„Disney-Qualität“ für die Hauptstadt
Schwere Arbeit am Morgen: 15-Meter-Tanne auf der Place d’Armes in Luxemburg aufgestellt
Ein 35 Jahre alter Tannenbaum ist am frühen Samstagmorgen ins Herz der Hauptstadt eingezogen. Hinter dem festlichen Wahrzeichen der Winterlights steckt ein präzise getakteter Kraftakt.
Kurz vor sechs Uhr erreicht der rund drei bis vier Tonnen schwere Weihnachtsbaum das Zentrum der Hauptstadt. Foto: Carole Theisen
„Der kommt direkt aus dem Land des Weihnachtsmanns“, scherzt einer der Lieferanten, als der riesige Lastwagen kurz vor sechs Uhr auf die Place d’Armes rollt. Tatsächlich hat der Baum eine deutlich kürzere Reise hinter sich: Er stammt aus der Gegend um Bonn.
Zwischen den Überresten der Freitagnacht – zerdrückten Ketchup-Tütchen und zum Teil verdauten Essensresten – beginnt rund ein Dutzend Arbeiter mit dem Aufbau. Ketten werden befestigt, letzte Absprachen getroffen. Dann setzt sich der per Fernsteuerung bediente Kran in Bewegung. Zentimeter für Zentimeter hebt er die noch waagerecht liegende Tanne an.
Ein gutes Dutzend Arbeiter ist an der Installation der 35 Jahre alten Tanne beteiligt. Foto: Carole Theisen
Der Baum ist knapp 15 Meter hoch, rund 35 Jahre alt und wiegt schätzungsweise drei bis vier Tonnen. Gefällt wurde er erst am späten Freitagnachmittag. „Er ist also wirklich noch ganz frisch“, sagt Christian Joly vom städtischen Service Parcs.
Zentimeterarbeit mit dem Schwerlastkran
Sobald die Tanne senkrecht über der vorbereiteten Halterung schwebt, wird ihr Stamm gekürzt und mit einer Motorsäge passgenau zugeschnitten. Dann folgt der entscheidende Moment: Die Schnüre, die den Baum für den Transport eng zusammenhalten, werden einzeln durchtrennt. Langsam entfalten sich die Äste.

Fest verschnürt passt die aus der Gegend um Bonn stammende Tanne auf den Lastwagen. Foto: Carole Theisen
„Das nennen sie Disney-Qualität“, erklärt Joly. Gemeint ist die klassische, nahezu perfekte Silhouette: dicht gewachsen, breit und gleichmäßig konisch. Genau diese Form habe bei der Auswahl den Ausschlag gegeben. Die Stadt erhielt mehrere Fotos und entschied sich anschließend für dieses Exemplar.
Auch Damien Mathieu von MS Green Service in Windhof spricht von einem Baum, der vor allem wegen „seiner Qualität, seiner Form und seiner Spannweite“ ausgewählt worden sei. Frei stehende Tannen könnten sich stärker in die Breite entwickeln als Bäume aus dicht angelegten Kulturen. Doch nicht nur Standort und Pflege seien entscheidend: „Auch die Genetik spielt eine Rolle. Hinter einem solchen Baum steckt eine ganze Wissenschaft.“
Große Bäume, großer logistischer Aufwand
Für die Stadt war der diesjährige Ablauf ein Testlauf. Acht große Tannen wurden über das Unternehmen organisiert. Der Grund ist vor allem logistischer Natur. Ein Baum mit sechs, sieben oder acht Metern Spannweite lässt sich kaum auf normale Transportmaße reduzieren. Sondertransporte bedeuten Genehmigungen, zusätzliche Fahrzeuge und teilweise Polizeibegleitung. Das neue Verfahren löst das Problem: Die Äste werden von der spezialisierten Firma mit Schnüren dicht an den Stamm gebunden, sodass der Baum kaum breiter als der Lastwagen ist.

Das Team des hauptstädtischen Service des Parcs. Foto: Carole Theisen
„Für uns ist das eine enorme operative Erleichterung“, sagt Joly. Einige E-Mails, Telefonate und die Auswahl der Bäume hätten genügt. „Dann läuft es – und wir müssen nicht noch acht Genehmigungen beantragen.“
Zugleich werde es in Luxemburg zunehmend schwieriger, geeignete große Tannen zu finden. Nur wenige Privatgrundstücke böten noch genügend Platz, um einen derart ausladenden Baum jahrzehntelang wachsen zu lassen. Manchmal sei sogar ein Schwerlastkran nötig, um ein Exemplar hinter einem Haus hervorzuheben.

Der riesige Kran wird durch diese "kleine" Fernbedienung gesteuert. Foto: Carole Theisen
Nach gut einer Stunde steht die Tanne sicher vor dem Cercle Cité. „Heute hat alles sehr gut funktioniert“, bilanziert Mathieu. Logistik, Absperrung und Aufbau seien sauber koordiniert gewesen: „Keine Zwischenfälle – genau so soll es sein.“
Während die letzten Reste zusammengekehrt werden, wartet auf die Mannschaft nur noch ein Programmpunkt: der wohlverdiente Kaffee. Für den Baum dagegen beginnt die Arbeit erst. In den kommenden Wochen wird er zum leuchtenden Mittelpunkt der Winterlights.

Noch ohne Schmuck, aber bereits eindrucksvoll: Die Riesentanne prägt in den kommenden Wochen die Place d’Armes. Foto: Carole Theisen