Jugendpolitik
Die zwei neuen Jugenddelegierten bei den Vereinten Nationen
Seit fast genau zwei Monaten sind sie im Amt. Georg Poensgen (20) coacht als „Senior“ seine Kollegin Sara Gabrielli (28). Er hat schon eine Amtszeit als UN-Jugenddelegierter für Luxemburg hinter sich, sie absolviert ihre erste. Ein Gespräch mit den beiden über das, was sie vorhaben.
In diesem Gebäude in New York ist der Sitz der Vereinten Nationen, wo Georg und Sara im Oktober hinreisen werden Foto: AFP
Tageblatt: Ihr seid beide ziemlich international unterwegs. Du, Georg, bist in Montreal für Politik- und Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben. Sara, du studierst an der London School of Economics. Hat Euch das die Bewerbung auf das UN-Mandat erleichtert?
Georg Poensgen: Es kann helfen, wenn man internationale Erfahrung hat. Andererseits haben gerade wir Luxemburger eine starke Affinität für Interkulturalität. Wir leben im Herzen Europas, haben eine europäische Hauptstadt und europäische Institutionen. Europa, internationale Angelegenheiten und Diplomatie gehören zur DNA unseres Landes.
Georg Poensgen (20) ist der Senior der beiden UN-Jugenddelegierten und studiert in Kanada Foto: privat
Sara Gabrielli: Erfahrungen auf Reisen helfen schon, aber es ist kein Muss. Unterwegs in anderen Ländern trifft man ja auf Menschen mit verschiedenem Background. Außerdem wachsen wir hier alle mehrsprachig auf.
Georg, wie bewegt man sich unter lauter wichtigen Leuten bei der UN?
Man fährt gut damit, sich bewusst zu machen, dass „wichtige“ Leute auch nur Menschen sind. Augenhöhe suchen, ist das Zweite.
Du bist Mentor und Coach von Sara, weil du schon eine Amtszeit als Jugenddelegierter hinter dir hast. Was rätst Du Sara?
Am Anfang meines Mandats hatte ich oft den Eindruck, ich muss die Welt alleine retten. Das erzeugt einen ungeheuren Druck. Deshalb lauten meine Ratschläge an Sara: Du bist nicht alleine. Und hol dir Hilfe und suche Verbündete, wenn du etwas auf die Bühne bringen willst.
Sara Gabrielli (28) ist der Junior der beiden UN-Jugenddelegierten und studiert in London Foto: privat
Sara, was werden Deine Schwerpunkte als Jugenddelegierte für Luxemburg sein?
Meine allererste Priorität ist es, dem Programm, an dem ich teilnehme, mehr Visibilität zu geben. Wohnungsnot, mentale Gesundheit und bessere Bedingungen für Migranten hierzulande sind meine persönlichen Schwerpunkte.
Was steht als Nächstes an?
Sara: Wir sind gerade dabei, das Kick-off-Event unserer Amtszeit zu organisieren. Dabei werden wir den Kontakt zu Jugendlichen suchen und anschließend in der gleichen Mission durchs Land touren. Wir wollen einen Eindruck davon bekommen, was junge Menschen hierzulande bewegt. Die Ergebnisse nehmen wir dann mit nach New York.
Georg: Uns ist es wichtig, die Diversität der jungen Menschen im Land kennenzulernen und das eben nicht nur in der Hauptstadt.
Wann geht ihr denn nach New York?
Sara: Im Oktober 2026 zur Generalversammlung. Wir werden mindestens eine Woche dort sein.
Georg: Wir sprechen dann vor der dritten Kommission der Generalversammlung. Sie ist zuständig für soziale, humanitäre und kulturelle Angelegenheiten.
Die Sitzplätze der Ländervertreter im Plenarsaal der UN bei der Generalvollversammlung Foto: Wiebke Trapp
An wen berichtet ein Jugenddelegierter?
Georg: Wir sind in allererster Linie der Jugend hierzulande Rechenschaft schuldig. Wir werden ein „Cloture-Event“ gegen Ende unserer Amtszeit kreieren und unsere Erkenntnisse und Erfahrungen teilen. Und wir berichten an den Jugendrat.
Was war Dein persönliches Fazit nach Deinem ersten Mandat? Du warst gerade erst 18 …
Ich konnte hinter die Kulissen einer großen internationalen Organisation schauen. Und es hat sich gut angefühlt, sich für die Belange Gleichaltriger einzusetzen. Ein Ergebnis ist „Global Youth Call Action on Mental Health“, das ich nach dem Ende meines ersten Mandats gegründet habe.
Die „Non-Violence Knotted Gun“ ist ein Geschenk Luxemburgs an die UN und steht vor dem Gebäude in New York Foto: Wiebke Trapp
Sara, hast du als „Anfängerin“ auf UN-Ebene nicht Angst, zwischen so vielen internationalen Politprofis unterzugehen?
Es hat eher etwas Surreales. Ich werde hautnah Menschen sehen, die in Sachen Menschenrechte viel erreicht haben.
Georg, was war deine wichtigste Begegnung in New York?
Auf jeden Fall das Treffen mit Malala Yousafzai (pakistanische Frauen- und Kinderrechtsaktivistin und Trägerin des Friedensnobelpreises, Anm. d. Red.)
Sara: Wen würdest du gerne kennenlernen?
Ganz klar, António Guterres.
Wer von Euch ist der Kopf-, wer der Bauchmensch?
Georg: Wir ergänzen uns sehr schön. Ich bin ein Träumer, mit einer Prise Realismus.
Sara: Ich bin Realistin, mit einer Prise Träumerei.
Das Programm
Das Programm für die jungen Erwachsenen wird vom Außen- und Bildungsministerium, dem „Service national de la jeunesse“ (SNJ), dem „Zentrum fir politesch Bildung“ (ZpB), der „Association luxembourgeoise pour les Nations Unies“ (ALNU) und dem „Jugendrot“ unterstützt. Der Jugendrat hat eine koordinierende Funktion. Seit diesem Jahr gibt es das Junior-Senior-Prinzip, das für die Jugenddelegierten aus Deutschland und Österreich schon länger gilt. Finanziert wird das Programm vom Außen- und Bildungsministerium. Georg Poensgen war bereits 2024 der UN-Jugenddelegierte Luxemburgs. Sara Gabrielli war von 2020-2021 Vizepräsidentin des Jugendparlaments und hat in der Vergangenheit Luxemburg als Jugenddelegierte bei der Europäischen Union sowie der parlamentarischen Versammlung der Frankofonie vertreten. Die Amtszeit der beiden endet am 14. Februar 2027.