Wetterkolumne
Die meteorologische Norm zur Messung der Temperatur
Vielleicht haben Sie sich schon mal gefragt, ob die Temperaturen, die auf Apothekenschildern, in Ihrem Auto oder auf dem Balkonthermometer angezeigt werden, wirklich stimmen. Die Frage ist berechtigt, denn hinter der Temperaturmessung steckt mehr, als man denkt.
In 2 m Höhe wird gemessen, mit Strahlungsschutz und guter Durchlüftung Foto: Météo Boulaide, Montage: Tageblatt
Temperaturen sind in diesem Jahr ein heißes Thema – besonders wegen der subjektiven Debatte, ob der Sommer 2024 ein Reinfall war oder nicht. Doch was bedeutet eigentlich „sommerlich“? Wenn die Temperatur mindestens 25,0°C erreicht, ist von einem meteorologischen Sommertag die Rede. Ab 30,0°C spricht man von einem Hochsommertag. Diese Definitionen basieren auf genauen meteorologischen Messungen, die weit von subjektiven Empfindungen entfernt sind. Doch wie misst man die Temperatur richtig und wie verlässlich sind die angezeigten Werte?
Die World Meteorological Organization (WMO) hat weltweit Normen für die Temperaturmessung festgelegt. Diese Normen stellen sicher, dass Temperaturwerte von Wetterstationen weltweit vergleichbar sind. Ohne einheitliche Standards könnten Daten nicht sinnvoll verglichen oder für Wetterprognosen verwendet werden. Doch wie misst man Temperaturen richtig?
In der professionellen Meteorologie wird die Temperatur meist in sogenannten „Wetterhütten“ oder mithilfe eines Strahlungsschutzes gemessen. Eine Wetterhütte ist eine weiße Holzkonstruktion mit Lamellen, die eine gleichmäßige Luftzirkulation ermöglicht und den Sensor vor direkter Sonneneinstrahlung schützt. Ein Strahlungsschutz erfüllt denselben Zweck, ist aber kleiner und oft mit einem Ventilator ausgestattet, um eine ständige Belüftung zu gewährleisten. Wichtig ist, dass die Temperatur niemals in direkter Sonneneinstrahlung gemessen wird – solche Werte sind unzuverlässig.
Auch der Standort der Sensoren spielt eine entscheidende Rolle. Laut WMO-Normen muss die Temperatur in einer Höhe von zwei Metern über dem Boden gemessen werden, weit entfernt von störenden Quellen wie Gebäuden, Bäumen oder Straßen. Ein freies Feld von etwa 10x10 Metern wäre optimal. Als Faustregel gilt: Der nächste störende Gegenstand sollte mindestens zehnmal so weit entfernt sein wie die Höhe, in der der Sensor angebracht ist. Der Boden muss von einer Grünfläche wie Gras bedeckt sein, um die Umgebung bestmöglich zu repräsentieren.
Autothermometer nicht zuverlässig
Wenn Sie ein Quecksilberthermometer an einer schattigen Stelle, etwa an einer Mauer, angebracht haben, könnten die Werte relativ genau sein. Aber sobald das Thermometer direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, verlieren die Messungen an Genauigkeit. Bei Funkthermometern ist es ebenfalls ratsam, sie an einem schattigen Ort zu platzieren, um genaue Werte zu erhalten. Dennoch wird es oft schwierig, eine ideale Messstelle zu finden, die vor zusätzlicher Wärmeabstrahlung geschützt ist.
Die Temperaturanzeigen, die man auf Apothekenschildern oder an Autos sieht, sind oft stark verfälscht, da diese Geräte in der Regel direkter Sonneneinstrahlung oder anderen Hitzequellen ausgesetzt sind. Diese Anzeigen können die tatsächliche Temperatur um 5 bis 10 Grad überschätzen – besonders an heißen Tagen.
Auch die Temperaturen, die in den meisten Standard-Wetterapps angezeigt werden, sind oft nur Berechnungen, die auf Wettermodellen basieren. Diese Apps zeigen meist keine tatsächlichen Messwerte an, sondern berechnen die Temperatur auf Grundlage der aktuellen Wetterlage. Nur spezialisierte Apps, die auf reale Wetterstationen zugreifen, können präzise und aktuelle Werte anzeigen.
Um verlässliche Temperaturwerte zu erhalten, müssen professionelle Messmethoden angewendet werden. Thermometer im Garten oder die Anzeigen im Auto sind oft ungenau, insbesondere bei direkter Sonneneinstrahlung. Wer genaue Werte möchte, sollte sich auf professionelle Wetterstationen verlassen.