Der Politflüsterer
Ego-Tsunami
Kartheiser, Trump, Putin, Ludwig XIV. und Mischo sind die Protagonisten in des Politflüsterers Wochenbericht. Geehrt wird eine „Grande Dame“ der DP.
US-Präsident Trump greift nach der Krone Foto: Robert Spirinelli
Donald Trump wähnt sich als König. „I alone can fix it“, hat er gesagt, offenbar eine Lektion aus einem Buch über Ludwig XIV., den Sonnenkönig. Ihm wird der legendäre Satz „L’Etat, c’est moi“ zugeschrieben. Genau so verhält sich Trump. Damals, beim Lesen, wirkte der Spruch wohl wie ein Wahlslogan. Heute schickt Trump in seiner Selbstherrlichkeit Militär gegen die eigene Bevölkerung, attackiert Justiz und Presse frontal. Ein Ego-Tusami in Reinkultur.
So etwas gefällt vielleicht auch ADR-Kartheiser. Im Spiel „Du musst dich entscheiden – zwei Diktatoren sind frei“ hat der autoritätsliebende Luxemburger Politiker nun aber offenbar genug von MAGA. Geläutert? Eher nicht. Der Europaabgeordnete und Ex-Diplomat entscheidet sich für Putin und dessen Allmachtsfantasien einer Wiederauferstehung des Zarenreiches.
Die sehr, sehr rechten Populisten dieser Welt wirken zunehmend wie im Thron-Fieber, denkt der Politflüsterer. In Frankreich zum Beispiel Jordan Bardella, Präsident des Rassemblement national, der sich gern als Stimme des „einfachen Volkes“ verkauft. Jüngst gesichtet mit Maria-Carolina, einer jungen Italienerin, Erbin alter dynastischer Titel, Anspruch auf einen längst verschwundenen italienischen Thron inklusive. Der Mann, der die Elite bekämpft, sucht nun königliche Energie. Populismus trifft Märchenbuch. Aber macht er das nicht immer?
Diese Rechten sind stets für eine Überraschung gut. Ein Mann der Überraschungen ist auch der Neo-CSV-Abgeordnete Georges Mischo. Wenn nicht gerade die Pferde mit ihm durchgehen, zeigt er sich von sehr väterlicher Seite: „Ich habe mit Christian Weis einen sehr guten Bürgermeister in Esch“, sagte er vergangenen Montag im 100,7-Interview bei Maurice Molitor. Das lässt tief blicken. Nicht gesagt, aber vielleicht gedacht hat er ja, mit Martine Hansen eine sehr gute Sportministerin und mit Marc Spautz einen sehr guten Arbeitsminister zu haben. Da wird der Politflüsterer schon ein wenig neidisch ob so viel blaublütigem Selbstvertrauen.
Dabei wäre Demut die Kardinal-Tugend eines Politikers. Eine, die das zeit ihres Lebens verkörpert hat, ist Colette Flesch. Eine wirklich sehr kluge Frau, die diese Woche im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Kollege JEM erzählt, dass Colette Flesch als DP-Hauptstadtbürgermeisterin bei Budgetdiskussionen stets einen „Geldschësser“ aus Schokolade an die Anwesenden verteilte. Eine süße und subtile Aufforderung: Lasst uns bescheiden bleiben! (Marco Goetz)