Treffpunkt für Handarbeitsfans
„Expo Creativ“ legt Fokus auf DIY-Trends, Kreativität und Kunsthandwerk
Am Wochenende fand in der Luxexpo The Box die 12. „Expo Creativ“ statt. Über 100 Aussteller hatten sich wieder in den Hallen auf Kirchberg eingefunden, um bei der seit 2012 existierenden Kreativmesse die neuesten Trends des DIY („do it yourself“) zu präsentieren. Dass Kreativität dabei keine Grenzen kennt, bezeugten auch die zahlreichen Besucher.
Wie jedes Jahr herrschte bei der Expo Creativ reges Treiben, denn hier gibt es stets viel Inspiration für neue Projekte Foto: Laura Tomassini
„Einfach mal zu sich kommen und vom stressigen Alltag eine Auszeit nehmen, das ist für mich Kreativität.“ Mit ihren Worten resümierte Tanja wohl genau das, was viele der Anwesenden bei der Expo Creativ empfanden. Es wurde gestöbert, erkundigt, probiert, denn wie jedes Jahr war die Auswahl an verschiedenen DIY-Projekten und -Utensilien riesig – am besten man plante gleich mehrere Stunden ein, um sich alles in Ruhe anzusehen. Auch Tanja, Heike, Hannah und Lea-Marie genossen das Schlendern entlang der vielen Stände. Nicht zum ersten Mal waren sie extra aus Bitburg nach Kirchberg „gereist“, um hier nach neuen Ideen und Materialien zu suchen.
Heike, Hannah, Tanja und Lea-Marie (v.l.n.r.) lieben Kreativität als Ausgleich zum stressigen Alltag Foto: Laura Tomassini
„Man kann sich einfach mal inspirieren lassen und es gibt auch was für Grobmotoriker wie mich“, meinte Heike mit einem Lachen. Plotten, Nähen, Stempeln: Für jeden Geschmack war etwas dabei. Ob Lea-Marie auch etwas für ihr Nebengewerbe im Bereich 3D-Druck finden würde? Jedenfalls war sich die Vierergruppe einig: Kreativität ist angesagter denn je. „Ich denke, es wird wieder mehr Handarbeit gemacht und auch viele jüngere Leute fangen an zu nähen und stricken. Als wir jung waren, war das total verpönt, aber jetzt suchen sich wieder viele ein kreatives Hobby“, so Heike. Mal was mit den Händen kreieren, anstatt dauernd nur am Smartphone rumzutippen, das gefällt auch Tanja, die sich schon auf die Runde durch die Messehalle freute.
Für die Patchwork-Freundinnen von „Stoffwiessel“ sind Kreativmessen stets die Gelegenheit, neueste Maschinerie zu testen Foto: Laura Tomassini
Gemeinsam kreativ sein
Auch die Patchwork-Gruppe „Stoffwiessel“ aus Luxemburg ist jedes Jahr bei der Kreativmesse dabei. Ihr gemeinsames Hobby verschlägt die Nähbegeisterten sowohl zu Veranstaltungen im In- als auch im Ausland, denn hier findet man immer ein Mitbringsel fürs Atelier. Beim Stand von Ulrike Fastenau ließen sich die Damen die neueste Maschinerie für ihr Hobby erklären, denn dieses begleitet sie schon seit Jahren. Nicht mal die Covid-Pandemie konnte die rund 25 Patchworkerinnen davon abhalten, sich zu treffen: Ging es nicht in Präsenz, dann halt via Videocall, im Pandemie-Sommer dann zum „Bitznick“ im Wald. „Das machen wir auch heute noch. Dann bringt jeder seine Handarbeit mit und wir machen dazu noch ein Picknick“, erklärte ein Gruppenmitglied.

Anastasia und Mama Patricia genießen es, zu zweit zu malen, basteln oder, wie bei der Expo Creativ, Blumen aus Pfeifenputzern zu stecken Foto: Laura Tomassini
Auch Patricia und Anastasia genießen es, gemeinsam kreativ zu sein. Ihr Mutter-Tochter-Tag verschlug sie am Samstag zur Kreativmesse und prompt zum Blumen-Bastelworkshop, den Olga Sarna an ihrem Stand anbot. Aus bunten Pfeifenputzern steckten die beiden jeweils einen kleinen Blumentopf, der nun die falschen Pflanzen zu Hause ersetzen soll. „Anastasia schenkt mir immer Plastikblumen, da die echten bei mir nicht überleben. Die hier finden wir besonders schön, da wir sie selbst gebastelt haben. Das Wichtigste für mich ist dabei aber, dass wir Zeit zu zweit verbringen“, meinte Patricia. Sie liebe es, sich mit ihrer Tochter auszutauschen und gegenseitig beim Basteln zu helfen, deshalb war sie von der Expo Creativ sofort begeistert: „Wir sind zum ersten Mal hier, aber vielleicht kommen wir morgen sogar noch mal wieder, denn es gibt einfach zu viel zu entdecken.“

Olga Sarna erstellte in der Ukraine Flachreliefs für Restaurantwände und will in Luxemburg nun ebenfalls von ihrer Kunst leben Foto: Laura Tomassini
Mehr als „nur“ ein Hobby
Die Begeisterung freute auch Olga, die an ihrem Stand ebenfalls eigene Kreationen präsentierte. Aus kleinen Metalldosen oder Holzschachteln, zum Tragen oder als Deko: Alles, was Olga findet, verarbeitet sie zu etwas Neuem. „Ich liebe es, mit Materialien zu experimentieren. Kreativität ist mein Leben, ich bastele stets an irgendetwas und überlege, was man aus Dingen machen könnte.“ In ihrer Heimatstadt Kiew in der Ukraine erstellte die Künstlerin vor allem Flachreliefs an den Wänden von Restaurants. In Luxemburg sind ihre Werke zwar etwas kleiner, doch dafür nicht weniger kreativ. Etwas bedauerlich findet die Ukrainerin, dass man hier oft nach einfachen Dingen frage, die schnell gemacht sind: „Vor allem bei Kindern finde ich ist Kreativität doch etwas Magisches, zu sehen, was sie erstellen, denn so können sie zeigen, was sie im Inneren fühlen.“
Genau das zeigte auch Jakobine Wierz aus Trier an ihrem Stand. Zwar lebt die Kreative nicht von ihren Hüten und Kopfbedeckungen, diese sind für sie jedoch Ausdruck von etwas, das komplett einzigartig ist: „Alles ist handgemacht, auch viele meiner Materialien. Meine Kreationen sind auch sehr ausgefallen und nicht etwa industriell geprägt, sondern wirklich aus meiner Kreativität entwickelt.“ Kreativ zu sein, bedeute für die Künstlerin, andere Wege zu gehen und Mut zu haben. Ihre Leidenschaft wurde ihr dabei quasi in die Wiege gelegt, stammt sie doch aus einem wahren Hutmacher-Haushalt. „Deshalb ist es mir auch wichtig, dieses Handwerk, das ja vom Aussterben bedroht ist, am Leben zu erhalten“, so Jakobine. Denn egal aus welchem Grund es einen zur Kreativmesse zog, eines verbindet alle: die Begeisterung fürs Selbstkreieren, die Arbeit mit den eigenen Händen und alledem, was man dabei zum Ausdruck bringt und empfindet.