Tetingen

Ein Raum voller Geschichten – Ein Rundgang über den „Geek-Floumaart“ in der „Schungfabrik“

Zwischen Nostalgie, Nischenwissen und neuen politischen Haltungen: In der „Schungfabrik“ in Tetingen zeigt der „Geek-Floumaart“ der „Science Fiction & Fantasy Society Luxembourg“, wie vielfältig Sammelleidenschaft heute ist. Zwischen Kartons voller Erinnerungen, streng bewerteten Pokémon-Karten und popkulturellen Ikonen erzählen die Verkäufer Geschichten, die weit über den Wert ihrer Objekte hinausgehen.

Tische voller Retro-Konsolen, Sammelfiguren und Karten im Geek Floumaart der Schungfabrik, Ort für nachhaltiges Weitergeben

Tische voller Konsolen, Figuren und Karten in der „Schungfabrik“: Der „Geek Floumaart“ als Ort des Weiterreichens, nicht des Wegwerfens Foto: Carole Theisen

Schon beim ersten Umsehen fällt auf, dass hier nicht einfach Dinge verkauft werden. Es sind Fragmente von Biografien. „Ich bin jetzt das dritte Mal hier“, sagt Rafael Kauffmann vom Verein videogames.lu, während er eine GameCube-Konsole hochhält, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Doch für ihn steckt darin ein Sommer seiner Kindheit: „Ich habe damals den ganzen Sommer über ,Golden Sun‘ auf dem Game Boy Advance gespielt. Und genau das verbinde ich mit diesem Gerät.“

Rafael Kauffmann hält Nintendo GameCube mit angeschlossenem Game-Boy-Player, Retro-Gaming Technik aus den frühen 2000ern

Rafael Kauffmann mit einer GameCube samt Game-Boy-Player: Technik aus den frühen 2000ern Foto: Carole Theisen

Besonders stolz ist er auf ein Set-up, das er mit seinem Club aufgebaut hat: „Wir hatten vier GameCubes miteinander verbunden, alle mit Game-Boy-Playern, und auf fünf Bildschirmen gleichzeitig gespielt. Das war unglaublich.“

Warum er wiederkommt? „Ich kenne hier die Hälfte der Leute sowieso, und man lernt immer neue kennen. Man sieht, was andere gerade sammeln oder spielen. Der soziale Aspekt ist super.“

Sammeln als Haltung

Direkt gegenüber trennt sich Tami Sondag von einer ganzen Welt. Harry-Potter-Merchandise, sorgfältig arrangiert, aber innerlich bereits verabschiedet. „Ich kann das nicht mehr mit mir vereinbaren“, sagt sie. Die Autorin J. K. Rowling vertrete offen transfeindliche Positionen und setze ihr Vermögen aktiv gegen die Rechte von Transmenschen ein. „Deshalb spende ich jeden Euro, den ich hier einnehme, an Rosa Lëtzebuerg. Für mich ist das die einzige richtige Nutzung dieser Sachen.“

Ben Baulers Duke Nukem Forever Balls of Steel Sammleredition mit besonderem Design und langer Entwicklungszeit

Ben Baulers „Balls of Steel Edition“ von Duke Nukem Forever: Sammleredition eines Spiels mit ungewöhnlich langer Entwicklungsgeschichte Foto: Carole Theisen

Neben ihr erzählt ihr Partner Ben Bauler von einer Legende, die fast zu lange existierte, um wahr zu sein: „Duke Nukem Forever“. „Das Spiel war 20 Jahre in Entwicklung. Es hieß schon, es würde nie erscheinen.“ Als es dann endlich kam, blieb die Begeisterung überschaubar. „Nicht gut, nicht schlecht – einfach nicht das, was alle erwartet hatten.“ Und doch steht hier die „Balls of Steel Edition“: mit Büste, Casinochips, Würfeln, Comic, Postkarten. „Heute kaufen die Leute das nicht wegen des Spiels“, sagt Bauler. „Sondern weil es selten ist. Ein Sammlerstück mit Charaktermacken.“

Charakter zeigt auch ein unscheinbarer Comic, in dem plötzlich Luxemburg auftaucht. Eine Ausgabe von Mickey Mouse, erschienen im letzten Sommer. „Luxemburg und Trier werden erwähnt“, erklärt Bauler. „Die Auflage war schnell weg, wird nicht nachgedruckt.“ Er fand zwei Exemplare zufällig. Eines behält er, eines liegt hier.

