Frauen in der Lokalpolitik
Flore Schank: Die Teamplayerin
Flore Schank (53) ist eine Newcomerin in der Lokalpolitik. Als Schöffin der Majorzgemeinde Feulen ist sie für Zusammenleben und Schulpolitik verantwortlich. Vor allem Letzteres ist nicht nur ein Steckenpferd der gelernten Grundschullehrerin, sondern etwas, wofür sie brennt. Ihr halbes Berufsleben verbringt sie in diesem Bereich.
Flore Schank arbeitet hauptberuflich als Koordinatorin beim Ombudsman für Kinder und Jugendliche (Okaju) Foto: Editpress/Julien Garroy
Flore Schank empfängt im Hochzeitssaal des Rathauses und verbreitet sofort unvoreingenommene Offenheit. Es duftet nach frisch verarbeitetem Holz. Das neue Gebäude verströmt ein freundliches, helles und trotz historischer Substanz modernes Flair. Hier kann man sich als Bürger wohlfühlen.
Hinter der Bank, auf der sie Platz nimmt, soll demnächst noch ein Foto des Wark-Tals erscheinen. Feulen besteht aus Ober- und Niederfeulen zwischen den Tälern von Wark und Fél. Das Rathaus ist noch nicht lange in Betrieb und schon wirft eine neue Idee ihre Schatten voraus.
„Wir wollen hier mittelfristig ein Shared Space als Dorfkern einrichten“, sagt Flore Schank. Ihre Karriere in der Lokalpolitik ist kurz und steil. Oftmals sind es Antworten auf die Frage nach einer sinnvollen Tätigkeit, die Veränderungen in ihrem Leben bringen. Während der Coronakrise entscheidet sie sich für lokales Engagement.
2021 wird sie Mitglied der LSAP
Sie wird 2021 Mitglied in der LSAP. Die Wahl wundert angesichts der sonstigen CSV-Mehrheiten im Norden. Auch hat Feulen mit seinen 2.400 Einwohnern und den rund zwölf aktiven Landwirten keine Arbeitervergangenheit. Eine Erklärung für ihre Mitgliedschaft liefert die Tatsache, dass sie zu einer Zeit als „Institutrice attachée“ ins Bildungsministerium berufen wird, als eine Sozialistin Ministerin für Erziehung und Berufliche Ausbildung ist.
Das neue Rathaus ist erst seit 15 Monaten in Betrieb Foto: Editpress/Julien Garroy
Mady Delvaux-Stehres vertritt von 2004 bis 2013 ein Bildungsideal, das Schüler in den Mittelpunkt stellt und sie stärken will, um ihre Talente zu entwickeln. Eine große Bildungsreform steht an. Die Lehrerin aus dem Norden, die sich, wo immer es geht, für einen Spracherwerb einsetzt, der der Mehrsprachigkeit und Interkulturalität des Landes Rechnung trägt, fällt auf.
Das Ziel der damaligen Ministerin beeindruckt sie und sie wechselt 2007 ins Bildungsministerium. In einem interdisziplinären Team arbeitet sie an der Reform mit, die ihr Vorbild Delvaux-Stehres vorantreibt. Menschen mit unterschiedlichen Wissensständen und Kompetenzen zusammenzubringen und das in Projekte einfließen zu lassen, ist eine ihrer Stärken.
2022 kommt sie in den Gemeinderat
„Ich arbeite am liebsten in einem Team“, sagt sie. Flore Schank glaubt an die Kraft des konstruktiven Austauschs und pflegt das in ihrer Funktion in der Gemeindepolitik. Leben und Engagement in der Gemeinde spielen für sie eine wichtige Rolle. Der erstmalig organisierte „Picknick-Dësch“ für die Einwohner bringt unerwartet viele Teilnehmer zusammen, genauso wie das „Adventsfenster“.
Das Gleiche gilt für die „Welcome Feelen“-Veranstaltung, die sich an Neubürger richtet, die weniger als zwei Jahre in der Gemeinde leben. Erst einmal musste sie aber Lokalpolitikerin werden. Mit der frisch gedruckten Mitgliedskarte in der Tasche bewirbt sie sich ein Jahr später, 2022, bei Komplementarwahlen für den Gemeinderat. Sie wird gewählt.
