Literatur
Elise Schmits Erzählkunst: Von der Lakonie der Schicksalhaftigkeit
Sprachlich und stilistisch überzeugt das neue Buch von Elise Schmit durchweg, und auch, was den Inhalt der neun Geschichten in „Allgemeine Zweifel am weiteren Verlauf“ betrifft, findet die luxemburgische Autorin eine Balance, die der Thematik entspricht. Es sind einige „Stories“, die dem Rezensenten letztlich in Erinnerung bleiben.
Elise Schmit Foto: Véronique Kolber
Was bleibt? Die Frage, um die es mir geht, ist die, was einem nach dem Lesen eines Buches in Erinnerung bleibt. Sind es die einzelnen Figuren oder Passagen eines Romans, die „unerhörte Begebenheit“ einer Novelle, die unerwartete Wendung in einer Kurzgeschichte, der besonders schöne oder markante Vers eines Gedichts? Was bleibt uns von Literatur in Erinnerung?
Sicherlich sind es einzelne Protagonisten, die uns in Erinnerung bleiben. Literarische Figuren wie Raskolnikow, Fürst Myschkin oder Stawrogin, Effi Briest oder Emma Bovary, Gregor Samsa oder Franz Biberkopf, aber auch einzelne Geschichten wie „Das verräterische Herz“ von Edgar Allan Poe, „Das besetzte Haus“ von Julio Cortázar oder „Das Aleph“ von Jorge Luis Borges. Oder jene Figur des Predigers Jones in „Liebe“ von Joy Williams aus dem Jahr 1982. Die US-Schriftstellerin zeichnet sich durch ihren lakonischen und zugleich melancholischen Ton aus.