße schon aufreißen, dann setzen wir direkt alles instand“, lautete der Tenor in der Gemeinderatssitzung im Februar, in der das Gesamtprojekt mit 16 Ja-Stimmen abgenommen wurde. Einzig Gemeinderat Max Lehnen (DP) enthielt sich.
Nach den aktuellen Plänen soll die auf diesem Foto linke Straße verschwinden und zur Grünfläche werden. Rechts hingegen fallen mehrere Parkplätze weg. Foto: Editpress/Julien Garroy
Schwammstadt-Prinzip
Während die nördliche Fahrspur erhalten bleibt und mit versetzten Parkinseln der Verkehr verlangsamt werden soll, verschwindet die komplette südliche Straßenseite. Dort entsteht Platz für neue Grünflächen. Insgesamt sollen 27 Bäume in der Avenue ein neues Zuhause finden, erklärt Landschaftsarchitektin Anna Pohl vom Büro Zeyen & Baumann im Gemeinderat. Wer im kommenden Sommer an ihnen vorbeispaziert, könnte dabei fast ein wenig Ferienstimmung verspüren: Die meisten der ausgewählten Baumarten stammen aus Südeuropa und gelten als besonders hitzeresistent.
Die neue Grünfläche wird nach dem sogenannten Schwammstadt-Prinzip gestaltet. Regenwasser soll vor Ort gespeichert und in die Grünflächen geleitet werden. So erhalten die Pflanzen ausreichend Wasser, ohne dass zusätzlich gegossen werden muss, und das Regenwasser kann besser in tiefere Bodenschichten versickern. Eine spezielle Zusammensetzung des Bodens soll es den Bäumen zudem ermöglichen, unterirdisch ausreichend Raum für ihre Wurzeln zu finden. Um im Winter die Pflanzen vor dem Straßensalz zu schützen, soll ein Schiebemechanismus den Zufluss während der betreffenden Monate verhindern.
Neben der Förderung des natürlichen Wasserkreislaufs soll die neue Grünfläche auch helfen, eine bestehende Wärmeinsel zu bekämpfen. Derzeit liegt die Straße weitgehend ungeschützt in der Sonne und besteht größtenteils aus versiegelten Betonflächen. Durch die neuen Bäume könne zudem die Luftqualität verbessert und eine Frischluftschneise geschaffen werden, erklärte Pohl.
Der Plan sieht außerdem einen breiten Spazierweg vor, der ebenfalls wasserdurchlässig ist und sowohl von Fußgängern als auch von Radfahrern genutzt werden kann.
Aus der Opposition kam jedoch der Hinweis, dass diese gemeinsame Nutzung entsprechend ausgeschildert werden sollte. Begegnungsorte wie Bänke oder eine Spielfläche sind im aktuellen Projekt nicht vorgesehen. „Die Anwohner haben uns zu verstehen gegeben, dass sie das nicht wollen. Wenn sie ihre Meinung später ändern, kann immer noch nachgerüstet werden“, verteidigte Bürgermeisterin Simone Asselborn-Bintz (LSAP) die Entscheidung nach Kritik aus der Opposition.

Ein Schild macht die Meinung einiger Bürger deutlich Foto: Editpress/Julien Garroy
Ein umstrittenes Projekt
Wer mit den Anwohnern rund um die Avenue 2000 spricht, merkt schnell, dass das Projekt nicht überall auf Begeisterung stößt. Eine Petition mit mehr als 200 Unterschriften sprach sich gegen die Pläne der Gemeinde aus. Auch bei der Präsentation im Gemeinderat wurde mehrfach auf die Kritik der Gegner eingegangen. „Nicht alle sind glücklich damit, aber wir glauben, dass es eine gute Sache wird“, sagt Bürgermeisterin Simone Asselborn-Bintz.
Unmut regt sich u.a., weil durch die Neuplanung zahlreiche Parkplätze wegfallen. Derzeit befinden sich rund 20 Stellplätze auf der nördlichen Straßenseite, im neuen Layout wären es nur noch sieben. „Aber in den umliegenden Straßen des Wohnviertels gibt es durchaus Ausweichmöglichkeiten“, so Asselborn-Bintz.
Einige Anwohner befürchten außerdem, dass die neue Grünfläche ähnlich „ungepflegt“ wirken könnte wie der Park Fenkelbierg und dadurch Wildschweine anziehen würde. Zudem kritisieren die Petenten, dass die neue Verkehrsführung die Situation verschlechtern könnte: Die Avenue 2000 sei eine viel befahrene Straße. Durch die geplante Verengung der Fahrbahn könnten Staus entstehen und die Verkehrssituation sogar gefährlicher werden. Positiv bewerten die Kritiker hingegen die Pläne der Gemeinde, eine 30er-Zone einzurichten und deren Eingang visuell zu markieren. Gleichzeitig hatten die Petenten der Kommune einen Gegenvorschlag vorgelegt.
„Wir haben die Ideen der Bürger geprüft und versucht, auf die Kritik einzugehen“, sagt Asselborn-Bintz. Man hoffe, dass die überarbeiteten und nun angenommenen Pläne auf mehr Zustimmung stoßen. Die Gemeindeverantwortlichen aus Sanem wollen den Petenten das Projekt kommende Woche noch einmal ausführlich vorstellen.

Der Plan aus der Vogelperspektive Grafik: Zeyen&Baumann