Wenn Figuren zu Vaterrollen werden

Kim Conter braucht kein Zufallsfundstück. Er weiß genau, wofür sein Herz schlägt: die Transformers. Er betreibt sogar einen eigenen Discord-Channel dazu. Auf seinem Tisch steht eine Optimus-Prime-Figur aus den 80ern. „Gesprochen wird er in den Filmen von Peter Cullen“, sagt er, „einer absoluten Legende im Voice Acting.“

Optimus Prime Transformers-Figur von Kim Conter in transformierbarer Ausstellungsvariante, ikonische Kultfigur

Optimus Prime: Kultfigur aus der Transformers-Reihe, ausgestellt in transformierbarer Version von Kim Conter Foto: Carole Theisen

Optimus Prime sei mehr als eine Figur. „Er ist eine Vaterfigur. Fans schauen zu ihm auf.“ Das Modell lässt sich – fast spielerisch – transformieren: mit ein paar Handgriffen vom Lastwagen zum weltbekannten Roboter. „In den Achtzigern war das noch einfacher“, sagt Conter lächelnd. Vielleicht liegt genau darin der Reiz.

Für ihn ist Sammeln längst ein soziales Projekt. „Solche Events gibt es hier im Land nicht viele“, sagt er. „Und ich sammle viel. Da ist das hier eine perfekte Gelegenheit, etwas abzugeben – oder etwas Neues zu finden.“

Der Wert einer Nummer

Geek Floumaart in der Schungfabrik Tetingen – Veranstaltung für Geek-Kultur und Sammler, Foto von Carole Theisen

Zwei Pokémon-Promokarten hinter Glas: Bewertete Sammlerstücke mit Höchstnote von Mate Horvath Foto: Carole Theisen

Nur ein paar Schritte weiter präsentiert Mate Horvath zwei Pokémon-Karten, hinter Glas geschützt. Mew und Mewtwo, beide frisch „gegradet“. „Ich habe die Karten in den USA bewerten lassen“, erklärt er. Die Skala reicht von eins bis zehn – und entscheidet über den Wert. „Eine Zehn bedeutet: perfekt gedruckt, perfekt geschnitten, absolut makellos.“ Seine beiden Karten gehören zusammen, Promokarten Nummer 52 und 53.

Mate sammelt seit seiner Kindheit. „Irgendwann habe ich alle meine Karten verkauft. 2016 habe ich wieder angefangen – und plötzlich hatte ich mehr als früher.“ Heute ist er zum dritten Mal beim Geek-Flohmaart. „Ich finde solche Events großartig. Davon gibt es hier viel zu wenige.“

Das Haus wächst halt nicht mit

Saint Seiya Figuren aus den 1980er-Jahren, ikonische Anime-Helden der Chevaliers du Zodiaque Sammlung

Figuren aus Saint Seiya (Chevaliers du Zodiaque): Nathalies Anime-Ikonen der 1980er-Jahre Foto: Carole Theisen

Nathalie steht hinter ihrer imposanten Sammlung von Figuren, einige davon aus der Manga-Serie „Saint Seiya“. Für sie begann alles im französischen Fernsehen der 80er: „Das lief damals beim Club Dorothée. So hat alles angefangen.“ Anime, dann Manga, später Figuren. Eine Sammlung, die über Jahrzehnte gewachsen ist – und jetzt zum Teil weichen muss. „Ich brauche Platz. Und ehrlich gesagt auch Geld. Mein Auto ist fast so alt wie ich und muss repariert werden.“

Sie lacht, aber der Abschied fällt ihr trotzdem schwer. „Mein Haus wächst nicht mit meiner Sammlung mit. Irgendwann wird es einfach zu viel.“

Ein Raum voller Geschichten – Ein Rundgang über den „Geek-Floumaart“ in der „Schungfabrik“
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© Foto: Carole Theisen

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