Kunstecke
Die hauptstädtischen Galerien bieten zahlreiche Höhepunkte aus dem In- und Ausland
Cosimo Casoni, Bob Wilson und Michel Medinger: drei wichtige Namen in der Kunstwelt, deren Werke es zum Jahresbeginn in Luxemburgs Galerien zu sehen gibt.
Diese Woche beleuchtet die Kunstecke Ausstellungen in den Galerien in Luxemburg-Stadt Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Jetzt, wo eine fünfköpfige Jury den dritten „Lëtzebuerger Konschtpräis“ an die für ihre konzeptionelle Arbeit bekannte Künstlerin Simone Decker vergeben hat, können wir uns Ausstellungen in Galerien zuwenden. Die erste Welle an Vernissagen für 2026 ist angerollt, die zweite steht Anfang Februar an. Greifen wir aus den aktuell angelaufenen Ausstellungen einige Beispiele in Galerien der Oberstadt heraus.
Cosimo Casoni
Am Theaterplatz hat die Valerius Gallery den italienischen Maler Cosimo Casoni mit seiner Expo „Floating Blocks“ zu Gast. Der Künstler, Jahrgang 1990, ist in der schönen Toskana-Region und in Mailand zu Hause. Er bringt in seinen recht komplex aufgebauten Malereien, in denen Häuserfragmente mit Naturelementen vermischt und gegeneinander gestellt werden, mit warmen Farben sowohl eine besinnliche Stimmung als auch aufregende Fragestellungen in Verbindung.

Einblick in die Ausstellung zu Cosimo Casoni in der Valerius Gallery Foto: Pancake! Photographie
Motive aus dem besonnenen Alltag einerseits, eigene glorreiche Geschichte und aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge andererseits, werden aufgegriffen, teils mit radikalen künstlerischen Mitteln dargestellt, etwa der Bearbeitung der bemalten Leinwand mit Skateboard-Rädern. Casoni bricht Bauten auf, kombiniert geometrisch angelegte Figuren mit weichen, aus der Natur gegriffenen Formen und schafft so fremdartige Gemälde, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion schwanken und dennoch ein Ganzes ergeben.
Mit dieser ersten Schau eines italienischen Künstlers, der außerhalb Italiens bereits in London, Sydney oder New York ausgestellt hat, präsentiert die Galerie 14 Werke, die in diversen Formaten in eine Art „Post-Graffiti“-Welt, die zum Nachdenken anregt, entführt. „Floating Blocks“ ist noch bis zum 14. Februar in der Valerius Gallery zu sehen.
Meister Bob Wilson setzt Zeichen
Obwohl Nosbaum Reding ein paar Arbeiten von Robert Wilson mit zur Brafa Art Fair nach Brüssel genommen hat, reichen die noch in der Galerie vorhandenen zahlreichen Zeichnungen und Malereien des Künstlers aus. Wilson (1941-2025) ist ein amerikanischer Künstler, der nach seinen Studien in Texas nach New York übergesiedelt ist, um dort in den 60er-Jahren u.a. „The Byrd Hoffman School of Byrds“ zu gründen.
Vielseitig veranlagt, hat er zum Beispiel 1976 mit Philip Glass die Oper „Einstein on the Beach“ verfasst. Er hat mit mehreren bekannten Autoren und Musikern zusammengearbeitet, etwa Heiner Müller, Susan Sontag, Jessye Norman oder Anna Calvi, und war an zahlreichen Produktionen unterschiedlicher Ausrichtung beteiligt. Zeichnungen, Malereien und Skulpturen reihen sich in sein umfangreiches Oeuvre ein. In dieser Ausstellung werden nur Arbeiten auf Papier gezeigt. Robert Wilson war ein geschätzter und geehrter Kunstschaffender, der auch akademisch wichtige Beiträge zur Kunstförderung geliefert hat.
Auf einen Blick
Cosimo Casoni in Valerius Gallery, 1, place du Théâtre, Luxemburg
Robert Wilson in Nosbaum Reding Gallery, 2, rue Wiltheim, Luxemburg
Nina Tomàs in Nosbaum Reding/Projects, 4, rue Wiltheim, Luxemburg
Michel Medinger in Reuter Bausch Art Gallery, 14, rue Notre-Dame, Luxemburg
Tiffany Matos in Mob-Art Studio, 19a, avenue de la Porte-Neuve, Luxemburg
Joss Blanchard in Galerie Schortgen Artworks, 24, rue Beaumont, Luxemburg
Gaultier Rimbault-Joffard in Zidoun-Bossuyt Gallery, 6, rue Saint Ulric, Luxemburg
Die Bob-Wilson-Schau umfasst über 40 Arbeiten auf Papier, allesamt Werke der minimalen und seriellen Art, wobei Brillen, Tische und Stühle sowie Segelboote den Stoff hergeben, aus dem diese einfach anmutenden, aber subtil in Szene gesetzten Objekte zu anregenden Kunstfiguren werden. Bei diesem Expo-Ensemble geht es um die „Pessoa drawings“, die zum ersten Mal so öffentlich zugänglich sind. Diese sind der Theaterproduktion „Pessoa“ von Wilson entnommen und verdeutlichen seine Methode: Das Bild, die Zeichnung kommt vor dem Text oder den Dialogen. Es ist seine Art, zu denken. Diese Sammlung enthält visuelle Bilder besagten Stückes. Es ist die „visual genesis: a space where thought, movement and time are held together through drawing“. In der Tat eine Ausstellung der besonderen Art, die noch bis 21. Februar zu besuchen ist.
Parallel zeigt Nina Tomàs interessante Werke in der Galerie Nosbaum Reding/Projects unter dem Titel „Arborescenes“, dies auch bis zum 21. Februar.
Letzte Tage der Medinger-Expo
Wie bereits angesagt, hält die Reuter Bausch Gallery eine Auswahl an Fotografien des leider allzu früh verstorbenen Meisters der Lichtbildkunst Michel Medinger noch bis 31. Januar bereit. Medinger hat Luxemburg bei den Foto-Begegnungen in Arles vertreten, einzelne Arbeiten waren vor Jahren im Park in Merl zu sehen, im CNA in Düdelingen und in der Villa Vauban in Luxemburg-Stadt. Sowohl von der Technik als auch den Motiven und der Aussagekraft der meist Schwarz-weiß-Fotografien her hat dieser Fotograf seine Offenheit und Vorliebe zu freiem künstlerischen Ausdruck über viele Jahre praktiziert.

Die Ausstellung zu Michel Medinger läuft noch bis zum 31. Januar Foto: Reuter Bausch Art Gallery
Runden wir diesen Exkurs mit der Sicht auf drei Galerien der Oberstadt mit einem dreifachen Hinweis ab: Mob-Art Studio präsentiert noch bis zum 14. Februar „Ephemeral Poetries“ von Tiffany Matos; Galerie Schortgen Artworks zeigt Bilder von Joss Blanchard bis 21. Februar und bei Zidoun-Bossuyt Gallery im Grund ist das Publikum ab heute und bis zum 7. März den „Fréquences“ von Gaultier Rimbault-Joffard ausgesetzt. Nächste Woche geht es weiter mit Stippvisiten in Galerien und Kunstzentren außerhalb der Stadt Luxemburg.