Schengen
„Finanziell stabil und zukunftsorientiert“: Die Europagemeinde verringert ihre Schuldenlast
Die Gemeinde Schengen hat den Haushaltsplan 2026 verabschiedet. Die Mehrheit lobt hohe Investitionen in Lebensqualität und Zukunft bei niedrigen Schulden, die Opposition kritisiert unklare Prioritäten und fehlende nachhaltige Visionen.
Die Rückkehr der historischen Marie-Astrid und die Renovierung des Europamuseums sind Investitionen, die den Haushalt der Gemeinde kaum belasten, da der Staat das Gros der Ausgaben übernimmt Foto: Editpress/Claude Lenert
Am Tag vor Heiligabend erläuterte Bürgermeister Michel Gloden die wichtigsten Punkte des berichtigten Budgets 2025 und des Budgets 2026. Er erklärte, dass die Gemeinde zum 31. Dezember 2025 über 73 Mitarbeiter verfüge. Für 2026 seien 76 Stellen vorgesehen, darunter eine neue Stelle im Sekretariat und eine im ökologischen Dienst.
Die Gemeindeschulden seien niedrig und weiter rückläufig. Trotz der Aufstockung durch neue Dienste wie den „Service de proximité“ und die Sportkoordinatorin blieben die Personalkosten konstant. Der Bürgermeister betonte, dass man die Finanzen fest im Griff habe, wie interne und externe Kontrollorgane jährlich bestätigen. Seit der Fusion 2011 sei kein Kredit aufgenommen worden.
Campus Baggerweier
Der Bürgermeister unterstrich, dass das zentrale Projekt der kommenden Jahre der Schulcampus Baggerweier in Remerschen sei. Für 2026 seien hierfür 7,8 Millionen Euro im Budget vorgesehen, die aus den laufenden Mitteln finanziert würden, ohne dass ein Kredit aufgenommen werden müsse.
Darüber hinaus stünden zahlreiche weitere Projekte auf dem Programm des außerordentlichen Budgets. Es werde in neue Infrastruktur wie Straßen, Leitungen und Netze im Rahmen von Wohnbauprojekten investiert. Vorrangig aber werde Geld für die Sicherheit und die Lebensqualität der Bürger aufgewendet: Fußgängerüberwege sollen besser beleuchtet, Bushaltestellen erneuert und verkehrsberuhigende Maßnahmen in den einzelnen Dörfern umgesetzt werden. Zudem werde das Glasfasernetz für schnelles Internet weiter ausgebaut, eine Apotheke in Remerschen eingerichtet, die Sporthalle ausgebaut, der Belag des Fußballplatzes erneuert, ein Bootsschuppen mit Schwimmsteg für die Ruderföderation errichtet, Kirchen und Kirchhöfe renoviert sowie diverse Weinbergswege erneuert.
Das Budget 2026 sieht ordentliche Einnahmen von rund 32 Millionen Euro und Ausgaben von etwa 24 Millionen Euro vor; im außerordentlichen Haushalt werden 14 Millionen Euro Einnahmen und 25 Millionen Euro Ausgaben veranschlagt. Nach Berücksichtigung des berichtigten Budgets 2025 ergibt sich für 2026 ein voraussichtlicher Überschuss von 1,6 Millionen Euro.
Bürgermeister Gloden betonte, dass die Gemeinde finanziell stabil und zukunftsorientiert aufgestellt sei, sodass sowohl laufende Investitionen als auch die Lebensqualität der Bürger nachhaltig gesichert werden können.
Oppositionsstimmen
Was die Mehrheit im Gemeinderat lobt, kritisiert die Opposition. Auch der unabhängige Oppositionspolitiker Tom Bellion tat das, allerdings eingeschränkt. Er lobte Fortschritte bei der Haushaltsplanung, bemängelte jedoch, dass Ratsmitglieder keine Bildschirme für Analysen nutzen durften, und bezeichnete dies als „digitale Maulkorbregelung“. Positiv wertete er die Reserven von rund 6,5 Millionen Euro und die nahezu schuldenfreie Gemeinde. Kritisch sah er die steigenden Personalkosten und bezeichnete die außerordentlichen Ausgaben als „Patchwork“ ohne klare Prioritäten. Den Schulcampus Baggerweier kommentierte er zurückhaltend: Für 2026 seien knapp acht Millionen Euro vorgesehen, die Gesamtkosten würden auf über 120 Millionen Euro geschätzt. Da der definitive Plan erst 2026 zur Abstimmung kommt, wolle sich Bellion bei den vier damit verbundenen Stellen der Stimme enthalten. Den übrigen Haushalt unterstütze er, „auch wenn die außerordentlichen Ausgaben nicht optimal strukturiert sind“.
Fehlende Nachhaltigkeit
Kritik auch von den drei Oppositionsräten von „Besser zesummen“. Wohl begrüße man, dass die Haushalte 2025 und 2026 wichtige Investitionen vorsehen, etwa in Klimapakt, Naturpakt, Mobilität, Sport, Spielplätze und Nahversorgung.
Bemängeln müsse man aber fehlende strategische Leitlinien und unzureichendes Projektmanagement, etwa beim Quai in Schengen. Große Projekte wie das Bistro in Schengen oder der Campingplatz Schwéidsbeng seien unklar geplant, ebenso die kulturelle Infrastruktur, bezahlbarer Wohnraum und die Sicherheit der Schulwege. Bürgerbeteiligung sei begrenzt, schlecht kommuniziert und unterfinanziert. Die hohe Abhängigkeit von Einnahmen aus Grundstücks- und Immobilienverkäufen sei langfristig nicht tragfähig.
Fazit: Die Haushalte seien zwar engagiert, blieben aber reaktiv und ohne übergeordnete, nachhaltige Vision. Aus diesen Gründen lehnte „Besser zesummen“ sowohl den Nachtragshaushalt 2025 als auch den Haushalt 2026 ab, kündigte aber an, weiterhin konstruktiv an einer besseren Zukunft für Schengen mitzuwirken.


An der Mosel wird ein Bootsschuppen mit Ponton für die Ruderföderation errichtet Grafik: Gemeinde Schengen