Nach fünf Jahren Renovierung
Fast wie neu: AEG-Lokomotive der Arbed steht wieder in Lallingen
Ein Transport der etwas anderen Art in Esch: Am Samstagmorgen kehrte die elektrische Lokomotive AEG Serie 620 an die place de l‘Exposition in Lallingen zurück. Sie wurde – gemeinsam mit dem Schlackenwagen „Humpen“ – fünf Jahre lang renoviert. Das Tageblatt war vor Ort.
Die elektrische Lokomotive, die ursprünglich in Düdelingen eingesetzt wurde, steht wieder in Lallingen auf der place de l‘Exposition Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Mit einem außergewöhnlichen Spezialtransport sind am Samstagmorgen die elektrische Lokomotive der AEG-Serie 620 sowie der dazugehörige Schlackenwagen, der sogenannte „Humpen“, an die place de l‘Exposition in Lallingen zurückgebracht worden. Der Transport der vollständig renovierten Industrieobjekte erfolgte vom ehemaligen „Parisotto“-Standorts in der rue de Belval und wurde vom auf Schwertransporte spezialisierten Unternehmen „Dick Frères“ durchgeführt.
Die Lok wurde mithilfe von zwei Kränen auf die richtige Position gebracht Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Mit rund einer Stunde Verspätung traf die Lokomotive gegen halb elf an der place de l’Exposition ein. Zuvor waren die Schienen auf einen Lastwagen verladen und abtransportiert worden, um sie anschließend passgenau unter die an Kränen hängende AEG 620 zu schieben. Der gesamte Ablauf dauerte gut zweieinhalb Stunden, immer wieder musste nachgemessen, angehoben und neu justiert werden. Präzise Handarbeit, die trotz eisiger Temperaturen zahlreiche Schaulustige anlockte.
Aufwendiger als gedacht
Fünf Jahre dauerten die Restaurierungsarbeiten an der Lokomotive und dem Schlackenwagen.
Für André Zwally (CSV), Schöffe für Industriekultur und Archive der Stadt Esch, ist die Rückkehr der beiden Objekte ein wichtiger Schritt zur Bewahrung des industriellen Erbes: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, diese Zeitzeugen zu erhalten. Diese Erbschaft ist für Esch von besonderer Bedeutung.“ Die beiden Maschinen ermöglichen Einblicke in eine Epoche, die die Stadt nachhaltig geprägt habe.
Familie Lucena-Kiefer wartete gespannt auf die Lokomotive – auch wenn die Begeisterung der Kinder eher den großen Lastwagen und Kränen galt Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Die Arbeiten waren deutlich aufwendiger als ursprünglich erwartet. Die elektrische Lokomotive, 1928 von AEG gebaut und in den ARBED-Werkstätten in Luxemburg-Eich zusammengesetzt, wurde nahezu vollständig zerlegt. „Am Ende war eigentlich nur noch das Chassis da“, erklärt Zwally. Zahlreiche Bauteile waren durch starken Rost so beschädigt, dass sie nicht mehr renoviert werden konnten. Eine ganze Reihe von Teilen musste deshalb durch neue ersetzt werden. „Wenn wir das schon machen, dann machen wir es richtig – damit wir für die nächsten 30 Jahre Ruhe haben.“
Die Schienen wurden passgenau unter die AEG geschoben Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Auch der Schlackenwagen wurde grundlegend erneuert. Zuvor hatte er mehrere Jahre beim ehemaligen Gaswerk in der Jean-Pierre-Michels-Straße gestanden, ehe er anschließend auf den Parkplatz beim Lallingener Friedhof an der Luxemburger Straße versetzt worden war. Im Zuge der Restaurierung wurde insbesondere das Grundgerüst verstärkt.
Wiedervereinigung nach fast 50 Jahren
Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf einen im Gemeinderat genehmigten Kostenvoranschlag von rund 1,2 Millionen Euro. Genaue Zahlen liegen laut Zwally noch nicht vor. Gerechnet wurde ursprünglich mit rund 170.000 Euro pro Jahr für Personal und Material. Allein die Personalkosten – fünf Mitarbeiter des Sozialunternehmens „ProActif“ – machten etwa 120.000 Euro jährlich aus. Die Arbeiten dauerten länger als geplant, da der Zustand der Maschinen schlechter war als zunächst angenommen, so Zwally.
Der „Krug“ des „Humpen“ wurde vor Ort auf den Schlackenwagen gesetzt Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Die AEG-Serie 620 war speziell für den Einsatz zwischen Hochofen und Schlackenkippe konzipiert, weshalb sie nun gemeinsam mit dem „Humpen“ präsentiert wird. „Die beiden gehörten immer zusammen, sie waren gewissermaßen miteinander verheiratet“, sagt Zwally. Ursprünglich war auch ein anderer Standort im Gespräch, doch ein Platz an einem ehemaligen Hochofen erwies sich als nicht umsetzbar. Zudem habe es in Lallingen einen klaren Wunsch aus der Bevölkerung gegeben, die Lokomotive wieder an diesen Ort zurückzuholen. „Die Lallinger wollten ihre Maschine unbedingt zurückhaben“, so der Schöffe.
Anders als früher ist die Lokomotive heute nicht mehr frei zugänglich. Die Türen wurden verschweißt, niemand darf rein. Plexiglasöffnungen sollen Einblicke ins Innere der Lok ermöglichen. Ohne die Restaurierung hätte Lokomotive und Schlackenwagen langfristig der Verfall geblüht: „Irgendwann wären sie zusammengebrochen oder verschrottet worden“, sagt Zwally. Sein Ziel sei es, diese Zeugnisse der Stahlindustrie dauerhaft zu erhalten – mit regelmäßiger Pflege und Wartung.
Wie ein altes Ehepaar können die Lok und der Schlackenwagen nun gemeinsam ihren Lebensabend verbringen Foto: Editpress/Sandra Lutz