Schifflingen

Endlich eine Zukunft: Bestgen-Mühle soll sozialpädagogisches Zentrum aufnehmen

Bildungsministerium und Gemeinde sichern die Zukunft der Bestgen-Mühle ab. Nach umfangreichen Umbau- und Instandsetzungsarbeiten wird das „Centre socio-éducatif“ von „Telos Education“ in das rund 220 Jahre alte Gebäude in Schifflingen einziehen. In vier Jahren dürfte es so weit sein. Kostenpunkt: 10,5 Millionen Euro.

So soll die Bestgen-Mühle in einigen Jahren aussehen. Rund 10,5 Millionen Euro dürfte die Instandsetzung heutigen Berechnungen zufolge kosten. Das angegliederte Café-Restaurant bleibt erhalten.

So soll die Bestgen-Mühle in einigen Jahren aussehen. Rund 10,5 Millionen Euro dürfte die Instandsetzung heutigen Berechnungen zufolge kosten. Das angegliederte Café-Restaurant bleibt erhalten. Foto: weisgerber-architecte-sa

„Endlich Licht am Horizont“, so schrieben wir vor rund 10 Monaten über die Zukunft der Bestgen-Mühle in Schifflingen. Am Donnerstag wurde es noch heller. Da hieß es, dass der Gemeinderat der Südkommune heute einem Projekt zustimmen dürfte, welches das Bestehen des gut 220 Jahre alten Gebäudes definitiv absichere.

Ein „Centre socio-éducatif“ von „Telos Education“ soll in der Mühle unterkommen. Es wird eine Tagesstruktur für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, welche aufgrund diverser Schwierigkeiten ein alternatives Schulangebot brauchen.

Die Bestgen-Mühle vor wenigen Monaten bei schönstem Wetter
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Die Bestgen-Mühle vor wenigen Monaten bei schönstem Wetter
Die Mühle in früheren Zeiten. Auf dem nicht datierten Bild lag der Eingang noch ...
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Die Mühle in früheren Zeiten. Auf dem nicht datierten Bild lag der Eingang noch nicht zur heutigen Straße hin, dort floss damals nämlich noch die Alzette.
Ein Teil der alten Getreidemühle. Die Anlage erstreckt sich über mehrere Stockwe...
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Ein Teil der alten Getreidemühle. Die Anlage erstreckt sich über mehrere Stockwerke und soll in Zukunft durch eine Glaswand geschützt werden.
Architekt Louis Weisgerber erklärt, wo die Bestgen-Mühle hinsteuert in den komme...
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Architekt Louis Weisgerber erklärt, wo die Bestgen-Mühle hinsteuert in den kommenden Jahren: Eigentlich seien alle Vorbereitungsmaßnahmen erledigt. Überraschungen dürfte es deshalb kaum mehr geben, heißt es.
Schachclub Schifflingen: Ende nächsten Jahres muss er raus und sich eine neue Bl...
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Schachclub Schifflingen: Ende nächsten Jahres muss er raus und sich eine neue Bleibe suchen
Seit 2013 eigentlich unbenutzt: die sanitären Anlagen in den oberen Stockwerken ...
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Seit 2013 eigentlich unbenutzt: die sanitären Anlagen in den oberen Stockwerken deer Mühle
Hier muss vieles verändert und an neue Herausforderungen angepasst werden
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Hier muss vieles verändert und an neue Herausforderungen angepasst werden
Oberster Teil des Mühlwerks. Als national geschütztes Denkmal darf es nicht entf...
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Oberster Teil des Mühlwerks. Als national geschütztes Denkmal darf es nicht entfernt werden.

Geschichte der Mühle

1803 wird die Mühle gebaut, zumindest ist das die Jahreszahl, die im Türstein eingemeißelt ist. Erster Mühlenbesitzer, laut Kataster von 1824, ist Nicolas Olinger, ein Landwirt aus Lallingen. Später folgen ihm sein Sohn Jakob und dessen Frau Marie Eleringer. Damals heißt die Mühle noch Schifflinger Mühle. Von verschiedenen wird sie auch „Frantzen-Millen“ genannt. Damals hatte die Alzette einen anderen Verlauf, und zwar floss sie genau unter der Mühle hindurch. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Das alte Flussbett ist zugeschüttet.

In einem Informationsblatt der Schifflinger Gemeinde wird darauf hingewiesen, dass zwischen 1892 und 1905 umfangreiche Modernisierungsarbeiten durchgeführt werden. Auslöser ist höchstwahrscheinlich ein Brand. Turbinen ersetzen die Wasserräder.

Nach der Heirat der Müllerstochter Elisabeth Cäcilia Müller mit Nicolas Emile Bestgen 1899, taucht der Name „Bestgen-Mühle“ auf. 1930 wird der Mahlbetrieb eingestellt.

Nach einer kurzen Wiederinbetriebnahme während des Zweiten Weltkriegs kommt 1947 das endgültige Aus für den Mahlbetrieb. Die Mühle dient fortan als Lager für Futtermittel und chemischen Dünger.

1985, nach dem Tod von Arwin Bestgen, überlassen die Erben dem Staat das alte Mühlengebäude.

Ab 1988 wird es zunächst von der Vereinigung „Action locale pour jeunes“ und anschließend bis zum Jahr 2013 vom „Objectif plein emploi“ (OPE) genutzt.

Seit Februar 2018 ist die Mühle ein historisch geschütztes Gebäude.

Bevor das vom Bildungsministerium unterstützte Projekt starten kann, muss die Mühle allerdings erst vollumfänglich umgebaut und instandgesetzt werden. Viele Vorarbeiten seien bereits abgeschlossen, sodass es kaum größere Überraschungen geben könne. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die Arbeiten in rund einem Jahr beginnen und dann drei Jahre später, also Ende 2026, abgeschlossen sein könnten. Kostenpunkt: rund 10,5 Millionen Euro. Die Gemeinde übernimmt die Vorfinanzierung, ein Großteil erstattet der Staat zurück.

Unter anderem werden zwei Anbauten aus jüngerer Zeit entfernt und durch neue Strukturen ersetzt. Es kommt zu einer Neueinteilung der Nutzfläche, die Küche wird vergrößert und das alte Mühlwerk, das eigentlich intakt erhalten ist, wird durch Glasscheiben geschützt.

Alles in allem gehe es darum, das altehrwürdige Gebäude mit seinen historischen Elementen zu erhalten, es den heutigen Anforderungen von Sicherheit und Komfort anzupassen und es so fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen, so der zuständige Architekt Louis Weisgerber.

Man habe viele Möglichkeiten ausgelotet, viele kleine Schritte unternommen, um das national geschützte Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern mit Leben zu füllen. Das jetzige Projekt dürfte im Interesse aller liegen, so Bürgermeister Paul Weimerskirch: „Was lange währt, wird endlich gut.“

Der Schifflinger Schachclub im Erdgeschoss wird sich im nächsten Herbst allerdings ein neues Lokal suchen müssen. Das Café-Restaurant „El Molino“ mit seiner Chefin Julia wird an seinem Standort bleiben, muss aber während des Transformationsprozesses schließen, auch weil es selbst renoviert und küchentechnisch auf Vordermann gebracht werden muss. 

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