Schieren
Endlich hat der Ausbau der B7 begonnen – 33 Jahre nach ihrer Eröffnung
1993 herrschte großes Gedränge auf der B7. Mit Pauken und Trompeten wurde die Umgehungsstraße Colmar-Berg-Schieren-Ettelbrück eröffnet. Wegen der Sparpolitik der damaligen Regierung wurde die B7 nur dreispurig angelegt – statt vierspurig, wie eingangs geplant. Nach einem Dritteljahrhundert, unzähligen Unfällen und täglichen kilometerlangen Staus wird dieser gefährliche Straßenabschnitt nun endlich auf vier Spuren ausgebaut.
Die Umgehungsstraße Colmar-Berg-Schieren-Ettelbrück war vierspurig geplant, wurde aber Anfang der 1990er-Jahre wegen Sparmaßnahmen nur dreispurig gebaut Foto: Roger Infalt
Am Ende der Autobahn A7 in Richtung Norden lauern seit Jahrzehnten tagtäglich große Gefahren. Vor sechs Jahren sagte der damalige Bautenminister François Bausch, dass dieses Problem – man lese und staune – bereits seit 2010 bestens bekannt sei. „Was den seit Jahren diskutierten Ausbau des Abschnitts der Nordstraße zwischen Colmar-Berg und Ettelbrück auf jeweils zwei Fahrspuren in beide Richtungen anbelangt, so sind die Planungsarbeiten so weit fortgeschritten, dass das betreffende Gesetzesprojekt noch in diesem Jahr auf den Instanzenweg gebracht werden kann“, hieß es. Wie gesagt, das war 2020!
Anfang dieses Jahres schrieb das Tageblatt an dieser Stelle, dass laut Aussagen der Verantwortlichen der Straßenbauverwaltung noch in diesem Jahr etwas passieren soll. Man werde im Oktober mit dem Ausbau des besagten Streckenabschnitts beginnen. Dieses Mal waren es keine leeren Worte, denn dieser Tage begann man mit den Vorbereitungen für die Ausbauarbeiten vor Ort.
Zur Erinnerung
Die Entlastungsstraße rund um Ettelbrück (B7) ist Teil der Nordstraße, wird jedoch nicht als Autobahn geführt, sondern lediglich als Schnellstraße. Das hat seinen Grund: 1989 konnte das erste Teilstück der B7 zwischen Fridhaff und Ettelbrück eröffnet werden, 1993 schnitt man das Trikolorebändchen für die Umgehungsstraße Colmar-Berg-Schieren-Ettelbrück durch. Sie war ursprünglich vierspurig geplant, wurde aber nur dreispurig gebaut. Somit war es keine Autobahn, sondern eben nur eine Schnellstraße. Hierzu sei erwähnt, dass in dem Zeitraum, in dem diese Umgehungsstraße gebaut wurde, der Staat viel Geld zur Rettung bzw. Erhaltung der Stahlindustrie in Luxemburg benötigte.
Am 16. November 2001 erlebte die erwähnte Schnellstraße den Anschluss an die Autobahn A7, die dann bis nach Mersch führte. Und eben dieser Anschlusspunkt, wo die vierspurige Autobahn in die dreispurige Schnellstraße mündet, sorgt tagtäglich für kilometerlange Staus. Dazu gesellt sich dann noch der Rückstau an der Ausfahrt Ettelbrück. Dieses Nadelöhr schafft längst nicht mehr das hohe Verkehrsaufkommen.

In Schieren haben dieser Tage die Vorbereitungsarbeiten zum vierspurigen Ausbau des Viadukts begonnen Foto: Roger Infalt
Dieser Tage rückten die ersten Maschinen unter der bestehenden Brücke der B7 in Schieren an. Auf freigemachtem Gelände wurde tonnenschweres Material angeliefert und die Straße, die zur Baustelle führt, wird nun verbreitert. Der Startschuss zum Ausbau der B7 ist also gegeben. Die erste Phase sieht die Verbreiterung des erwähnten 386 Meter langen Viadukts in Schieren vor.
Diese Arbeiten sollen sich, so der Zeitplan der Straßenbauverwaltung, bis zum 27. November 2028 hinziehen. Es werde versucht, während der gesamten Bauzeit mindestens eine Fahrspur in beide Richtungen offen zu lassen. Da die Brücke nahe an Wohnvierteln liegt, werden beidseitig absorbierende Lärmschutzwände angebracht, die teils bis zu 3,60 Meter hoch sein werden.
2027 will man mit dem Bau von Rückhaltebecken beginnen, dies zum Ausgleich der neu versiegelten Flächen. Weiter vorgesehen sind archäologische Ausgrabungen, eine Vergrößerung der montée de Nommern, der Anschluss der Straßeninfrastruktur an den Viadukt usw. Im September 2031, so die heutigen Schätzungen, soll der Ausbau des Straßenabschnitts zwischen der Anschlussstelle A7-B7 und Ettelbrück fertiggestellt sein.

So soll der 386 Meter lange Viadukt nahe Schieren am Ende aussehen Grafik: Straßenbauverwaltung
Was die später zulässige Höchstgeschwindigkeit auf diesem Straßenabschnitt anbelangt, darüber wird noch spekuliert, denn die Staus an der Ausfahrt nach Ettelbrück, die durch die 1993 in Betrieb genommene „provisorische kleine Umgehung“ Ettelbrücks und den viel zu kleinen Verteilerkreis am Stadteingang hervorgerufen werden, werden wohl weiterhin tagtäglich für Gefahr sorgen. Doch auch dieses Problem ist seit mehr als 30 Jahren bekannt. „En ce qui concerne la charge du trafic actuelle de cette route, la limite de capacité pour le giratoire près de l‘Alzette est déjà largement dépassée pendant les heures de pointe.“
Diese Aussagen eines Verantwortlichen der Straßenbauverwaltung stammen aus dem Jahr 1995!