Als 2023 Wahlen anstehen, trommelt sie, zusammen mit dem heute amtierenden Bürgermeister Fernand Mergen und seinem Ersten Schöffen, ein Team für den Gemeinderat zusammen. Das ermöglicht Wahlen in Feulen, wo 2005 und 2017 der Urnengang ausfällt. Beide Male treten neun Kandidaten für die neun Sitze an, es muss nicht gewählt werden.
2023 wird sie Schöffin
2023 gibt es insgesamt 13 Kandidaten. „Es ist nicht gut für das demokratische Grundverständnis und die Funktion einer Gemeinde, wenn keine Wahlen stattfinden“, sagt Schank. Das Team bekommt seine Chance und Schank rückt gleich ins Schöffenamt auf. Seitdem arbeiten vier Frauen und fünf Männer in einer in ihren Worten „angeregten“ und „dynamischen“ Atmosphäre an der Zukunft der Gemeinde.
Der Schul- und Betreuungskomplex soll erweitert werden Foto: Editpress/Julien Garroy
Dort gibt es einiges zu tun. Das ehemalige Rathaus an der rue de Bastogne soll in einen Treffpunkt für die Bürger umgewandelt werden. Die entweihte Kirche erhält zukünftig einen ähnlichen Zweck. Das größte Projekt aber wird der neue „Bildungscampus“ rund um die bestehenden Schul- und Betreuungseinrichtungen.
„Angesichts der demografischen Entwicklung müssen wir erweitern“, sagt Schöffin Schank. In den neun Jahren zwischen 2016 und 2025 ist Feulen laut Statec von rund 1.900 auf etwa 2.400 Einwohner gewachsen. Das Durchschnittsalter der Einwohner liegt laut Gemeindewebseite zwischen 40 und 44 Jahren.
„Bildungscampus“ größtes Projekt der Gemeinde
Viele junge Familien haben die ländliche und trotzdem gut angebundene Gemeinde für sich entdeckt. Feulen liegt an der N15, die den Norden mit dem Zentrum verbindet. Um Platz für die Erweiterung zu schaffen, hat die Gemeinde gerade erst ein altes Bauernhaus mit Gelände rundherum gekauft. „Das ist eines der letzten Gebäude, das wir noch erwerben konnten“, sagt Schank.
Direkt neben dem Rathaus entstehen rund um ein altes Bauernhaus zehn Wohneinheiten zu sozialen Preisen Foto: Editpress/Julien Garroy
Und typisch für sie: Erst nach einer Bedarfsanalyse, bei der vor allem das Lehr – und Betreuungspersonal eine Rolle spielt, geht es an die konkreten Planungen. Die vielen Projekte – ein Traum von Schank ist und bleibt ein Kindergemeinderat – veranlassen sie, aktuell nicht noch stärker in der Nationalpolitik aktiv zu werden.
Sie wird 2026 als Kandidatin für den LSAP-Parteivorsitz gehandelt. Es hätte nicht ihrem Anspruch an Verantwortungsbewusstsein und Kompetenz entsprochen. Die Zeit, sich einzuarbeiten, fehlt. „Ich bin ein Dossier-Mensch“, sagt sie. „Ich muss wissen, über was ich spreche.“
Teilen kann sie sich nicht und die Lokalpolitik geht jetzt vor. Wie vorher im Bildungsministerium ist sie im Gemeinderat in ihren Worten „an der richtigen Stelle“. Wo erholt sich eine so engagierte Person? „Beim Abendessen mit meinem Mann und guter Jazzmusik“, sagt sie und strahlt.
Frauen in der Lokalpolitik
Bei den letzten Lokalwahlen am 11. Juni 2023 kandidierten 1.483 Frauen und 2.364 Männer. Die Angaben stammen aus einer Presseerklärung des Innenministeriums am 26. April 2023. Das waren 38,55 Prozent Frauen und 61,45 Prozent Männer. Knapp 20 Prozent der gewählten Frauen erreichten damals einen Bürgermeisterposten. In dieser Serie stellen wir in loser Reihenfolge aktive Frauen in der Lokalpolitik vor.